, von Hecken oder Geländern war auf dem ganzen Grundstück nichts zu sehen . Es lag ein großer Reichtum darin , aber dieser änderte täglich seine äußere Gestalt ; selbst die Dächer von den Gebäuden verkaufte der Mann manchmal , wenn sich günstige Gelegenheit bot , und doch saß er seit langer Zeit auf diesem Besitze , und die fragliche Straße schien demselben die Krone aufzusetzen ; denn eine gute Straße dünkte ihm das beste Ding von der Welt , nur müsse sie ohne kostspielige Meilenzeiger und ohne Akazienbäumchen und derlei Firlefanz sein . Auch war er fast immer auf der Straße in einem leichten , einfachen , aber vortrefflichen Fuhrwerke , dessen Remise ebenfalls auf steter Wanderung begriffen war und lediglich aus losen Bauhölzern bestand . Der Holzhändler meinte nun , der Wirt müsse oben seine Hütte zuschließen und einen Gasthof unten an die neue Straße und Brücke bauen , wo noch ein größerer Verkehr zu erwarten wäre , da hier noch die Schiffsleute hinzukämen . Allein der Wirt war der entgegengesetzten Gesinnung . Er saß in dem Hause seiner Väter ; es war seit alten Zeiten immer ein Gastbaus gewesen ; von seiner sonnigen Höhe war er gewohnt , über das Land hinzublicken , und das Haus hatte er mit schönen Schweizergeschichten bemalen lassen . Von der Verteidigung mit einer schlechten Axt wollte er nichts hören , dieselbe sei höchstens zum gelegentlichen Erschlagen eines Wolfenschießen gut ; sonst bedurfte er einer trefflichen und fein gearbeiteten Büchse , die Übung mit derselben war ihm der edelste Zeitvertreib . Er war auch , der Meinung , ein freier Bürger müsse arbeiten und sorgen , sieh ein unabhängiges Auskommen zu schaffen und zu erhalten , aber Nicht mehr , als nötig sei , und wenn die Sache in sichrem Gange , so zieme dem Mann eine anständige Ruhe , ein vernünftiges Wort beim Glase Wein , eine erbauliche Betrachtung der Vergangenheit des Landes und seiner Zukunft . Er betrieb einen beschränkten Weinhandel , nur mit gutem und wertvollem Wein , mehr gelegentlich als geschäftsmäßig ; in seinem Hause ging alles seinen Gang , ohne daß er viel umhersprang , wozu er auch zu beleibt war . Auch er war ein Mann des Rates und der Tat , aber mehr in der moralischen Welt , und in politischen Dingen ein einflußreicher Volksmann , ohne daß er im Großen Rate saß . Bei den Wahlen hörten viele auf ihn ; daher mochte die Regierung ihn sowenig gegen sich aufbringen als den Holzhändler . Sie hatte dem Großen Rate , behufs eines Gesetzes über den fraglichen Straßenbau , ihr Gutachten vorzulegen ; man wünschte , daß der betreffende Nachteil des Entscheides nicht den Behörden zur Last gelegt , sondern an Ort und Stelle ausgekocht würde , und zu diesem Ende hin hatte der Statthalter diese Gelegenheit ergriffen , die beiden Männer aneinanderzubringen und zu einer Verständigung aufzufordern . Der Statthalter war ein freundlicher und wohlbeleibter Mann mit einem hübschen Gesichte und vornehm grauen Haaren ; er trug feine Wäsche und einen feinen Rock , an der feinen Hand goldene Ringe und lachte gern . Immer war er gelassen , führte seine Geschäfte mit Festigkeit durch , ohne sieh auf die Gewalt zu berufen und als Regierungsperson zu brüsten . Er war sehr gebildet , allein davon zeigte er jederzeit nur , soviel nötig war , und tat dies auf eine Weise , als ob er den Bauern nur etwas erzählte , das er zufällig erfahren und sie ebensogut wissen könnten , wenn es sich just gefügt hätte . Mit seinem feinen Rock und seinen Manschetten ging er überallhin , wo ein Bauersmann hinging , nahm seinen Putz nicht in acht dabei und verdarb ihn doch nicht . Zu den Leuten verhielt er sich nicht wie ein Vogt zu seinen Untergebenen oder wie ein Offizier zu seinen Soldaten , auch nicht wie ein Vater zu den Kindern oder ein Patriarch zu seinen Hirten , sondern unbefangen wie ein Mann , der mit dem andern ein Geschäft zu verrichten und eine Pflicht zu erfüllen hat . Er strebte weder herablassend noch leutselig zu sein , am wenigstens suchte er den besoldeten Diener des Volkes zu affektieren . Er gründete seine Festigkeit gar nicht auf die Amtsehre , sondern auf das Pflichtgefühl ; doch wenn er nicht mehr sein wollte als ein anderer , so wollte er auch nicht weniger sein . Oder vielmehr wollte er gar nicht , denn er war alles , was er vorstellte . Und doch war er kein unabhängiger Mann ; einer reichen , aber verschwenderischen Familie entsprossen und in seiner Jugend selbst ein lustiger Vogel , kehrte er mit erlangter Besonnenheit gerade in das väterliche Haus zurück , als dasselbe in Verfall geriet ; es war gar nichts zu leben übriggeblieben , sein verkommener , lärmender Vater mußte noch erhalten werden ; so sah sich der junge Mann genötigt , gleich ein Amt zu suchen , und war endlich unter vielen Wechseln und Erfahrungen einer von denen geworden , die ohne ihr Amt Bettler und Regierungspersonen von Profession sind . Er konnte aber als eine Ehrenrettung und Verklärung dieser verrufenen Lebensart gelten ; den ersten Schritt hatte er in der Jugend und in der Not getan , und als es nachher nicht mehr zu ändern war , zog er sich wenigstens mit Ehre und wahrer Klugheit aus der Sache . Der Schulmeister pflegte von ihm zu sagen er sei einer von den wenigen , die durch das Regieren weise werden . Doch alle Weisheit half ihm jetzt nicht , den Holzhändler und den Wirt zu einer Verständigung zu bringen , damit er der Regierung berichten könne , welcher Zug der Straße in der Gegend allgemein gewünscht werde . Jeder der beiden Männer verteidigte hartnäckig seinen Vorteil ; der Holzhändler hielt sich schlechtweg an den Vernunftgrund , daß die Wahl zwischen einer ebenen und graden Linie und zwischen einem Berge heutzutage unzweifelhaft sein müsse , und barg so seinen eigenen Vorteil hinter