nicht Verletzungen zu erfahren , in einen anderen , sicheren Ort gebracht werden , oder hatte man ihn doch irgendwohin gesendet , wo an ihm gearbeitet wurde ? Das letzte war nicht denkbar , da mein Gastfreund alle Dinge aus Holz und Stein in seinem Hause arbeiten ließ , wozu auch nicht nur die Vorrichtungen und Werkzeuge vorhanden waren , sondern wohin auch zu jeder Zeit die etwa noch mangelnden Arbeitskräfte gezogen werden können . Ich machte eines Tages eine Reise in das Lautertal , und hielt mich einige Zeit in demselben auf . Es war nicht , um meine gewöhnliche Beschäftigung dort vorzunehmen , sondern um nach den Arbeiten mit meinem Marmor zu sehen . In der Nähe des Ahorngasthauses - etwa zwei Wegestunden von demselben entfernt - befand sich die Anstalt , in welcher Marmor gesägt und geschliffen wurde , und in welcher man verschiedene Dinge aus Marmor verfertigte . Der Ort hieß das Rothmoor , weshalb , konnte ich nicht ergründen ; denn es war Überall Gestein und rauschendes Wasser , und von einem Moore war auf Meilen in der Länge und Breite nichts zu finden ; aber der Ort hieß so . Es befanden sich dort mehrere Stücke Marmor von mir , damit aus denselben etwas für den Vater ge macht würde . Das größte Stück war fast rosenrot , und es sollte daraus ein Wasserbecken Für den Garten werden . Das Becken aber hatte ich selber entworfen . Aus großer Vorliebe Für Gewächse hatte ich seine Gestalt aus dem Gewächsreiche genommen . Es war ein Blatt , welches dem der Einheere sehr ähnlich war , in welchem die glänzende dunkelschwarze Kugel liegt . Ich hatte das Blatt nach einem wirklichen aus Wachs gebildet , nur die Auszackung machte ich geringer und die Tiefe größer . Das Wachsblatt wurde von einem Arbeiter , der des Gestaltens sehr kundig war , in Gips bedeutend größer nachgebildet , und nach dem Gipsblatte sollte das Marmorbecken gearbeitet werden . In der Tiefe desselben sollte wie bei dem Einbeerenblatte die Kugel liegen , und aus einem Stiele , der sich Über das Blatt erhebt , soll das Wasser in einem feinen Strahle in das Blatt springen . Das Blatt selber sollte von Rosenmarmor , der Stamm und Stengel von einem anderen , dunkleren sein . Ich bestrebte mich , in dem Rothmoore nachzusehen , wie weit die Arbeit gediehen sei , und versuchte durch Besprechungen Für größere Leichtigkeit und Reinheit einzuwirken . Aus anderem Marmor sollten andere Dinge verfertigt werden . Zuerst das Pflaster um die Einbeere herum . Das Blatt sollte sein Wasser auf dieses Pflaster hinabgießen , dasselbe sollte auf seiner Ebene eine sanfte Rinne bilden , um das Wasser weiter zu leiten . Die Farbe des Pflasters sollte blaß gelblich sein . Ich hatte eine erkleckliche Anzahl Stücke hiezu zusammengebracht . Für eine Laube in dem Garten hatte ich die Platte eines Tischchens beabsichtigt . Sonst waren noch kleine Tragsteine , ein paar Simse und Briefbeschwerer im Werke . Die Sachen waren in Arbeit . Als Daraufgabe war ein Nest , in welchem zwei Eier lagen , deren Marmor fast täuschend die Farbe von Kiebitzeiern hatte . Ich war mit den Arbeiten , so weit sie jetzt gediehen waren , sehr zufrieden . Der Stein zu dem Becken war nicht nur in seine allgemeine Gestalt geschnitten worden , sondern das Blatt war in rohen Umrissen fertig , so daß zur feineren Ausfeilung und zur Glättung geschritten werden konnte . Es arbeiteten zwei Menschen ausschließlich an diesem Gegenstande . Mit dem Gipsvorbilde ließ ich noch einige Veränderungen vornehmen . Es war mir nicht leicht genug und zeigte mir nicht hinlänglich das Weiche des Pflanzenlebens . Ich ging in die Berge , suchte Pflanzen der Einbeere , und brachte sie samt ihrer Erde in Töpfen zurück , damit sie nicht zu schnell welkten und uns länger als Muster dienen könnten . An diesen Pflanzen suchte ich zu zeigen , was an dem Vorbilde noch fehle . Ich erklärte , wo ein Blattteil sich sanfter legen , ein Rand sich weicher krümmen müsse , damit endlich das Steinbild , wenn es fertig wäre , nicht den Eindruck hervor bringe , als ob es gemacht worden , sondern den , als ob es gewachsen wäre . Da ich mich bemühte , die Sache ohne Verletzung des Mannes , welcher das Gipsvorbild verfertiget hatte , darzulegen und sie eher in das Gewand einer Beratung einzukleiden , so ging man auf meine Ansichten sehr gerne ein , und da die ersten Versuche gelangen , und das Becken durch die größere Ähnlichkeit , die es mit dem Blatte erlangte , auch sichtbar an Schönheit gewann , so ging man mit Eifer an die Fortsetzung , suchte sich den Pflanzenmerkmalen immer mehr zu nähern , und erlebte die Freude , daß endlich das Werk in ungemein edlerer Vollendung dastand als früher . Selbst für künftige Arbeiten hatte man durch dieses Verfahren einen Anhaltspunkt gewonnen und Hoffnungen geschöpft , sich in schönere und heiterere Kreise zu schwingen . Der Werkmeister sprach unverhohlen mit mir über die Sache . Früher hatte man nach hergebrachten Gestalten und Zeichnungen Gegenstände verfertigt , dieselben versandt , und Preise dafür erhalten , die solchen Waren gewöhnlich zukommen , so daß die Anstalt bestehen konnte , aber einer gehäbigen und wohlhabenden Blüte doch nicht teilhaftig war . Daß man sich an Pflanzen als Vorbilder wenden könne , war ihnen nicht eingefallen . Jetzt richtete man den Blick auf sie , und fand , daß alle Berge voll von Dingen ständen , die ihnen Fingerzeige geben könnten , wie sie ihre Werke zu verfertigen und zu veredeln hätten . Ich blieb so lange da , bis das Gipsblatt vollkommen fertig war , und bis ich mich darüber beruhigt hatte , welche Werkzeuge zum Messen angewendet würden , damit die Gestalt des Vorbildes mit allen ihren Verhältnissen in die Nachbildung übergehen könnte . Nachdem ich noch die Bitte um Beschleunigung der Arbeit angebracht hatte