wiedersehen . « Wie schlau ! Er wollte nur wissen , wann wir von hier aufzubrechen beabsichtigten . Darum führte ich ihn irre : » Die Freude , euch dort zu treffen , ist uns versagt , denn wir sind so ermüdet , daß wir diesen Brunnen hier erst übermorgen verlassen werden . « Da fragte er unvorsichtig schnell : » So seid ihr morgen den ganzen Tag noch hier ? « » Ja . « » Habt ihr vielleicht Begegnungen gehabt ? Wir wurden vor den Beni Khalid gewarnt , welche sich auf einem Kriegszuge gegen die Beni Lam in der Gegend des Bir Hilu herumtreiben sollen . « Jetzt hätten wir die beste Gelegenheit gehabt , uns dadurch an den Beni Khalid zu rächen , daß wir die Beni Lam auf sie hetzten . Eine schnelle Bewegung Halefs sagte mir , daß er auch wirklich in diesem Sinne an meiner Stelle antworten wolle ; ich kam ihm aber zuvor : » Wir sind Hadschahdsch , grad so wie ihr und bekümmern uns nicht um die Streitigkeiten fremder Leute . « » Aber Auskunft könnt ihr uns doch geben , ob ihr eine Spur der Beni Khalid oder gar sie selbst gesehen habt ! « » Nein , denn ihr seid Beni Lam und keine Scherarat ! Wir Haddedihn lassen uns nicht täuschen , und es fällt uns nicht ein , die Schuld am Blute anderer auf uns zu laden ! « Da wollte er heftig werden , besann sich aber eines anderen und war still . Nach kurzer Zeit stiegen sie auf , grüßten ganz kurz und ritten fort , und zwar in westlicher Richtung , während der Weg nach der Ain Bahrid sie doch nach Süden geführt hätte . Sie hielten es also für überflüssig , noch einen Versuch zu machen , unsere Ansicht über sie zu ändern . » Warum sagtest du ihnen die Wahrheit über die Beni Khalid nicht ? « fragte mich der Hadschi , als sie fort waren . » Habe ich ihnen die Unwahrheit gesagt ? « » Nein . Du hast nichts als nur geschwiegen . Aber wie schön hätten wir uns der Rache Tawil Ben Schahids entziehen können , wenn wir ihnen die Beni Lam nachgeschickt hätten , von denen ich jetzt überzeugt bin , daß sie da im Westen von uns irgendwo stecken ! « » Wir hätten dadurch einen blutigen Zusammenstoß zwischen ihnen verursacht ! « » Der aber doch auch ohne uns ganz sicher geschehen wird ! « » Da sind wir ohne Schuld ; meine Mitteilung aber wäre eine so direkte Ursache gewesen , daß ich mir später die bittersten Vorwürfe gemacht hätte . Denke doch an El Mizan , lieber Halef , an El Mizan ! « » Ja , ja , an die Wage der Gerechtigkeit ! Du hast recht , Effendi ! Es wird Liebe von uns verlangt , immer nur Liebe ; hättest du aber die Frage dieses Kundschafters beantwortet , so würde es uns dereinst als Haß , als Rache angerechnet werden und diese schwere Last wollen wir ja nicht auf unsere Seelen laden . Ich fürchte mich in meinem Leben zum allererstenmal , und zwar vor dieser fürchterlichen Wage , welche nichts verschweigt , sondern alles Verborgene an das helle Licht des Tages zieht ! « - Wollte doch jedermann die Augen stets immer zu der Beobachtung offen halten , daß das Gute die Belohnung und das Böse die Bestrafung ohne alles Zuthun des Menschen schon in sich trägt ! Leider üben die meisten Menschen diese Aufmerksamkeit fast nie , und nur in ganz in die Augen springenden Fällen läßt man sich zu einer Art von Erstaunen herbei , denkt einen kurzen Moment darüber nach und hält dann die Sache mit dem geistreichen Endurteile Sonderbarer Zufall ! für abgethan ! Und doch giebt es keinen Zufall ! Wenigstens für den gläubigen Christen ist durch dieses Wort ein starker , dicker Strich gemacht . Der Erfinder desselben wußte von Gottes Weisheit und Gerechtigkeit nichts , und alle , die es nach ihm in den Mund nahmen , hatten , grad wie er , ihr Augenmerk zwar auf die irdische , nicht aber auf die himmlische Erkenntnis gerichtet . Man spricht so schön gelehrt vom Makrokosmos und vom Mikrokosmos ; der erstere bedeutet die ganze Welt , der letztere ist der Mensch . Nun ist man wohl bereit , jene sogenannte große Weltordnung zu bewundern , nach welcher alles zum Makrokosmos Gehörige sich auf streng vorgeschriebener Gesetzesbahn bewegt und keine einzige der Welterscheinungen absolut für sich selbst bestehen kann , sondern sich in der innigsten Beziehung zum Ganzen befindet , weil sich das eine aus dem andern mit lückenloser Folgerichtigkeit entwickeln muß und bisher auch entwickelt hat . Das hat man wohl erkannt , und das giebt auch der Gottesleugner zu . Er giebt sogar auch zu , daß Gesetze von ähnlicher Unverbrüchlichkeit ebenso im Mikrokosmos , also im Menschen , walten , meint aber damit nur den für die Erde existierenden Menschen ; der für den Himmel bestimmte , den ich hier Seele nennen will , existiert ja für ihn nicht . Und doch giebt es eine - - bitte , ja nicht zu lächeln ! - - eine Seelenweltordnung , welche wenigstens ebenso große Bewunderung verdient wie jene angestaunte Ordnung der makrokosmischen Welt ! Wie das Leben der Einzelseele eine gottgewollte Entwicklung eng zusammenhängender Folgerichtigkeiten zeigt , so werden auch die Beziehungen der Seelen zu einander von Gesetzen regiert , von welchen es keine Abwege und gegen die es kein Widerstreben giebt . Schau nur hinein in deine Seele , lieber Leser ! Beobachte sie und ihre Regungen mit nachdenkender Aufmerksamkeit ! Du wirst bald wunderbare Entdeckungen machen und vor allen Dingen zu der Erkenntnis gelangen , daß dir diese deine eigene Seele bisher eine vollständig unbekannte Welt gewesen ist ! Es ist mir ja ganz ebenso gegangen ! Aber als ich erst einmal mit Ernst angefangen hatte , da