, daß Sie sich dadurch viel Sorge aufladen würden , nicht . Da auf der Bank saß Faber und machte seine Bemerkungen nach seiner Art ; wir trafen uns nachher bei dem Bankier Wienand , und wenn ich nicht irre , war auch dort viel die Rede von Ihrem Pflegesohn , Fiebiger . Du lieber Himmel , wie sich doch die Verhältnisse ändern ! Wie geht es denn dem armen Wienand ? « Der Schreiber zuckte die Achseln und sagte dann : » Er sieht nach den Sternen ! O Herr Rat , es gibt viele ernste Dinge , an denen ein gutes Auge endlich doch eine komische Seite herausfindet ; hier würde das schärfste Auge danach vergeblich suchen . Wir sehen hier an dieser Stelle den Vorhang über manch ein Trauerspiel fallen ; aber feierlicher , eindringlicher , wuchtiger ist niemals die Moral am Schluß eines Stückes verkündigt worden . Ja , der große Geldmann Wienand sieht nach den Sternen ! Eine Rolle macht er sich täglich aus einem Papierbogen und hält sie irrsinnig vor das Auge ; nur einen einzigen Menschen kennt er noch und klammert sich an ihn mit der fürchterlichen Angst des Wahnsinns . Auf den Giebel des Sternsehers Heinrich Ulex hat er sich geflüchtet ; da sitzt er und hält die Hand des Weisen - o tragisch , tragisch , tragisch ! « Seufzend sagte der Polizeirat : » Ja , Sie haben recht , Fiebiger , es ist eine tragische Geschichte . Es war ein so scharfer Mann , wir haben so manchen Robber zusammen gemacht - wer mir das damals gesagt hätte ! Und nun sitzt er beim alten Ulex im Nikolauskloster und sieht mit dem närrischen Träumer durch eine Papierrolle nach den Sternen . Es ist wirklich ungemein traurig . « » Merkwürdig traurig « , brummte Fritz Fiebiger , mit einem Blick auf seinen Chef , durch welchen er nur sagen konnte : Traurig aber auch , daß an der Welt doch Hopfen und Malz verloren ist . Was helfen euch Exempel , die ihr nicht versteht ? Blausäure muß euch unter die Nase gehalten werden ! » Und das Fräulein Wienand hat jetzt vollständig seinen Aufenthalt bei dem Freifräulein von Poppen genommen ? « fragte der Polizeirat . » Vollständig . Wohin sollte das arme Kind , die Tochter des irrsinnigen Bettlers , sonst auch gehen ? « » Trübselige Verhältnisse ! « meinte kopfschüttelnd der Rat . » Wir können sie leider nicht ändern . Expedieren Sie dieses an den Revierleutnant Kirre . « Das Gespräch schloß , der Polizeischreiber Fiebiger expedierte , die Uhr in der Halle zerhackte gnadenlos noch eine Stunde . Nicht eine Sekunde zu früh oder zu spät zeigte sie den Beamten in den dunkeln muffigen Stuben an , daß sie gehen könnten , und nachdem sie das getan hatte , hackte sie weiter im Interesse der Wachen und der Gefangenen . Ein trockenes Wehen , welches seinen Ursprung fern im Osten , in den Steppen Rußlands genommen hatte , schien sich sehr für die Rockschöße des Polizeischreibers zu interessieren , als er durch die Straßen schritt ; kosend hob es sie auf , überzeugte sich , daß nicht viel darunter sei , und ließ sie wieder fallen , vergaß im nächsten Augenblick , daß es nichts von Bedeutung gefunden hatte , und wiederholte das Spiel . Der Himmel war klar , der Abend hell . Nicht sehr weit von dem Polizeigebäude schlossen sich zwei Frauen dem Schreiber an ; eine alte kleine lahme Dame in schwarzer Seide und ein junges Mädchen . Die alte Dame mit der Krücke sagte : » Heute mittag ist sie gestorben . « Und der Polizeischreiber Fiebiger fragte nicht , wer gestorben sei , sondern sprach nur einfach : » Es ist gut , daß es vorüber ist ; möge ihr die Erde leicht sein ! « Wir , die wir mit Konrad von Faber und Robert Wolf Gold in Kalifornien gegraben haben , die wir dann mit den beiden vom Stillen Ozean bis zum Mississippi geritten sind , wir finden uns natürlich nur ganz allmählich in den Vorgängen der Heimat zurecht und erfahren erst nach und nach , wie die Fäden auch hier weiterliefen . Die Baronin Viktorine von Poppen , geborene von Zieger , war in den Armen des Freifräuleins Juliane von Poppen gestorben . Nach dem traurigen Ende Leons hatte das Freifräulein durch den Medizinalrat Pfingsten , und auf andere Weise , verschiedene Versuche gemacht , sich der unglückseligen Schwägerin zu nähern . Diese Versuche mißlangen jedoch alle . Auf die zugleich harte und apathische Natur Viktorines konnte das Unglück nicht mildernd wirken . Es lag leider viel Tierisches in dem Charakter der armen Frau , und wie ein verwundetes Tier gebärdete sie sich , nachdem der vernichtende Schlag gefallen war . Bald lag sie stumpfsinnig regungslos da , bald biß und schnappte sie um sich und erfüllte das Gemach mit Klagen , deren Laut fast nichts Menschliches mehr an sich hatte . Sie lästerte Gott und die Menschen ; ohne die Dazwischenkunft des Medizinalrats hätte sie eines Morgens die Frau von Schellen , die ihr mehr neugierig als mitfühlend einen Besuch abstattete , fast umgebracht . Ihre Dienstboten hielten es nur bei ihr aus , weil sie im Hause schalten und walten konnten , wie sie wollten , und trefflich in dem jetzt völlig herrenlosen Hause im trüben fischten . Eines Tages trugen Baptiste und Elise die besinnungslose Baronin von ihrem Diwan ins Bett , es wurde noch eine Wärterin gerufen , und Pfingsten brachte einen so trostlosen Bericht über die Lage der Dinge zu dem Freifräulein , daß dieses noch einmal einen Versuch machte , in das Haus in der Kronenstraße einzudringen . Wieder vergeblich . Beim Anblick der Schwägerin geriet die Kranke in einen solchen Wutanfall , daß der Medizinalrat das Freifräulein schleunigst aus dem Zimmer drängen mußte . Monatelang blieb es so , und Juliane von Poppen litt sehr dabei . Niemals