treffen müssen , war darin nicht offenbar des Vaters gütige Hand ? Sollte es wohl das Dargebotene verschmähen ? War es etwas Hartes , Widerliches , das ihm zugemutet wurde ? Nun rollte die Seele ihre Bilder auf , bevölkerte mit ihnen die öde Zukunft . Uli war sein Mann , es hatte Wurzel geschlagen im Leben , in der weiten Welt , sie waren der Mittelpunkt , um den ein großes Hauswesen sich ordnete , um ihren Willen kreisend . Hundertfältig gestaltete dieses Bild sich vor seinen Augen , und immer schöner , lieblicher woben dessen Farben sich durcheinander . Es wußte nicht mehr , daß es im Wägeli fuhr , es war ihm so leicht , so wohl ums Herz , als ob es bereits atme in jener Welt , wo keine Sorge , kein Leid mehr ist ; da rollte das Wägelein über einen Stein . Vreneli fühlte ihn nicht , aber die Base erwachte mit langem Gähnen und fragte , mühsam sich fassend : » Eh , wo sind wir ? Ich habe doch nicht geschlafen ? « Da sagte Uli : » Wenn Ihr recht lueget , so seht Ihr dort unser Licht durch die Bäume . « » Herr Yses , wie habe ich doch geschlafen ! Das hätte ich doch niemand geglaubt . Wenn nur Joggeli nicht balget , daß wir so spät sind . « » Es macht noch nichts , « sagte Uli , » und morgen kann der Kohli ruhen , wir brauchen ihn nicht . « » He nun , « sagte die Base , » so macht es desto minder . Aber wenn die Rosse spät heimkommen und früh fort sollen , so ist das eine Schinderei . Nehme man doch , wie es einem wäre , wenn man es einem auch so machen würde , immer laufen , immer laufen und keine Zeit zum Essen und Schlafen . « Aus allen Türen schossen diesmal mit Lichtern und Laternen die Bewohner der Glungge , als sie das herannahende Wägeli hörten , die einen ans Pferd hin , die andern zum Wägeli ; selbst Joggeli gnappete herbei und sagte : » Ich habe geglaubt , ihr kommet heute nicht mehr , es hätte euch etwas gegeben « Fünfundzwanzigstes Kapitel Der Knoten beginnt sich zu lösen , und als er sich stecken will , zerschlägt ihn ein Mädchen und zwar mit einem buchenen Scheit Nun ging es wie an allen Orten , wenn die Hausmutter spät heimkömmt , mit Reden und Fragen ; doch war noch keine Stunde verflossen , so wars still in der Glungge , nur im Stalle hörte man den Kohli fressen . Der schöne Schlaf hatte sich über die Bewohner gesenkt und seine Gaben gebracht , das Vergessen alles Leids und manch schön Gaukelspiel vor die bewußtlose Seele . Doch auf einem Bette sah man ihn nicht weilen . Es war ein reinlich Bett , auf demselben lag eine stattliche Federdecke und drinnen ein noch stattliches Mädchen ; zu voll war dessen Seele , des Schlafes Eindrücke aufzunehmen . Was jener Stein unterbrochen , das tauchte wieder auf : liebliche Bilder aller Art schwammen über die Seele , flüchtig eilten die einen vorüber , süß und wonniglich weilten andere lange über dem verklärten Mädchen , das sucht in unruhiger Pein hin und her sich werfend den Schlaf suchte , sondern in seliger Hingebung unbemerkt Stunde um Stunde an sich vorüberrinnen ließ . Als kühle Morgenlüfte durch die Täler strichen , da begann ein süßes , banges Sehnen aufzuwallen , des Mädchens Brust zu schwellen , das Sehnen , Uli Ja zu sagen , das Sehnen , ihm zu sagen , es wolle sein sein für immerdar , das Sehnen , ihn auch sein nennen zu können für immerdar . Je dringender dieses Sehnen ward , desto mehr gattete es sich mit der Bangigkeit , das ersehnte Glück machte nur ein Traum sein , möchte sich verflüchtigen wie des Traumes Bilder , am Morgen möchte Uli nicht mehr zu finden sein , könnte erzürnt über Vrenelis Benehmen anderes Sinnes geworden sein . Oh , wie ihm jetzt dieses Zagen und Abweisen leid tat , wie es sich nicht begreifen konnte , wie es ihns mehr und mehr drängte , das Verschulden gut zu machen , zu vernehmen , ob Uli noch gleichen Sinnes geblieben sei die Nacht hindurch . Es litt es nicht mehr im Bette , leise stund es auf , öffnete ein Fensterchen , atmete Morgenluft , zog sich an und begann sein Morgenwerk , leise , daß niemand es höre . Leise öffnete es die Türe , stille war es draußen , kein Knecht rührte sich noch , kein Pferd scharrte nach Futter . Da ging es leise durch den Schopf dem Brunnen zu , dort im kühlen Wasser sich zu waschen nach üblichem Brauch . Am plätschernden Brunnen stund eine Gestalt gebeugt über den Trog und mit Eifer auch ein solches Werk verrichtend . Mit pochendem Herzen er , kannte Vreneli seinen Uli , da stund der Ersehnte . Da schwanden Nacht und Nebel , wie Morgenrot ging es ihm auf , und wie ein Herz ziehen könne , das fühlte es jetzt . Doch den unwiderstehlichen Zug noch mädchenhaft zu umschleiern , war ihm seine Schalkheit zur Hand , und mit unhörbarem Tritte an Uli getreten , schlug es rasch beide Hände vor dessen Augen . In gewaltigem Schreck zuckte der starke Mann zusammen , ein halber Schrei entfuhr ihm ; dann die Hände vor den Augen fassend , erkannte er mit süßer Wonne der schönen Hände schöne Eigentümerin . » Bist du es ? « fragte er . Und Vreneli wußte , wen er meine , und seine Hände sanken tiefer , umschlangen den teuren Mann , und wortlos lehnte es sein Haupt an dessen treue Brust . Da , wie aus dem Brunnen Welle um Welle sprudelte hell und klar , so wogte in Uli das Bewußtsein seines Glückes auf