deine Tochter , und freute mich , und nun - « Rauthgundis lächelte : » Soll ich Gold tragen für meiner Mägde Augen ? Ich schmücke mich nur , wenn Witichis es sieht . « - » So ? mög ' er ' s verdienen ! Aber du hast doch Goldspangen und Goldreife wie andre Gotenfrauen hier unten ? « - » Mehr als andre , truhenvoll . Witichis brachte große Beute vom Gepidenkrieg . « - » So bist du ganz glücklich ? « - » Ganz , Vater , aber nicht wegen der Goldspangen . « - » Hast du über nichts zu klagen ? Sag ' s mir nur , Kind ! Was es auch sei , sag ' s deinem alten Vater , und er schafft dir dein Recht . « Da blieb Rauthgundis stehen . » Vater , sprich nicht so ! Das ist nicht recht von dir zu sprechen , nicht von mir zu hören . Wirf ihn doch weg , den unglückseligen Irrwahn , als müßte ich elend werden , weil ich zu Tal gezogen . Ich glaube fast , nur diese Furcht hat dich hier herabgeführt . « » Nur sie ! « rief der Alte hastig , mit dem Stock aufstoßend . » Und du nennst einen Wahn , was deines Vaters tiefstes , inneres Wesen ? Ein Wahn ! Ah , ist ' s ein Wahn , daß sich ' s schwer atme hier unten ? Ein Wahn , daß unsre hochgewachsenen , weißen Goten klein und braun geworden hier unten im Tal ? Ist es ein Wahn , daß alles Unheil von jeher von Süden hergekommen , von diesem weichen , falschen Tal ? Woher kommen die Bergstürze über unsre Hütten ? von Süden her . Von wo kommt der giftige Wind , der Mensch und Vieh verdirbt ? Von Süden . Warum stürzt mir Kuh und Schaf , wann sie am Südhang grasen ? Warum starb deine Mutter , wie sie das erstemal von unserm Berge nach Bolsanum herabkam , in der schwülen Stadt ? Ein Bruder von dir stieg auch herab , trat in des Königs Theoderich Waffenschar zu Ravenna : erstochen haben ihn die Welschen beim Wein . Warum taugt kein Knecht mehr was , der je hier in den Süden herabstieg auch nur auf einen Winter ? Wo hat unser großer Held Theoderich das verfluchte Regieren gelernt , mit Steuern und Folter und Kerker und Schreiben ? Was haben unsre Väter von all ' dem gewußt ? Von woher kommt aller Trug , alle Unfreiheit , alle Üppigkeit , alle Unkraft , alle List ? Von hier : aus dem Welschtal , aus dem Süden , wo die Menschen zu Tausenden beisammen nisten , wie unsauber Gewürm , und einer dem andern die Luft vergiftet . Und da kommt mir so einer auf meinen Fels und holt mein frisches Kind herab in dieses Land des Unsegens ! Dein Eheherr hat was Gutes und Klares , ich leugn ' es nicht ; und hätte er sich droben bei mir ein Gehöft gebaut , ich hätte ihm gern mein Kind und das Joch der besten Ochsen dazu gegeben . Aber nein ! Da herunter mußte er sie führen ins heiße Sumpftal . Und er selbst bückt den Kopf in goldnen Sälen zu Rom und in der Rabenstadt . Wohl hab ' ich mich lang gewehrt - « » Aber endlich gabst du nach - « » Was wollt ' ich machen ? War doch mein kernfrisches Mädel ganz herzenssiech geworden nach dem Unglücksmann . « » Und zehn Jahre hat der Unglücksmann dein Kind beglückt . « - » Wenn ' s nur auch wahr ist ! « - » Vater ! « - » Und wahr bleibt . Es wäre das erstemal , daß Glück von Süden käme . Sieh , mein Abscheu ist so groß vor der Ebne , daß ich die sieben Jahr nicht niederstieg , gar mein Enkelkind nie gesehn habe . Wenn ich es jetzt doch getan , hat ' s schweren Grund . « » Also nicht die Liebe ? nicht dein Herz ? « » Freilich ! doch mein banges Herz ! Ein böses Zeichen ist geschehen . Du denkst doch noch der freudigen Buche , die am Felsbache stand , rechts vorm Hause ? Ich pflanzte sie , nach altem Brauch , an dem Tag , da du geboren wardst . Und prächtig , wie du selbst , gedieh der Baum . In dem Jahr , da du fortzogst freilich , fand ich , er sehe krank und traurig . Aber die andern sahen es nicht und lachten mich aus . Nun , sie erholte sich wieder und war frisch und grün . Doch in der letzten Woche kam des Nachts ein Hochgewitter , so wütig , wie ich ' s selten gehört da droben in den Felsen , und als wir am Morgen vor das Tor treten - ist der Stamm vom Blitz zerspalten , und die Krone hat der Gießbach mit sich fortgerissen - nach Süden . « » Schad ' um den lieben Baum ! Doch kann dich das ängstigen ? « » Es ist nicht alles . Traurig grub ich am Abend , nach dem Tagewerk , den armen Stamm aus der Erde und warf ihn ins Herdfeuer , daß er nicht verunehrt und elend am Wege stehe , der meines Kindes ein Bild und Zeichen war . Und ich nahm mir ' s sehr zu Herzen , und ich sann und sann mit schweren Sorgen über deinen Mann , und meine Zweifel an ihm kamen dicht und dichter . Und ich sah ins Feuer , drin der Stamm verkohlte . So schlief ich ein und im Traum sah ich dich und Witichis . Er tafelte im Goldsaal unter stolzen Männern und schönen Frauen , in Glanz und Pracht gekleidet . Du aber standest vor der Tür , im Bettlerkleid , und weintest bittre Tränen