Baronin in dem halbdunkeln Salon des Erdgeschosses auf und nieder . Die Krankheit ihres Gemahls gab ihr viel zu denken . Wenn der alte Mann sterben sollte - und die Aerzte machten so sehr ernste Gesichter - so mußte sich ihre Lage sehr wesentlich verändern , aber sie war im Ganzen mit dieser Veränderung keineswegs unzufrieden . Freilich die Ersparnisse aus den Einkünften vom Majorat , die bis jetzt ihr und Helenen zu gute gekommen waren und nach dem Tode des Barons bis zu Malte Einkünften vom Majorat , die bis jetzt ihr und Helenen zu gute gekommen waren und nach dem Tode des Barons bis zu Malte ' s mündigem Alter zum Capital geschlagen wurden , gingen dann verloren ; aber die Gesammtsumme dieser Ersparnisse belief sich jetzt schon auf mehrere hunderttausend Thaler , alle in guten Papieren angelegt - eine kleine Summe , wenn man sie mit dem Majoratsvermögen verglich ; aber immerhin genug , wenn man Stantow und Bärwalde , die beiden Güter aus dem Nachlasse Harald ' s dazu rechnete . In diesem Augenblicke wurde der Baronin ein Brief gebracht . Von Felix , murmelte sie , einen Blick auf das Couvert werfend , und sie trat an das Fenster . Der Brief , offenbar von der zitternden Hand eines Kranken mühsam geschrieben , lautete : Liebe Tante ! Seit einigen Tagen geht es mit meinem Befinden so spottschlecht , daß , wenn dieser Brief in Ihre Hände gelangt , ich möglicherweise nicht mehr am Leben bin , kann man dies von Schmerz geplagte , gottverdammte Vegetiren überhaupt noch Leben nennen . Wie ' s aber auch kommt , es ist die höchste Zeit , daß ich Ihnen über die Timm ' sche Angelegenheit reinen Wein einschenke . Timm ist nicht , wie ich Ihnen gesagt habe , bereits abgefunden ; er hat , bis das Legat Onkel Harald ' s verjährt ist , monatlich 400 Thlr . , und dann , wenn er bis dahin reinen Mund hält , weitere 6000 Thlr . zu fordern , die Sie ihm geben werden , wenn Sie nicht durch den Hallunken in des Teufels Küche gebracht sein wollen . Pro Monat November habe ich ihm bereits 400 vor meiner Abreise von Grünwald geschickt . Ich kann nicht weiter . Ihr treuer Felix . Die Baronin trat vom Fenster zurück , ging an den Kamin , legte den Brief auf die glühenden Kohlen und wartete bis die Flamme ihn erfaßt und verzehrt hatte . Dann schritt sie langsam in dem Zimmer , in welchem es bereits zu dunkeln begann , auf und ab . Sie murmelte Verwünschungen gegen Felix , gegen Albert , gegen Oswald leise durch die Zähne . Nicht einen Pfennig soll der Schuft haben , nicht einen rothen Pfennig ! Ich werde ihn zu mir kommen lassen und es ihm in ' s Gesicht sagen , und daß er sich hüten soll , noch ein einziges Wort - Was giebt ' s ? unterbrach sie sich , als der Bediente abermals in ' s Gemach trat . Herr Geometer Timm wünscht in Geschäftsangelegenheiten seine Aufwartung zu machen . Anna-Maria schrak zusammen . Dieses ungerufene Kommen des gefährlichen jungen Menschen sah wie eine Drohung aus . Sie hatte auf einmal alle Luft verloren , Herrn Timm in ' s Gesicht zu sagen , daß er nicht einen rothen Pfennig von ihr zu erwarten habe . Melden Sie Herrn Timm : ich ließe sehr bedauern , ihn nicht empfangen zu können ; der Herr Baron sei gefährlich erkrankt ! Das habe ich ihm schon gesagt , Frau Baronin ; aber er meint : er müsse Sie in wichtigen Angelegenheiten sprechen und wolle Sie nur zwei Minuten aufhalten . So lassen Sie ihn kommen , aber - Sie können Licht bringen , Johann , und dann im Vorzimmer bleiben , im Fall ich etwas auszurichten hätte . Zu Befehl , Frau Baronin . Gleich darauf trat , von dem Bedienten , der die Thür wieder hinter ihm schloß , hereingeführt , Albert Timm in das Zimmer . Guten Tag , oder vielmehr guten Abend , sagte der junge Mann , indem er sich der Baronin mit scheinbar vollkommener Unbefangenheit näherte ; ich bitte tausendmal um Entschuldigung , wenn ich zu einer ungelegenen Zeit komme . Der alte Herr ist krank , höre ich ? hoffe , es wird nicht viel zu sagen haben ; wäre wieder fortgegangen ; aber ich habe Ihnen in der bewußten Angelegenheit eine neue wichtige Entdeckung mitzutheilen die keinen Aufschub verstattet . Wollen wir uns indessen nicht setzen ? Sie erlauben ? Und Herr Albert Timm schob mit einem Ruck der Baronin einen Lehnsessel hin und hatte sich in dem nächsten Augenblick in einen andern gesetzt . Anna-Maria war noch immer nicht mit sich einig , welches Benehmen sie gegen diesen Menschen annehmen sollte . Aber sie fühlte wohl , daß man so leicht mit Herrn Albert Timm nicht fertig werde . So nahm sie denn auf dem dargebotenen Sessel Platz und sagte in ihrem feierlichsten Ton : Sie werden entschuldigen , wenn ich Sie unter den Ihnen schon vom Bedienten mitgetheilten traurigen Umständen ersuche , sich möglichst kurz zu fassen , Herr Geometer . Bitte , bitte , sagte Albert ; ganz mein Fall ; bin im Handumdrehen fertig . Die Sache ist die : Ganz zufällig , wie denn überhaupt der Zufall eine merkwürdige Rolle in dieser Angelegenheit spielt , habe ich in Erfahrung gebracht , daß zwei Personen , die zu der Zeit , als Fräulein Marie Monbert in Grenwitz lebte , im Dienste des Baron Harald standen und von dem Herrn Baron mit seinem ganz besonderen Vertrauen beehrt wurden , besonders auch in die ganze Entführungsgeschichte vollkommen eingeweiht waren , noch existiren , und wie ich nicht zweifle , bereit sein würden , in einem etwaigen Erbschaftsprocesse vor dem Gericht als Zeugen aufzutreten . Die Aussagen dieser Personen würden um so schwerer in ' s Gewicht fallen , als sie Beide