, die Verabredungen der Gläubiger wären geschlossen , die Verständigungen ziemlich klar erörtert , man wisse , was Jeder zu fodern hätte und wie er sich wolle befriedigen lassen ... es bliebe nun nichts übrig , als die letztliche Erklärung des inzwischen in der Residenz angekommenen Prinzen Egon .... Dies leuchtete ein ... Bartusch ' s Blinzeln auf Dankmarn verstand man nicht . Melanie überließ Jedem sich die Gründe zurechtzulegen , die ihn bestimmen konnten , das Schloß schon jetzt zu verlassen ... sie , sagte sie , würde es morgen in aller Frühe thun . Sie bat Lasally , dazu die Pferde in Bereitschaft zu halten , denn sie würde bald fahren , bald reiten . Auch Dankmarn bat sie , ihrem Beispiele zu folgen und sich eines der Pferde des Stallmeisters zu bedienen , sein Wagen könne ja , geführt von einem der Leute Lasally ' s , folgen .... Nicht wahr ? sagte sie neckisch . Dankmar gestand zu , was sie nur verlangte . Die Mutter , fuhr sie fort , schließt sich uns in der Mitte in unserm neuen Coupé an . Ja , ja , wir werden bald fahren , bald reiten und uns die Rückreise nicht etwa wie einen bittern Nachgeschmack von vielen hier gehofften und nicht eingetroffenen Freuden bekommen lassen , sondern wie Etwas , das den ganzen Aufenthalt auf dem Schlosse allein aufwiegen und alles Vorangegangene übertreffen soll .... Die Einwendungen der Mutter wegen doch allzu großer Beschleunigung widerlegte sie durch ihre Bereitwilligkeit , ihr die ganze Nacht hindurch packen zu helfen . Ihr Entschluß stünde nun einmal fest und was sich nicht sogleich mitnehmen lasse , könnten die als zuverlässig erprobten Leute schon nachbringen . Auch die Nothwendigkeit , Abschied zu nehmen von Zeisels , von Sängers , von Doctor Reinick , von Bensheims , Sengebuschs und mancher andern Bekanntschaft , ließ sie nicht gelten . Allen solchen Bedenklichkeiten abzuhelfen genüge die Visitenkarte . Und den Einzigen , fuhr sie fort , von dem der Abschied uns schwer geworden wäre , unsern theuern Herrn Pfarrer Stromer , den haben wir ja hier und können ihm all unser Bedauern gleich ins Angesicht sagen . Ja ! Lieber Pfarrer ! Sie kommen gewiß recht bald zu uns ! Sie müssen Domprediger werden ! Schade , daß Sie keine Töchter mehr aus der Propstei heirathen können ! Propst Gelbsattel hat noch ein halbes Dutzend , aber die Älteste liebt den Candidaten Oleander und die Jüngste der fünf Andern - sind es nicht soviel , Mutter ? - würde noch zu alt für Sie sein , für einen Mann , der anfängt nur das Schöne zu lieben . Zum Glück besitzen Sie die beste der für Sie passenden Frauen . Aber kommen Sie ! Irgend eine Kanzel findet sich schon .... Ich kenne an dreißig junge Frauen und Mädchen , die Alle nicht mehr wissen , wem sie ihre Sünden beichten sollen .... Der Eine ist zu rauh , der Andere zu sanft , der Dritte zu gelehrt , der Vierte zu oberflächlich . Und die abscheuliche Anzüglichkeit dieser Modeprediger ! Dieses Schlagen auf die Kanzellehne , dieses Lärmen und Poltern über die verstockten Sünderherzen , diese düstere Lehre vom Blute Christi .... Propst Gelbsattel , der sonst so beliebte letzte Rettungsanker , ist gar nicht mehr zu verstehen seit den Revolutionen . Er weiß nicht , wohin er sich wenden soll , ob zum Volke oder zum Könige . Seine Zeit ist um , sagte er kürzlich in einem Anfalle von Wehmuth , weil er bei Hofe nicht geladen war . Vielleicht werden Sie Propst , Herr Stromer ! Kommen Sie ! Ich habe Verbindungen und bring ' es schon dahin , daß wir Sie irgendwie den Unserigen nennen ; Das bin ich Ihnen ja schuldig für den schönen Blumenstrauß , mit dem Sie mich heute wieder beglückten .... Als Stromer hocherröthend niederblickte , gedachte Dankmar der Erzählung Egon ' s und seiner Vermuthung , der Pfarrer hätte wol die Blumen seiner guten Frau nach einem nächtlichen Zwist als Morgenselam der Versöhnung bestimmt . Es machte ihm einen eigenen Eindruck , als er sich so im Irrthum entdeckte und der immer an sich zu denken scheinende und seiner klar bewußt bleibende Pfarrer mit gewähltem höchst sicherm Ausdruck sagte : So schwindet denn wieder eine Freude hin , die ach ! nur allzu kurz einer rosigen Wolke gleich an unserm grade nicht grauen , eher heitern und immer gleichen , aber eben in seiner unermeßlichen freundlichen Identität so lästigen Horizonte aufzog ! Wir haben am Ende nichts , was uns bleibt , als Blumen , die Symbole der Begrüßung und des Abschieds . Eines und Dasselbe drückt Freude und Trauer aus . Doch ich sehe Sie morgen noch einmal und nehme einen gesammeltern Abschied und hoffentlich nicht für immer . Erblicken Sie mich auch nicht wieder als Domprediger in Ihrem Sinn , so denk ' ich , einen Dom wölbt sich das Auge bald über sich her und auf der Kanzel des Herzens und in dem Beichtstuhl der Gesinnung treff ' ich Sie schon noch im Leben wieder - Alle ! Alle ! Damit erhob sich der sonderbare Mann , in der That nicht ohne eine gewisse Rührung zu hinterlassen . Heilig konnte Dankmar den Eindruck , den des Pfarrers Ergriffensein in ihm hervorrief , nicht gerade nennen . Die Weise eines Pietisten war Das auch nicht mehr : im Gegentheil kam ihm das Feuer seiner Augen unlauter vor , fast weltlich . Für einen weichen Anempfindler sprach er zu fest und kräftig . Er interessirte ihn , ohne ihn anzuziehen ... Alle diese Betrachtungen stellte Dankmar nur flüchtig an , denn die ganze Gesellschaft erhob sich . Der förmlich als Befehl gegebene Entschluß , sobald abzureisen , erfüllte Jeden mit seiner nächsten Aufgabe , die im Räumen und Packen bestand . Man trennte sich in der Erwartung , morgen in frühester Stunde sich zur Abreise beisammen zu finden ... Als auch Dankmar unschlüssig