Position auf Position zurück . So standen die Sachen , als Valerius seit langer Zeit zum ersten Male wieder das Palais des Grafen betrat . Der Herr des Hauses war schon am frühen Morgen aufs Landgut hinausgefahren . Das war dem Deutschen eigentlich erwünscht , denn es gewährte ihm die beste Gelegenheit , auf dem Landgute selbst zu erscheinen . So hoffte er , auf das bequemste wieder in Konstantiens Nähe zu gelangen . Als er eilig aus der Tür des Palastes trat , rannte ein hastig Vorübereilender gegen ihn und stieß ihn schmerzlich an den wunden Arm , welchen er in der Binde trug . Der heftige Schmerz preßte ihm einige harte Worte aus , der Vorüberstürmende blickte sich heftig um - es war das wilde Gesicht Slodczeks , das dem Verletzten trotzig in das Auge blickte . Leopold war noch nicht in der Konditorei , als Valerius dort ankam . Er las Journale , um sich über die Stimmung des Volks zu unterrichten , da in seine Krankenstube nur Einzelnes , Unvollständiges gedrungen war . Überall fand er die heftigste Entrüstung gegen Skrzynecki und die Untätigkeit des Heeres , überall fanatisches Lob des alten Krukowiecki , der als Gouverneur von Warschau eine rastlose , energische Tätigkeit entwickelte . Ein Geräusch auf der Straße zog ihn vom Lesen ans Fenster . Ein hoher Offizier ritt langsam daher , die Leute , welche sich eben auf dem Wege befanden , waren überall stehen geblieben , schwenkten die Hüte und Mützen und riefen laut . Valerius öffnete das Fenster , um die Worte zu verstehen - » in die Schlacht , in die Schlacht , Vater , « waren die ersten Worte , welche er vernahm . Mit Staunen erkannte er in dem vorüberreitenden Offizier jenen alten graubärtigen Mann wieder , welchen er auf dem Balle beim Grafen Kicki gesehen , den Stanislaus mit soviel Aufmerksamkeit und Teilnahme die Treppe hinab begleitet hatte . Seine harten , finstern Züge waren in diesem Augenblicke durch eine gleißende Freundlichkeit geglättet , das schnelle , graue Auge flog wie ein spielender Raubvogel links und rechts unter die immer größer werdende Menge . » Hilf , Krukowiecki , Vater Krukowiecki hilf uns ! « rief man von allen Seiten . Zu seinem Erstaunen sah Valerius seinen kleinen Mediziner mitten unter den Schreiern , er schwenkte sein weißes Hütchen , und mit dem ihm eigentümlichen Lächeln , das halb gutmütig halb ironisch , immer aber einnehmend aussah , schrie er tapfer mit : » Hilf , Krukowiecki , Vater Krukowiecki , hilf uns ! « Der Angerufene sprach etwas zum Volke , er war aber schon zu weit entfernt , als daß man es am Fenster der Konditorei hätte verstehen können . Jubel und Vivatrufen des Volkes kam hinterdrein . » Das also ist Krukowiecki ! « sagte der Deutsche vor sich hin , » ein unheimlicher Mann des Volkes für mich , ich weiß selbst nicht warum - was fällt denn dir ein , du unverbesserlicher Narr , « rief er dem eintretenden Leopold zu , » mit dem Volke zu schreien , was hast du denn für ein Interesse an Krukowiecki ? « » Ich lache und rufe , « erwiderte dieser , » mit allen aufgeweckten Leuten , ' s ist immer etwas Munteres und Belebendes für mich darin , wenn die Menge jemand zujauchzt , etwas verlangt ; die Äußerung ist so natürlich , man vergißt einen Augenblick unser künstliches Staatsleben - und dieser Krukowiecki hat ein so interessantes Gesicht , ich sage dir , Freundchen , in diesem Gesicht liegt ein ganzes Stück Weltgeschichte . « - » Wenn ' s nur ein gutes ist . « - » Ja , das ist die Frage . Du weißt , ich habe solch einen gewissen physiognomischen Instinkt : dies eckige , starre Gesicht , dieser brutal heroische Kopf , der sich in den Nacken zurückwirft , bedeutet etwas Wichtiges . « - » Was macht die Kranke ? « » Nichts , mein Lieber , gar nichts . « - » Sie ist doch nicht - « » Nein , sie ist nicht mehr , das heißt , sie ist dem Geheimnis der modernsten Philosophie , der ostindischen Pest verfallen , in populärer Sprache : sie ist tot - keine Vorwürfe , Lieber , die besten Ärzte haben sich mit ihr beschäftigt nach unserem Weggange , sie haben alle Systeme probiert und der Cholera tapfer beigestanden - wir wandeln hier in einem dunkeln Tale , das neue große Geheimnis , das aus Kalkutta gekommen ist , lehrt uns wieder , daß wir nicht wissen , in welchen Atomen das Leben besteht . Wenn wir erst etwas Lebendiges erschaffen lernen , etwas , das Puls und Odem von uns empfängt , dann wollen wir der Medizin die Anmaßungen vergeben . « - » Kasimir ! « rief Valerius , aus einem traurigen Nachsinnen auffahrend - der junge Wolhynier trat nämlich eben ins Zimmer - » wissen Sie , wo Ludmilla ist ? « Kasimir zog die Stirn zusammen . » Im Grabe ist sie . « » Was ? « Und nun folgte rasch die Erzählung . Der Wolhynier schwieg noch eine Weile , als sie beendigt war . Dann ergriff er rasch Valerius ' Hand : » Sie werden mich verdammen , Herr , und Sie haben vielleicht nicht unrecht . Ludmilla kam aus den dreisten Händen des Russen in die meinen , sie hatte keine Schuld - aber - mit meiner Liebe war es aus , ich verließ sie - zu was anderem , Wichtigerem , aber hier ist nicht der Ort , vermeiden Sie überhaupt in diesen Tagen dies Haus . « - Valerius überhörte die letzten Worte , sagte Leopold Adieu , unterrichtete ihn , wo er zu finden sei , und ging mit Kasimir . » Wir sind bei einer bedenklichen Krise angekommen , « hub dieser mit leiser Stimme an , als sie auf der Straße waren