ungeheuer viel Gedanken mir im Laufe eines einzigen Tages durch den Kopf wirbeln , so daß man gar nicht zur Besinnung kommt und das Aufgeschobene nicht mehr nachholen kann .... « » So würd ' ich Dir raten , « unterbrach ihn Levin , » all ' diesen Ungeheuerlichkeiten auf eine Zeit Valet zu sagen und Dich als ein guter Soldat , der nicht bloß treu seinem Kaiser , sondern treu dem Herrn aller Kaiser dient - um das kirchliche Reglement zu kümmern . « » Werde ich dadurch mit Corona meinen Frieden stiften ? « » Mit Corona auch ; aber zuerst mit Gott , und das ist es eben , was Corona von Dir mit Recht verlangt . Liebe , Achtung und Vertrauen kann eine Frau nur zu dem Manne fassen , mit dem sie eine und dieselbe aus dem gemeinsamen Glauben entspringende Lebensrichtung hat . Ist diese Richtung bei dem einen Teile der Ehegatten unchristlich , so führt sie beide ins Unglück . « » Unchristlich ! ach , lieber Onkel , ich bin ein sehr guter Christ - nur nicht immer strikt kirchlich . Aber das mag wohl nur eine schlechte Gewohnheit sein ; und kurz , um mit Corona - ich wollte sagen mit Gott , meinen Frieden zu machen , will ich mein pater peccavi beten . Es ist wahrhaftig kurios , was man alles lernt als Bräutigam . « - Corona aber nahm die Sache nicht so leicht , wie Orest , und tröstete sich nicht so schnell über seinen Mangel an strikter Kirchlichkeit , wie er es nannte . Sie erkannte , daß sein Glaubensleben unter dem Gefrierpunkt stehe und sie fühlte mit dem richtigen Instinkt des reinen Herzens , daß diese Kälte nicht die Folge von Orest ' s Tugenden sei . Nun , so muß ich Gott doppelt lieben ! sprach sie zu sich selbst und trocknete ihre schönen Augen , die noch nie so bittere Tränen geweint hatten und die ihrem Vater gegenüber heiter sein sollten . Sie wäre gern glücklich gewesen , ihr junges Herz hatte unbestimmte Träume von Glück gehabt und Bräute pflegen ja glücklich zu sein ; aber sie war es nicht ! Regina war es . - » Jetzt hast Du , was Du verlangst , « sagte Hyazinth freudestrahlend zu ihr . » Und was Du schon besitzest , « erwiderte sie . » Ja , Hyazinth , jetzt beginnt das Leben schön für uns zu werden : jetzt beginnt das Leiden aus Liebe , das vollkommene Opfer ohne irdischen Trost . « » Bist Du so leidensdurstig ? « fragte er . » O nein ! « sagte sie ; » mich will zuweilen große Furcht übermannen , daß ich von Euch allen auf immer getrennt sein soll , und das enge Menschenherz zittert und bebt vor dem nahen Opfer - und dennoch geht mir ein unsägliches Frohlocken durch die Seele ; denn ich denke , Hyazinth , daß die Nahrung der Liebe hienieden im Leiden für Gott und mit Gott besteht - und liebe ich nur immer vollkommener - was frag ' ich dann nach Leid ! « » Droben wird ' s anders sein , Regina ! droben nährt sich die Liebe von ihrer Seligkeit und die steigert sich in dem Maß , als wir im irdischen Leben gelitten haben . « » Ich hörte einmal , « sagte sie , » die vollkommene Liebe dächte nie an die vergeltenden Wonnen der Ewigkeit und es sei ein jüdischer Handel , etwas zu geben und zu tun , um viel zu erlangen . « » Das klingt ja ungemein erhaben und ist doch nur halb wahr , « entgegnete Hyazinth ; » denn wenn die vollkommene Liebe gewiß niemals an eine Vergeltung denkt , die ihr in der Form dieser oder jener himmlischen Freudengenüsse ausgezahlt werden müßte : so ist es doch eben so gewiß , daß sie mit all ' ihrem Denken und Empfinden , Wollen und Handeln , mit jeder Fähigkeit und Tätigkeit ihres Wesens zu jeder Zeit den Gegenstand ihrer Liebe umschlingt und die Kluft , welche das Gnadenleben vom Leben in der Glorie trennt , auch als Trennungsschmerz von dem göttlichen Geliebten empfindet . Der Uebergang in die Ewigkeit schließt diese Kluft , das weiß sie . Da gibt es keine Trennung , keine Schleier mehr . Da besitzt sie auf ewig , ungeteilt und unzertrennlich , nicht diese oder jene ewigen Güter , sondern das eine Gut , das Urgut , ihren Gott , den einziggeliebten , und in ihm - die Fülle der Seligkeit . Das ist kein niedriger Handel ; denn um Gott zu besitzen , müssen wir das Ich fallen lassen . Wucher treiben können wir ebenso wenig mit der vollkommenen Liebe , als diese bestehen könnte ohne die beständige Sehnsucht nach Vereinigung mit Gott . « - Zu Uriel , der mit kalter Abgeschlossenheit auf all ' die bewegten Herzen sah , sagte Regina : » Gott vergelt ' s , Uriel ! ich weiß , daß ich des Vaters Nachgiebigkeit Deinem großmütigen Entschluß zu danken habe . « » Ich hoffe , « sagte Uriel finster , » daß Gott Dir vergelten werde , wie Du es verdienst : mit dem Kreuz - weil Du mein Herz gekreuzigt hast . « » Sein Wille geschehe ! « entgegnete sie sanft . Immer zerschmolz ihm das Herz in unsäglicher Liebe , wenn er in ihres Auges klare Stille sah . » Sieh ' ! « sagte er in verändertem Tone , » Du wirst gekreuzigt werden innerlich ; denn das fehlt Dir zu Deiner Vollkommenheit . Also , Regina , wenn Du es wirst , so werde es für mich . « » Wenn Gottes Wille mir Kreuz schickt , Uriel , so werd ' ich es vereinigen mit dem Kreuz auf Golgatha . Christus litt nicht für Dich allein , nicht für mich allein ! Er litt für alle , ohne Ausnahme