Amt zu Grunzenow kämpfte und doch so viel , viel mehr wußte , als in all den halbvermoderten Scharteken zu finden war - der Pastor Tillenius konnte seine Rede nicht zum Schluß bringen . Es klopfte jemand hastig an das Fenster ; Grips mit seiner Laterne stand draußen im Schnee und kalten Abendwind und entbot beide geistliche Herren zum Gutshofe mit dem Anfügen , es müsse wohl etwas Absonderliches passiert sein in der Zeitung , denn der Herr Oberst und der Herr Leutnant seien in merkwürdiger Emotion , seit der Christof mit ihr von Freudenstadt gekommen sei . Seit der Geschichte von Anno fünfzehn habe er - Grips - so etwas nicht erlebt . Fragend sahen sich Hans und der Pastor von Grunzenow an . » Was mag es sein ? Was ist geschehen ? « » Es soll mich wundern « , meinte Ehrn Tillenius . » Die beiden alten Freunde treiben in ihrer Einsamkeit eine seltsame Alte-Soldaten-Politik , es wird jedenfalls irgendeine kriegerische Wolke an ihrem Horizont aufgestiegen sein . Es ist nur schade , daß die Zeitung gewöhnlich erst dann nach Grunzenow gelangt , wenn die Welt um acht oder vierzehn Tage älter und klüger geworden ist . Lassen Sie uns aber gehen , Johannes ; ich bin gerüstet , und Geduld gehört im Grunde nicht zu den Haupttugenden der beiden Veteranen da oben . « Mit der Laterne schritt Grips gravitätisch den geistlichen Herren voran durch den Schnee . Es war ziemlich stürmisch , die See brauste gewaltig , der Schnee stäubte um die Wanderer und um die Hütten des Dorfes - es war eine böse Nacht geworden . Hans befand sich in sehr erregter Stimmung , er konnte nicht glauben , daß es eine politische Neuigkeit sei , die auf Schloß Grunzenow angelangt war . Er hatte ein dumpfes Vorgefühl , daß etwas sich ereignet haben mußte , was auch von tief eingreifender Wirkung auf sein eigenes Leben war . Allerlei verworrene Gedanken und Fragen schossen ihm durch den Sinn , während er den alten Pastor Tillenius sorgsam durch den Schnee führte ; aber den Gedanken , daß eine Nachricht aus dem Hause in der Parkstraße gekommen sei , wurde er nicht los , und es fand sich , daß dem so war . Die Hände auf dem Rücken , schritt der Oberst von Bullau in dem Gemache , welches wir bereits kennen , auf und ab . In seine Decken gewickelt , saß der Leutnant Rudolf Götz in seinem Rollsessel , und das Zeitungsblatt , das Christof von Freudenstadt gebracht hatte , lag vor ihm auf dem Tische . Beide alte Herren waren sehr ernst ; der Leutnant seufzte von Zeit zu Zeit tief und schwer , und der Oberst hielt von Zeit zu Zeit in seinem Marsche an , um kopfschüttelnd auf den Freund und Kameraden zu blicken . Er knurrte auch von Zeit zu Zeit mitleidig , der Oberst von Bullau , und brummte : » Na , na ! « oder » Schwerenot ! « oder » Kopf in die Höhe ! « oder » Brust heraus ! « oder dergleichen Endlich blieb er sogar stehen , um sich durch ein herzhaftes » Kreuzhimmeldonnerwetter ! « mit dem Zusatz Luft zu machen : » Wenn man die Papen braucht , so sind sie nie vor der Front zu haben ! « Es war ein Glück , daß einige Minuten später Grips den beiden geistlichen Herren die Tür öffnete . Der Leutnant Götz sah auf , und Hans Unwirrsch wußte nunmehr , daß er in seinen Ahnungen recht gehabt hatte ; die Zeitungsnachricht betraf das Haus des Geheimen Rates - betraf das Fränzchen . » Was ist denn vorgefallen . Bullau ? « fragte der Pastor den Oberst leise . » Es steht in der Zeitung - Geburts- und Todesnachrichten ! « » Um Gottes willen , was ist s ? Was steht in der Zeitung ? Wer ist geboren oder gestorben ? « » Armer Teufel ! « seufzte der Oberst von Bullau . » Sein Bruder natürlich - Herzschlag - um stille Teilnahme bittet die trauernde Witwe , Aurelie Götz , geborene von Lichtenhahn . « Der Pastor war bereits an der Seite des Leutnants und drückte ihm die Hand ; Rudolf Götz hatte das Zeitungsblatt schon dem Kandidaten Unwirrsch gereicht : » Lies , lies ! « Hans suchte in seiner Aufregung längere Zeit vergeblich in den Spalten des Blattes , endlich fand er die Anzeige und las : » Den 10. Dezember 18 .. Gestern morgen entschlief unerwartet schnell an den Folgen eines Herzschlags mein teurer Gatte , der Geheime Rat Theodor Friedrich Ferdinand Götz , Ritter usw. usw. Ich weine , doch nicht wie jene , welche den Herrn nicht gefunden haben . Ich weine , doch nicht wie jene , welche den Herrn nicht suchen wollen . Aurelie Götz , geborene von Lichtenhahn . « » Du mußt Trost annehmen , Rudolf « , sagte der Oberst . » Wird dem armen Kerl fidel zumute sein ! Er hat wenig Freude in seinem Leben gehabt Nun hat ihm die Geschichte , der Kummer um seine Tochter , den Rest gegeben - es ist klar ; - er wird einen guten , festen Schlaf haben nach seinem trübseligen Schreiberleben . Richte den Kopf auf , Kamerad , du hast noch an andere Dinge zu denken . « » Mein Kind , mein Fränzchen ! Was ist aus meinem Fränzchen geworden ? Was soll aus meinem Fränzchen werden ? « rief der Leutnant . Er stand trotz seiner Gicht plötzlich auf den Füßen , aber der Schmerz warf ihn sogleich wieder in den Sessel zurück . » Vom zehnten Dezember ist die Todesanzeige , heute schreiben wir den neunzehnten , was kann das Kind in die kurze Zeit passiert sein ? ! « sagte der Oberst . » Heute abend noch packt der hier gegenwärtige Hans Unwirrsch , ein junger Mensch , auf welchen man sich verlassen kann