Stoffen umhüllt , die einen sanften , wohlthuenden Schein verbreiteten . Herr Claudius saß mit dem Rücken nach mir zu in einem Fauteuil und hatte den Kopf an die Lehne zurückgelegt - ein grüner Schirm bedeckte seine Augen ... Er schien nicht zu bemerken , daß jemand eingetreten war , oder meinte vielleicht , es sei Fräulein Fliedner , denn er veränderte seine Stellung nicht im geringsten . Ach , nun war ja mein tiefster , heißester Wunsch erfüllt - - ich sah ihn wieder ! Sprechen konnte ich nicht - ich fürchtete mich unsäglich vor dem ersten Laut meiner Stimme in dem stillen Zimmer . Fast unhörbar trat ich näher und ergriff zaghaft seine linke Hand , die über die Armlehne des Stuhles herabhing ... Noch verharrte der blonde Kopf in seiner vollkommen ruhigen Lage , aber blitzschnell kam auch die Rechte herüber , und ich fühlte mich plötzlich gefangen . » Ach , ich weiß , wem die kleine , braune Hand gehört , die da so furchtsam zwischen meinen Fingern aufzuckt , wie ein ängstlich schlagendes Vogelherz , « rief er , ohne sich zu bewegen . » Habe ich doch gehört , wie es die Treppe heraufgehüpft kam , und aus den verschiedenen Tempi der Schritte klang es deutlich : Gehst du hinein , oder nicht ? Soll das Mitleid mit dem armen Gefangenen siegen oder der alte Trotz , der wartet , bis er seinen Kerker verläßt und zu mir kommt ? - « » O Herr Claudius , « unterbrach ich ihn , » trotzig bin ich nicht gewesen ! « Jetzt wandte er mir rasch das Gesicht zu , ohne meine Hand loszulassen . » Nein nein , Sie waren es auch nicht , Lenore , « sagte er in verschleierten Tönen , » ich weiß es ... Meine Umgebung ahnt nicht , weshalb ich gerade in der Dämmerstunde so unduldsam gegen jegliches Geräusch war und die allertiefste Stille gebieterisch forderte . Um diese Stunde hörte ich mit Geisterohren , oder auch nur mit dem sehnsüchtigen Herzen - denn ich wußte genau , wann die leichten Mädchenfüße die Karolinenlust verließen , ich verfolgte jeden Schritt durch die Gärten und die Treppe herauf und wartete mit Inbrunst auf das halbgeflüsterte : Wie geht es ihm ? Hat er viele Schmerzen ? - Das klang nichts weniger als trotzig ... Und dann sah ich , wie die wilden Locken mit der wohlbekannten Bewegung von der Stirn zurückgeschüttelt wurden , und die großen , lieben , bösen Augen weit anfgeschlagen an Fräulein Fliedners berichtenden Lippen hingen . « Ich vergaß alles , was zwischen uns lag , und gab mich der Macht des Augenblickes widerstandslos hin . » Ach , sie verstand mich nicht so gut , « sagte ich rasch und unbedenklich . » Ich habe sehnlich gewünscht , sie möchte mich einmal , nur ein einziges Mal zu Ihnen führen . Ich wäre ruhiger geworden , hätte ich in Ihre armen Augen sehen dürfen , und Sie hätten mir gesagt : Ich sehe Sie ! ... Bitte , nur einmal heben Sie den Schirm ! « Er sprang auf , nahm den Schirm ab und warf ihn auf den Tisch . Seine schlanke Figur stand so hoch , elastisch und ungebeugt vor mir , wie immer . » Nun denn , ich sehe Sie ! « versetzte er lächelnd . » Ich sehe , wie die kleine Lenore in den fünf langen Wochen nicht um eine Linie gewachsen ist und mir noch immer mit dem lockigen Scheitel genau bis an das Herz reicht . Ich sehe eben , daß der Kopf noch immer so trotzig und empört zurückgeworfen wird , wie ehedem - freilich , was können Sie dazu , daß die Natur auch einmal ein wunderkleines Feenkind unter ihren Erschaffenen sehen wollte ! Ich sehe ferner , daß das braune Gesichtchen blaß geworden ist , blaß von Schrecken , Kummer und Nachtwachen ... Arme Lenore , wir haben viel gut zu machen - Ihr Vater und ich ! « Er ergriff meine Hand und wollte mich sanft an sich ziehen ; das brachte mich plötzlich zur Besinnung und überflutete mein Herz mit der ganzen Qual des bösen Bewußtseins . Ich riß mich los . » Nein , « rief ich , » seien Sie nicht gut gegen mich - ich habe es nicht um Sie verdient ! ... Wenn Sie wüßten , was für ein abscheuliches Geschöpf ich bin , wie hinterlistig , falsch und grausam ich sein kann , Sie stießen mich aus Ihrem Hause - « » Lenore - « Ich floh vor ihm nach der Thür . » Nennen Sie mich nicht Lenore ... Ich will tausendmal lieber hören , daß Sie mich wild , trotzig und ungebärdig schelten , daß Sie mich als unweiblich streng verurteilen - nur sagen Sie nicht so weich und gut meinen Namen ! Ich habe Ihnen unsäglich wehe gethan , Ihnen Böses zugefügt , wo ich immer konnte . Ich habe Ihre Ehre angegriffen und mit Ihren Gegnern Gemeinschaft gemacht - Sie werden mir nie verzeihen , nie ! Ich weiß das so genau , daß ich nicht einmal zu bitten wage ! « Tastend erfaßte ich das Thürschloß . Er stand sofort neben mir . » Meinen Sie wirklich , ich ließe Sie in diesem Zustand der heftigsten Aufregung von mir gehen ? Mit diesen bleichen , bebenden Lippen , die mir Angst machen ? « sagte er und schob sanft meine Hand vom Schloß nieder . » Bemühen Sie sich , ruhiger zu werden , und hören Sie mich an ... Sie kamen als völlig unberührte und ungeschulte Natur hierher und sahen mit den unschuldigsten Kinderaugen in die Welt . Ich klage mich schwer an , daß ich damals nicht sofort mein Haus von den bösen Elementen säuberte , obwohl ich in der ersten Stunde wußte , daß ein Wendepunkt in meinem Leben eintrete und alles anders werden müsse ... Es ist