man ihr den schönen ersten Tag ihres Brautstandes so unnöthig verbittere , und Adam , der sich am wenigsten vernehmen ließ , war im Innern der Gereizteste . Es war vier Uhr Nachmittags , als der Bote endlich wiederkehrte . Nun ? rief ihm Eva entgegen , welche , ihn zu empfangen , die Thür geöffnet hatte und die Hand ausstreckte , ihm das Schreiben abzunehmen . Der Knecht zog den Hut vom Kopfe , drehte ihn in den beiden Händen herum und sagte : Herr Amtmann , ich kann nichts dafür , ich habe gewartet und gewartet die ganze , ausgeschlagene Zeit .... Schon gut ! rief Eva , aber den Brief ? Der Knecht sah sie an ; ' nen Brief ? Ich hab ' keinen Brief , Mamsell ! sagte er . Inzwischen waren auch die Männer hinzugekommen , und der Amtmann fragte , den Knecht scharf betrachtend : Du bringst keinen Brief ? Nein , Herr Amtmann ! Der gnädige Herr wird Antwort schicken . Wann ? herrschte der Amtmann , dem das Blut zu Kopfe stieg . Wann ? das kann ich nicht sagen , Herr Amtmann ! Das ist mir nicht bestellt , Herr Amtmann ! Der Amtmann sagte , er könne gehen , und rief ihn dann doch noch einmal zurück , um sich zu erkundigen , ob der Herr Baron vielleicht ausgefahren sei . Der Knecht verneinte das auf das bestimmteste , und sichtlich betroffen standen das Brautpaar und Adam nach des Knechtes Entfernung einander gegenüber . Was bedeutet das ? fragte Herbert . Der Amtmann lachte bitter . Was es bedeutet ? Man hat Sie früher auf dem Schlosse verwöhnt , Herr Schwager , weil man es so für gut fand , und beweist Ihnen jetzt , daß man es nicht nöthig gehabt hätte , Sie also zu verwöhnen ! Eva ' s Antlitz hatte sich verdüstert . Du irrst , entgegnete sie , das ist keine bloße Laune ! Keine Laune ? wiederholte der Amtmann ; nun , wenn ' s keine Laune ist , dann ist ' s , was sie sich am wenigsten versagen und was eigentlich ihr Hauptvergnügen ist , dann ist ' s reine Willkür ! Seit sie das vertriebene Franzosenpack im Schlosse haben , sind sie wie darauf versessen , es in jedem Augenblicke zu beweisen , daß sie hier noch nach Belieben schalten und walten können ! Aber man bekommt das endlich satt ! Antwort schicken ! Was das heißen soll ? Antwort kann man heute schicken oder morgen oder über ' s Jahr ! fiel ihm Herbert verdrießlich in das Wort , - und nun weinen Sie vollends darüber , liebe Eva ! Der Bruder schalt sie dafür . O , rief sie , wenn es nichts als des Freiherrn Willkür wäre , wollte ich ja nicht weinen , aber dahinter steckt die gnädige Frau ! Sie gönnt ihn mir nicht ; das weiß ja Herbert auch ! Der Amtmann traute seinen Ohren nicht . Er fragte ; Eva erzählte , was sie mit der gnädigen Frau erlebt und was sie selbst dem Bruder bis dahin mit eifersüchtiger Verschwiegenheit vorenthalten , und da dieser in Herbert drang , gestand der letztere es endlich ein , daß er allerdings oben in seinem Schreibtische ein paar Zeilen gefunden , die - wenn Eva sie nicht hineingelegt - ihm wohl von der Baronin gekommen sein konnten . Er versicherte , jene Zeilen hätten ihn auf das höchste überrascht , obschon er Angelika früher bewundert und , weil er sie nicht für glücklich gehalten , sie auch beklagt und ihr dies einmal ausgesprochen habe . Indeß sei eben seine Werbung um die geliebte Eva die Antwort gewesen , welche er der Baronin auf die von ihr geschriebenen Verse gegeben habe , und .... Geben Sie mir Ihr Wort darauf , rief Eva , ihn unterbrechend , Ihr Ehrenwort , daß Sie diese arglistige Frau nicht wiedersehen wollen ! Er konnte ihr dieses Versprechen nicht leisten , denn er war nicht sicher , es halten zu können , und da er nicht umhin gekonnt , das Geheimniß der Baronin theilweise Preis zu geben , bemühte er sich doppelt , es den Andern darzuthun , wie nach seiner Kenntniß ihrer Natur Angelika an einer kleinlichen Rache keinen Gefallen und in derselben keine Befriedigung finden könne . Der Amtmann lächelte . Ich habe Ihnen schon einmal gesagt , meinte er , daß Sie die vornehmen Herrschaften nicht kennen , und wenn Sie wahrscheinlich besser von der Baronin denken , als solche Damen es zu verdienen pflegen , so kann ich Sie auch nicht darum schelten . Gegen den Windstoß , der Einem eine reife Frucht in den Schooß wirft , hat im Grunde Niemand etwas einzuwenden , auch wenn er sie nicht genießt - Das Wort verrieth die ganze Erbitterung des Amtmanns und verletzte Herbert , aber er vermochte die Baronin eben so wenig zu vertheidigen als zu verdammen . Geschmeichelte Eitelkeit , getäuschte Erwartungen , unbestimmte Besorgnisse und das unangenehme Bewußtsein , seine Braut verstimmt und in einer ihr peinlichen Lage zurückzulassen , bedrängten ihn gleichzeitig und erschwerten ihm das Scheiden , das doch endlich nicht weiter hinausgeschoben werden durfte . Herbert mußte die Nacht zu Hülfe nehmen , um am nächsten Morgen rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein , und wie ihn die Bilder einer beglückenden Zukunft , wie ihn die lieblichen Erinnerungen der beiden letzten Tage und unruhige Gedanken mancher Art nicht zum Schlafe kommen ließen , so fanden auch Eva und der Amtmann keine Rast . Man war übereingekommen , des Freiherrn Bestimmung bis gegen den nächsten Mittag hin gelassen zu erwarten . Hatte man sie dann noch nicht erhalten , so wollte Adam auf das Schloß gehen und selber darum bitten . Am Morgen machte er sich früher noch , als er sonst pflegte , an seine Arbeit . Er verwies Eva zur Ruhe , da ihre aufgeregte Empfindung sich in lebhaften Aeußerungen erging