Dinge . « Wir gingen auf die Plattform und setzten uns da nieder , genau so , wie ich im Traume mit dem » Zauberer « gesessen hatte . Und wie dieser , so begann nun auch der Aschyk zu erzählen : Ein Menschenleben nur , und aber doch ein Menschheitsleben ! Vom » Zauberer « hatte ich erfahren , warum es Schatten geben muß . Heut nun erfuhr ich , wie diese Schatten wirken und wie man sich verhalten sollte , um sie so klein wie möglich zu machen . Dieser Aschyk hatte im tiefsten Schatten unserer Feinde gelegen und sie genau studiert . Er schonte sich selbst nicht im Geringsten , aber er schonte auch keinen Andern . Und als er fertig war , lag nicht bloß er allein , sondern lagen auch alle Die , von denen er gesprochen hatte , so durchsichtig vor mir , daß ich sie nun wahrscheinlich besser kannte als er selbst . Hierbei befriedigte es mich , daß sich alle meine Vermutungen als richtig herausstellten . So war er es auch wirklich gewesen , der die sechs Fremden drüben in der Mäjmä-i-Yähud belauscht hatte , und er berichtete mir jedes Wort , welches von ihnen gesprochen worden war . Nun stand er von seinem Sitze auf . » Fertig - - für heut ! « sagte er . » Jetzt kennst du mich in allen meinen Sünden ; nun sprich mein Urteil aus ! Das meinige habe ich da unten gefällt , im Wasser , auf dem Steine . Mit Allah habe ich da drüben in Eurem Beith-y-Chodeh gesprochen . Ich glaube , er verzeiht . Wende dich hinüber , und lausche ! « Es hatte sich im Ost ein starker Morgenhauch erhoben ; der wehte durch den offnen Rosenpark und brachte dann den Duft zu uns herüber . » Das soll mir von da drüben Antwort sein ! « nickte der Aschyk . » Und nun noch du ! Du bist ein Christ ; ich bin ein Muselmann ; so sprich als Mensch nun dein Erkenntnis aus . Die Menschheit sollst du nicht etwa vertreten ; die kenne ich ; ich mag sie gar nicht hören ! Sprich zu mir als der Mund des Menschentums ; die Menschlichkeit ists , die ich hören will . Und was du sagst , soll über mich entscheiden ! « Da hielt ich ihm meine Hand hin und sprach : » Greif zu ! Die Menschlichkeit , die du jetzt hören willst , hat schon durch mich gesprochen : Ich verzeihe ! « » Ganz ? « » Ganz ! « Erst jetzt faßte er zu . Er hatte mit gesenktem Kopfe vor mir gestanden ; nun hob er ihn empor und sagte : » Da drüben , unterhalb des Tempels , habe ich vor dir gekniet . Ich tat es gern , denn dort war ich Verbrecher . Jetzt aber bin ich wieder Mensch . Ich darf dir also frei ins Antlitz sehn und kann dir danken , ohne mich zu beugen . Sag mir , was hast du über mich beschlossen ? « » Nichts . Du bist frei , dein eigner Herr ! « » So kann ich gehn - - in diesem Augenblick - - sofort ? « » Ja . « Da trat er an die Balustrade vor und sah hinab zum See , dann weit hinaus . Hierauf drehte er sich wieder zu mir um , räusperte sich wie verlegen und sprach : » Effendi , gewähre mir das Glück , das allergrößte , welches es für mich hier bei dir geben kann ! « » Wenn es mir möglich ist , wohl gern . « » Ich möchte nach so langer , langer Zeit gern wieder einmal fühlen , wie es ist , wenn sich ein Mensch dem anderen vertraut . Verschließest du hier diese Tür , wenn du dich schlafen legst ? « » Nein . « » Das Fenster ? « » Auch nicht . « » Du denkst nicht klein und wirst mich drum verstehen . Ich war dein Feind ; dein Leben galt mir nichts . Ich sah drin auf dem Tisch ein Messer , Scheren und noch Andres liegen , was in des Mörders Hand zur Waffe werden kann . Geh trotzdem jetzt hinein , und lege dich zur Ruhe , obgleich hier Alles offenstehen bleibt . Ich aber setze mich hier auf das Kissen nieder und denke mich in meine Jugendzeit , in der ich rein von Schuld , ein gutes Kind , ein braver Mensch noch war . Ich will es wieder sein ! « Da reichte ich ihm abermals die Hand und sagte nichts als : » Gute Nacht ! Ich gehe schlafen ! « Er richtete sich hoch auf . Ich ging , durch das Mittelzimmer , wo ich die Lampe auslöschte , und dann nach der Schlafstube . Dort drehte ich mich noch einmal nach ihm um . Er stand genau so , wie der » Zauberer « im Traume , draußen an der Tür und schaute mir nach . » Gute Nacht ! « sagte ich noch einmal . » Gute Nacht ! Allah segne dich , Effendi ! « klang es zurück . Dann ging ich weiter , in die Stube hinein . Ich schlief sehr gut und sehr lang . Als ich erwachte , schaute mir die Sonne freundlich in die Augen . Ich dachte sogleich an die Gestalt des Aschyk , wie sie draußen an der Tür gestanden hatte , kleidete mich schnell an und ging hinaus . Er war nicht mehr da . Die Stufen , welche von meiner Plattform aus hinüber nach dem Glockenwege führten , hatten es ihm ermöglicht , sich zu entfernen . Aber er war dann noch einmal hiergewesen , denn auf dem Tisch des Mittelzimmers lag ein Paket , welches nur von ihm sein konnte . Als ich den Umschlag auseinander genommen hatte , sah ich , was