, fuhr dieser Mann fort , » daß der Polterkram sich hier etabliert hat . Man ist gar nicht mehr sicher , daß man nicht auch einen Geist in der Familie besitzt , der bei Gelegenheit Sachen ausschwätzt , die nicht vors Publikum gehören . Ist man einmal begraben , so muß die Sach ' für hienieden vorbei sein , wenn aber darnach alte Geschichten herfürgeplappert werden , so gibt ' s nichts als Prozess ' und Unruh ' und Verfeindungen . Als zum Beispiel , ich bin Spezereihändler , habe in meinem Geschäft den erlaubten kaufmännischen Vorteil genommen . Nun fahren mir aber da drüben Skrupel in den Sinn , weil man jenseits nichts zu tun hat , fange an , zu rumoren im Gewölb ' und im Laden , werfe die Kästen durcheinander , stoße die Läden am Magazin auf , daß das Salz vom Einregnen feucht wird , errege meinen Erben Beschwer und Gewissenszweifel - was kommt dabei heraus ? Ich wünschte wahrhaftig , daß die Regierung ein Einsehen täte , und daß durch Höchste Entschließung das gesamte Zwischenreich Landes verwiesen würde . « Mir waren diese aus der einseitigen Tätigkeit des Zerebralsystems entspringenden Plaudereien sehr langweilig , ich drang daher in den Nachbar , mehr von der Schnotterbaum , ihrem Vater und ihren Geheimnissen mir zu sagen , auf welche sie auch schon bei früheren Gesprächen mit mir angespielt hatte . - » Ihr Vater « , sagte er , » war ein Magister , der noch seine fuchsrote Perücke trug , sie ist , daß ich es Ihnen nur entdecke , ein Jungfernkind ; der Alte hatte sich mit der Aufwärterin eingelassen , da er Präzeptor im Stift war . Ein verwetterter , leichtfertiger Kamerad , der seine Schraubereien über alles hatte und selbst Gotteswort nicht verschonte , weshalb ihn die Leute für einen Atheisten hielten und ihn mieden . Er wurde auch seiner Präzeptorschaft entsetzt wegen des Ärgernisses mit der Aufwärterin und wegen der gottlosen Reden . Nach dem strich er viel umher , hatte die Nas ' hier und andererorten in jedem Kohl und suchte sich von seinen Schreibereien kümmerlich zu ernähren . An der Anna Katharina hat er aber doch rechtschaffen gehandelt , er nahm sie auf seine alten Tage zu sich , daß sie ihm wasche und koche . Da sie aber von Jugend auf sehr fromm gewesen , so mögen ihr die lästerlichen Reden , die der Alt ' auch noch in seinen letzten Jahren nicht lassen konnte , eine große Trübsal erschaffen haben , und dazu kommt , daß er einige Zeit vor seinem Ende in eine große Unruhe verfallen ist , wie diese sich immer bei den bösen Christen zu begeben pflegt , wenn der Tod anfängt , die Sens ' zu schleifen . Er ist ohne Nachtmahl verstorben . Das alles hat sich die Anna Katharina , seine Tochter , zu Gemüt geführt , und meinte sie gleich nach seinem Abscheiden , er könne nicht selig geworden sein . Überdies hat er sie mit einem Geheimnis belastet , und das ist ' s , worauf die Schnotterbaum zielt . Was es ist , weiß niemand aus ihr herauszuholen , sie sagt nur , es sei derart , daß kein Mensch sich dessen versehe , und ganz Schwabenland erstaunen werde , wenn es an den Tag komme . Ihr Vater habe den einen Teil seiner Entdeckung auf einer seiner Streifereien , den andern aber hier zu Weinsperg im Kernbeißerschen Etablissement gemacht . Das Geheimnis sei auch von ihm niedergeschrieben worden in einer versiegelten Schrift , die er sein Testament genannt , und die hinterlegt worden , wo ? will sie oder kann sie nicht sagen . Gegen uns war sie überhaupt in der letzteren Zeit schweigsam geworden , vermutlich weil sie die vielen Fragen ängstigen . « Hier wurden unsere Unterredungen von einem dritten Manne unterbrochen , der vom Tore herkam und uns eifrig zurief : » Wißt ' s was Neues ? Wißt ' s was Neues ? Ja , wann die Ehinger nicht wären , ihr erführt euer Lebtage hier nichts Neues . Der Dürr ist droben in der Teufelsschmied ' und hämmert , als sollten heut noch zwölf Paar Hufeisen fertig werden . Und dazwischen fährt er grimmig auf den Geist ein , den er auf dem Ambosse hat . « - » Was ist das , und was bedeutet die Teufelsschmiede ? « fragte ich . - » Eine alte verfallene Schmiedewerkstatt « , versetzte der Nachbar , » die schon seit hundert Jahren wüst lag , weil niemand drin arbeiten mochte . Sie sagen , diese Werkstatt habe einem Grobschmidt zugehört , der in Untaten hingefahren sei . Der letzte , welcher sich an die Gespräche nicht kehren wollte und das Gemäuer bezog , soll einen solchen Schrecken darin bekommen haben , daß er selbst sein Schmiedewerkzeug im Stich und darin ließ . « » Nun , dem Himmel sei Dank « , rief ich , » jetzt wird der Magische wohl Rat geschafft haben ! Wollt ihr mich , meine Freunde , hinauf in die Teufelsschmiede begleiten ? « - Der Ehinger schützte Verhinderung in Spitzengeschäften vor , der Nachbar aber erklärte sich zum Mitgehen bereit . So machten wir uns auf die Wanderung . Unterweges schlossen sich , als sie hörten , wovon die Rede war , noch sechs bis sieben Straßenjungen uns an . Wir stiegen bergauf , kamen , nachdem die Rebhügel in unserem Rücken lagen , in eine wilde , einsame Gegend , wo sich nach einem beschwerlichen Klimmen über Fels und Steingeröll ein Trupp ärmlicher Hütten zeigte , der ein Dorf hieß . Etwas abseitig wies mir mein Begleiter einen Kamp von Schwarztannen und sagte , darunter liege die Teufelsschmiede . Unter den Bäumen war es sehr finster , ein dunkler Tümpel stehenden Wassers , der in der Mitte des Platzes zwischen hochaufgewehten Haufen gelber Tannennadeln stockte , spiegelte nichts zurück , hinter demselben sah ich die