Ordnung bringen ! Ihn fröstelte auf einmal . Warum stand er denn hier eigentlich ? Was wollte er denn ? - Ja , richtig ! Nur schnell ! Je eher , je besser ! Wozu hier stehen und gaffen ? Das nützte ja doch nichts ! Aber das Strohdach ... Er hätte gar nicht gedacht , daß der Wind neulich so stark gewesen wäre ! - Er war selten hier heraus gekommen in der letzten Zeit , weil ihn die Ziegelei ärgerte ! Ach , diese Ziegelei ! Das ganze Gut war schimpfiert . Dort blickte die Esse vor ; er mochte gar nicht hinblicken ! In weitem Bogen umging er das Bauwerk ; bis er hinter der Ziegelei wieder auf den Hauptweg des Gutes kam . Wieviel tausend und abertausendmal in seinem Leben war er diesen Weg hinausgeschritten ! Zu allen Jahreszeiten , ledig und mit Bürde , allein oder in Gesellschaft der Frau , der Kinder , mit den Gespannen . Vom Büttnerschen Hofe kam der Weg , führte durch Büttnersche Felder und Wiesen , lief in den Büttnerschen Wald aus . Eine halbe Stunde und mehr konnte der Bauer geradeaus schreiten , ohne von seinem Grund und Boden herunterzukommen . Hier war er umgeben von den Zeugen seines Lebens und Wirkens . Jener klobige Steinblock erinnerte ihn an die tagelange schwere Arbeit , mittelst der er ihn aus dem Acker gehoben . An dieser Ecke war er in früher Jugend bewahrt worden vor Unfall wie durch ein Wunder ; die Pferde waren scheu geworden , hatten den Knaben geschleift ; als der Vater desselben Weges kam , sich den Tieren entgegenwarf und so des Kindes Leben rettete . Dort jenen wilden Rosenstrauch hatte er stehen lassen , während rings alles Gebüsch gerodet wurde , der Hagebutten wegen , aus denen die Bäuerin ein schmackhaftes Mus zu bereiten verstand . - Hier hatte jeder Fußbreit Landes Bedeutung für ihn , jedes Hälmchen erzählte ihm eine Geschichte . Jetzt verließ er den Hauptweg , schlug einen schmalen Gang zwischen zwei Feldern ein . Dabei stieß er auf einen frisch gesetzten Grenzstein . Das war die neue Einteilung ! - Alles hatten sie ihm durcheinander geworfen : die Grenzen , die Schläge , die Fruchtfolge . Da war ein Stück mit junger grüner Saat . Hafer konnte das nicht sein . Ja , zum Teufel , was war denn das ? - Der Bauer blieb stehen , bückte sich , betrachtete sich die Hälmchen genau . Das war ja Gerste ! - War der Mensch verrückt , hier Gerste zu bauen , auf diesem nassen Zipfel ! Der würde sich mal wundern im Herbst , was er hiervon ernten mochte ! Er mußte doch seinen Acker kennen . Hier gerade war undurchlässiger Tonboden und immer Nässe . Da wollte solch ein Esel Gerste bauen ! - Der Alte lachte grimmig in sich hinein . Aber er hatte ja noch was vor heute . Richtig ! - Ein kleiner Schauer lief ihm den Rücken hinab . Nur die Furcht nicht Herr werden lassen ! Die Sache war schnell vorüber , wenn man ' s richtig anfing . Er überzeugte sich durch einen Griff in die Brusttasche , daß das , was er brauchte , auch da sei . Was sie wohl sagen würden , wenn sie ihn erst gefunden haben würden ! - Was seine Peiniger da sagen würden ! - Kaschelernst , der Hund ! Dort lag sein Feld . Sein Korn schien gut zu stehen heuer . Wie er ihm im vorigen Jahre die Saat umgestürzt hatte , das war doch mal ein gelungener Streich gewesen ! - Der Schimmer eines Lächelns flog über die verbissenen Züge des alten Mannes . Jetzt mußte er Halt machen ; er war zu schnell gegangen . Nur Ruhe ! Er kam noch zeitig genug ! Er warf einen Blick auf das Dorf , das man von hier aus in seiner ganzen Länge übersehen konnte , bis zur Kirche hinab . Eben begannen sie dort zu läuten ; es war wohl zum zweiten Gottesdienste . Büttner nahm unwillkürlich - die Mütze vom Kopfe , faltete die Hände , betete ein Vaterunser . Dann seufzte er tief und wandte sich wieder zum Gehen . Ob sie ihm wohl ein christliches Begräbnis gestatten würden ? Daß er als Christ gestorben und nicht wie ein Heidenmensch , das mußten sie doch einsehen ! Die ganze Gemeinde und der Pastor hatten ihn ja in der Kirche und am Altar gesehen . Das mußte doch gelten ! Es war ja am Ende nicht recht in den Augen der Menschen , was er tat , und eine Sünde vor Gott dem Herrn war es auch . Aber konnte er denn anders ? Tausendmal hatte er ' s erwogen . Wie viele schlaflose Nächte waren darüber hingegangen seit jener , wo ihm der Gedanke zum ersten Male gekommen ! Es war damals gewesen , als seine Frau unbeerdigt im Hause lag . Er selbst hatte die Tote gewaschen und angekleidet . Still hatte sie dagelegen und zufrieden , im Leichenhemde . Da war ihm beim Anblicke des friedlichen Angesichts seiner Lebensgefährtin zum ersten Male der Gedanke gekommen , wieviel besser es doch die Toten hätten als die Lebenden . Gar nicht schrecklich war der Tod ; er hatte etwas so Natürliches und Gutes . Seitdem ließ ihn die geheime Sehnsucht nach der Ruhe nicht wieder los . Anfangs hatte ihn oft gegraust bei dem Gedanken , wie doch ein solches Ende wider Natur und Sitte sei . Allmählich aber hatte er sich an die Vorstellung des Grauenhaften so gewöhnt , daß seine Pulse kaum schneller gingen , so oft er daran dachte . Es gab ja keinen anderen Weg ! Sie hatten ihm alles zerstört , was den Menschen ans Leben fesselt . Richtig hinausgedrängt war er worden aus seinem Besitz , aus allen seinen Rechten . Den Boden hatten sie ihm unter den Füßen weggerissen . Wenn sie '