ihr die alten Füße den Dienst - sie stürzte auf das Straßenpflaster nieder . Niemand kümmerte sich um die alte Frau ; aber jetzt eilte Elisabeth ihr nach , hob sie auf , stützte sie an sich und sagte zu dem Maler : » Sag ' t es dort dem Baubruder , daß seine Mutter hier ist . « Der Maler stand unschlüssig . Daß die edle Elisabeth diesem Weibe beistand , das sie erst frech geschmäht , erschien ihm zugleich unbegreiflich und gefährlich , und als Elisabeth ihn drängte , ihr Geheiß zu befolgen , sagte er : » Wahrlich , ich male Euch noch einmal als Heilige der Barmherzigkeit gerade so , wie Ihr jetzt dasteht - eine echte Christin , die , wenn man sie auf den einen Backen schlägt , den andern noch darreicht . « Frau Martha war nicht etwa ohnmächtig oder bewußtlos geworden , sondern sie hatte nur ebenso an allen Gliedern gezittert , daß sie gefallen war , und auf dem Steinpflaster hatte sie sich nun die Füße verstaucht und das eine Bein aufgeschlagen , daß sie nicht zu gehen vermochte - sie mußte sich also den Beistand der Frau Scheurl gefallen lassen , und traute in der That kaum ihren eigenen Augen , daß diese ihn ihr leistete . Sie war zu beschämt , um ein Wort des Dankes zu sagen , und Elisabeth zu stolz ein Wort zu sprechen , wo sie jetzt mit einer That sprach - so stand das sonderbar zusammen passende Paar bei einander . Jetzt eilte Hieronymus auf seine Mutter zu - Elisabeth legte sie in seine Arme . Ulrich stand etwas von fern , seine Blicke begegneten denen Elisabeth ' s - dann kam der Propst und begrüßte auch die Geretteten . Gleichzeitig erscholl feierliches Geläute - es rief die Baubrüder in die Lorenzkirche , darinnen ihr Kaplan ein Te Deum angeordnet hatte , zum Danke für die Rettung aller Gefährdeten und der Verhütung weiteren Unglückes . Schnell waren die Baubrüder alle , von den Meistern bis herab zu den Lehrlingen zum Zuge geordnet und gingen in die Kirche ; aber obwohl sie sonst ihren Gottesdienst allein abzuhalten pflegten , so konnten weder , noch wollten sie es diesmal hindern , daß auch die profane Menge ihnen nachdrängte und andächtig froh bewegt , wie sie erst angstvoll gebetet hatte , mit einstimmte in den ambrosianischen Lobgesang . Inzwischen hatten sich auch die andern Stickerinnen zu den Gobelins mit eingefunden , und sie alle knieeten vereint an einem Seitenaltar und dankten - am innigsten Elisabeth Scheurl und Charitas Pirkheimer . Als sie sich vom Gebet erhoben , sagte diese leise zu Elisabeth : » Nun ist mein Geschick entschieden ; ich konnte noch schwanken - aber vorhin , als die Sense des Todes über - über den Baubrüdern schwebte « ( sie wiederholte sich , weil sie keinen Namen nennen wollte ) - » gelobte ich , wenn sie die Heiligen beschützten , mich dem Kloster zu weihen . Von diesem Augenblicke an betrachte ich mich als eine Braut des Himmels ! « Elisabeth umarmte die Freundin . Sie billigte im Innern ihren Entschluß nicht - aber sie ahnte ihn : Charitas wußte seit diesem Augenblick , daß sie liebte , wo sie nicht lieben durfte - und ging in das Kloster ! Hier konnte sie im Geiste einen Tempel bauen zu Ehre Gottes , wie der , zu dem ihre Gefühle schweiften in der Wirklichkeit - sie wählte eine Gemeinschaft der Heiligen , weil die irdische ihr versagt war . Fünftes Capitel Befürchtungen Die Hoffnungen König Maximilian ' s , seinen Vater mit seinem Eidam Herzog Albrecht zu versöhnen , scheiterten an Kaiser Friedrich ' s unbeugsamen Sinn , der nicht eher von einem Vergleiche hören wollte , bis Albrecht Regensburg wieder herausgegeben , dessen Rückgabe dieser ebenso hartnäckig verweigerte , als sie gefordert ward . Unter Androhung der Reichsacht lud der Kaiser die Regensburger vor seinen Stuhl sich wegen ihres Abfalles zu rechtfertigen . Da ihm Jeder willkommen war , der wider Albrecht Klagen anzubringen hatte , fanden zuerst dessen unzufriedene Brüder Christoph und Wolfgang , von denen der erste die ehemals aufgegebene Herrschaft jetzt zu besitzen wünschte , der andere durch Mißhandlung eines Dieners gekränkt war , williges Gehör ; dazu kam der Löwlerbund , der gleich in seinem Ursprung und Fortschritte gegen die anwachsende Macht des Baiernherzogs gerichtet war . Da statt einer weitern Antwort derselbe Regensburg befestigte , so that der alte Kaiser zu Linz , unter freiem Himmel auf dem Richterstuhle sitzend , wie es Brauch war , den Achtspruch über Regensburg und bot das Reich auf zu dessen Vollstreckung . Die Löwler waren gerüstet zum Losbrechen unter ihrem Führer und Urheber des Löwlerbundes Bernhardin von Stauff . Wer jetzt zu ihrem Heere stieß , der war ihnen willkommen . Wie immer strömten da auch jetzt kriegslustige oder müssige Gesellen zu einem solchen deutschen Heere , das sich gern durch neue Werbungen verstärkte und dabei nicht ängstlich fragte und wägte , wer sich ihnen bot . Für Amadeus gab es daher keinen bessern Rath , als auch in dies Heerlager zu flüchten , als ein kampfbereiter Krieger , der einst das Schwert wohl zu führen verstanden und auch jetzt in seinen vorgerückten Jahren dazu noch wohl befähigt war . Das war sein eigener Wille und war auch der Rath des Propstes , aber Amadeus wiederholte noch einmal , daß er nicht scheiden wolle , ohne Ulrich mit sich zu nehmen , der so auch die beste Gelegenheit habe , jeder drohenden Gefahr zu entgehen . Zwar bangte dem Propst nicht minder um diesen - aber selbst von den heiligen Banden der Baubrüderschaft umschlungen und bestrebt ihren schönsten und höchsten Pflichten treu zu bleiben , konnte er selbst den Gedanken nicht fassen , daß Ulrich so ohne Weiteres die heilige Stätte verlassen sollte und statt zu den ewigen Werken der Kunst , statt zu dem schönen Beruf , Bauten des Friedens aufzuführen