Wo aus Zähren werden Wonnen Und aus Sündern bunte Sonnen , Wo sich der Liebe Zärtlich Schmachten endlos erfüllt . - Droben kreist ein Königsaar . Auf zu ihm ins Blau der Lüfte Über Tann und Höhlengrüfte ! Himmlische Ferne Lockt und lächelt wolkenlos klar . An einem sonnigen Tage Septembris wandelte ich längs des Schwarzen Berges , über der Schulter einen Sack voll gesammelter Pilze . Bedachte gerade , wie das menschliche Leben gar so traumhaft sei ; sintemalen die Dinge kommen und gehen , nicht anders denn Traumbilder - unberechenbar , von einer rätselhaften Macht eingegeben . Bei solchem Sinnen beschlich mich ein bang Gefühl ; sagte mir : dein neues Schicksal ist allbereits unterwegs und lauert im Dunkeln , um plötzlich auf dich zu stoßen . Wer weiß , was auf einmal hier aus diesen Waldgründen kommen mag . Da hast du nun endlich deine Ruhe gefunden als ein Eremit ; doch eine auftauchende Veränderung möchte dich vielleicht stören und zu wilder Leidenschaft hinreißen . Während mein Auge starr auf dem entfernten Waldpfade verweilte , sah ich zween Menschen daher kommen , einen Mann , in der Faust eine Partisane , auf dem Rücken eine Hucke , hinter ihm ein bäuerlich gekleidet Weib . Ich ging ihnen entgegen und bot guten Tag . Freundlich gaben sie den Gruß zurück . Dann blieb der Mann stehen und sahe mich durchdringend an : » Seid Ihr Herr Johannes , der Buschprediger von der Abendburg ? « » Der bin ich . Was ist euer Anliegen ? So ihr in meine Hütte kommen möchtet , haben wir ein Stündlein zu gehen . « Fragend blickte der Mann auf das Weibsbild und versetzte : » So der Herr Prädikant erlaubet , lässet sich auch an diesem Orte besprechen , was wir auf dem Herzen haben . « Ich wies auf einen Felsen , von Heidelbeergesträuch umwachsen : » Lasset uns niedersitzen ! « Nun sah ich mir die beiden näher an . Der Mann von kurzer , breiter Gestalt mußte starke Kräfte haben . Haar und Bart waren ergraut ; eine breite Narbe im braunen Gesicht und ein soldatischer Koller von Leder ließen vermuten , daß er in diesen Kriegszeiten die Waffe geführt . Das Weibsbild mochte vierzig Jahre zählen , war gesund , etwas breit von Angesicht , doch angenehm anzuschauen . Ihr blaues Auge frei aufgetan und voll sanften Feuers . Sie sahe dem Manne ähnlich , wiewohl er verschlossen und streng blickte . Da die beiden schwiegen , wollte ich ihnen Mut zum Reden machen : » Seid ihr Mann und Frau ? « » Geschwister ! « versetzte der Mann . » Ich bin Heinrich Kiesewald geheißen , der Hirte vom Breiten Berge , und dies ist meine Schwester Sibylle . « Da er wieder in Schweigen verfiel , forschte ich weiter : » Hat Er keine Frau ? « Er nickte . » Die hab ich , und um deren willen sind wir gekommen . Sie möchte etliches von Euch , Herr Prädikant , vernehmen . « » Warum ist sie nicht selber gekommen ? Ist sie krank ? « » Das nicht . Aber so verschämt , daß sie einem fremden Manne nicht leicht ihr Herz eröffnet . « » Sie hat gleichwohl groß Vertrauen zu Euch , Herr Johannes , « sagte Sibylle eifrig . » Ihr Sinnen und Trachten , so dünket mich , ist wie das Eure darauf aus , das himmliche Reich hienieden auszuwirken . Kein ander Begehren hat sie , als immer nur treu und demütig ihre Pflicht zu erfüllen und allen wohlzutun . Dazu ist sie klugen Geistes , eine feine Frau und gehört eigentlich nicht unter geringe Hirten ; heget aber gar keinen Hochmut , sondern möchte immer nur Dienerin sein . « Der Mann nickte , und ich wandte mich zu ihm : » Da ist Er glücklich zu preisen . « » Hörst du ? « sagte Sibylle in scherzender Munterkeit ; dann erklärte sie : » Mein Bruder ist nämlich noch nicht zufrieden . Denkt sich halt , sein Glück solle noch größer sein . « » Und was fehlt daran , Heinrich Kiesewald ? « » Ich habe einen Kummer , und meine Frau hat auch einen . Sie trägt an meinem Kummer mit . Darum aber sind wir kommen , daß Ihr unsere Herzen erleichtert . Wollet Ihr also tun , Herr Prediger ? wollet Ihr mit Eurer Weisheit einen Zweifel heilen , so ich Gottes Worte gegenüber hege ? « » Wenn ich kann . Fraget nur frei ! Welch Gotteswort ist es denn ? « » Es stehet geschrieben ... « . Hier verstummte der Mann und besann sich . » Lucä 20 und Matthäi 22 , « sagte Sibylle und fuhr für ihren Bruder fort : » Dorten wird erzählt von sieben Brüdern . Der erste nahm ein Weib und starb erblos . Da nahm der zweitgeborene Bruder selbiges Weib , nach dem Gebote Mose , damit ein Erbe entstehe . Doch auch er starb erblos . Nun nahm der dritte das Weib , es erging ihm jedoch nicht anders denn seinen älteren Brüdern . So heirateten auch die anderen Brüder der Reihe nach und starben insgesamt ohne Erben ; zuletzt starb auch das Weib . Diese seltsamliche Begebenheit trugen die argen Sadducäer unserm Heilande vor und fragten : Nun sage , Herr , wie wird es in der Auferstehung sein ? Alle sieben haben sie zum Weibe gehabt ; wessen wird sie im Himmelreiche sein ? - Sehet nun , Herr Johannes , die gleiche Frage richten wir an Euch , weil mein Bruder Heinrich hier mit Zweifeln sich bekümmert und auch noch seine Frau friedlos macht . « Ich erwiderte : » Warum genügt Ihm nicht der Bescheid , den Christus gegeben ? Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien ; wer aber würdig sein will , ins Himmelreich einzugehen , der muß wissen , daß