nach , und seine Worte fielen mit neuer Kraft auf mein Herz , wie ich mich eine Zeitlang wirklich ungezogen gegen sie betragen hatte . Ich erschien mir wie ein alberner Knabe , daß ich , um meiner guten Mutter nur zu widersprechen , mich so willkürlich gegen alle Vorzüge dieses Mädchens verblendet hatte . Ich kam ihr näher , war freundlicher , redete sie nach beendigtem Stück fast mit Zärtlichkeit an , und niemals , niemals werde ich den Blick vergessen können , mit welchem sie mich ansah . Wie soll , wie kann ich ihn beschreiben ? Er drang mir durch Mark und Bein . Ein zarter , holder Vorwurf lag darin , ein unendliches Mitleid mit mir , daß ich sie habe verkennen mögen , und doch ein unsäglicher Schmerz ihres eignen Herzens ; es war als wenn der Blick sagen und mit holdseliger Bitterkeit fragen wollte : Endlich ? - Sie wendete sich dann plötzlich ab , und eilte in ihr Zimmer , um sich umzukleiden . Von dieser Stunde an folgte ich ihren Schritten , und hatte jetzt , im buchstäblichen Verstande , Charlotten völlig vergessen . Diese trieb schon seit einigen Tagen ihr Wesen mit den Virtuosen , was mich gar nicht mehr interessierte ; aber unser kleiner Cadet wollte wahnsinnig werden , und es war hohe Zeit , ihn in seine Anstalt zurückzusenden . Meine Sehnsucht nach Albertinen , meine Bewunderung ihrer Schönheit , daß ich sie immerdar vermißte , und ihre Gegenwart suchte , alles dies wuchs mit jedem Tage . In einer schlaflosen Nacht mußte ich es mir bekennen , daß es Liebe sei , was mich so quäle und doch peinigend beselige . Sonderbar ! ich hatte nicht den Mut , ihr dies Gefühl zu gestehen , obgleich ich jetzt schon Emmrichs Worten glaubte , daß die Holdseligste eine Leidenschaft für mich empfinde . Endlich , in jener abgelegenen Gartenlaube , wo ich sie einmal allein antraf , wagte ich es . Wie , Vetter ! rief sie aus , und ihre wunderschöne Stimme zitterte im klingenden Silber vor tiefer Bewegung : dies sagen Sie mir ? Und es kann Ihr Ernst sein ? Woran soll ich das erkennen ? An diesen stürzenden Tränen , rief ich , indem ich zu ihren Füßen niedersank . Stehen Sie auf ! sagte sie ängstlich , es könnte uns jemand überraschen . Ich setzte mich zu ihr , sprach , bewies , forderte , wünschte und flehte ; sie aber sah schweigend vor sich nieder , und erhob nur von Zeit zu Zeit das schöne Haupt , um mir scharf in die Augen zu sehen . Sie schien mit sich zu kämpfen , sie sann über Gedanken , die sie aussprechen möchte , sie stritt mit Gefühlen - endlich sagte sie ; Und wenn ich nun an Ihre Liebe glaube , wie Sie es nennen ? Die Leidenschaft nehme ich wahr ; stammt diese aber auch aus jenem Quell , den ich Liebe nennen möchte ? Und selbst , wenn ich Ihnen glauben wollte , kann ich Ihnen jetzt noch keine Antwort geben . Doch , ich erscheine Ihnen , der Sie ganz andere Forderungen machen , vielleicht altklug , oder gar prude . Nur eins versprechen Sie mir : sagen Sie von dem , was Sie jetzt so heftig zu wünschen scheinen , auch kein Wort Ihrer Mutter . Sie wissen wohl , welche Pläne sie einst hatte , und ich möchte in dieser Sache von niemand , auch dem Besten nicht , überredet werden . Vieles , ach ! vieles muß überdies noch anders werden . - Mit diesen Worten entfernte sie sich , nachdem ich ihre Hand , die sie mir freundlich überließ , heftig geküßt hatte . Man wird oft schlimmer , indem man besser wird . Mein Gemüt war erhoben , ich hatte vieles in mir überwunden , was ich jetzt niedrig nennen mußte , und doch nahm ich jetzt planvoll zur List meine Zuflucht , die ich noch vor wenigen Wochen würde verachtet haben . Ich suchte mir nämlich die kleine Dorothea zu gewinnen , und dieser ein unbedingtes Zutrauen einzuflößen . Das war bei dem guten lieben Kinde nicht gar schwer , obgleich sie mich oft gescholten , oder mir auch empfindliche Wahrheiten gesagt hatte ; mein neckender Ton war ihr oft zuwider gewesen und sie hatte sehr oft geäußert , kein Mensch könne Zutrauen zu mir fassen . Wie es mir also gelang , sie recht treuherzig zu machen , entdeckte ich ihr den Zustand meines Gemüts , und da sie überzeugt war , es sei mein Ernst , versprach sie mir alle Hülfe , und wiederholte mir manche Gespräche , die sie mit Albertinen geführt hatte , und was diese an mir , den Leichtsinn , eine gewisse Frechheit , von der ich nichts wußte , und dergleichen mehr , aussetzte . Bei dieser Gelegenheit , Freund , wurde nun dein Lob in allen Tönen gesungen . Du warst Albertinen das Muster eines Mannes , diese Kindlichkeit fehlte mir , sowie diese Unschuld , eine gewisse Redlichkeit und dergleichen Haupttugenden mehr , so daß die Kleine auch früher den irrigen Glauben gehegt hatte , Albertine sei sterblich in dich verliebt . Jetzt teilte sie Emmrichs Meinung , daß sie von einer Leidenschaft gegen einen Undankbaren schon früher sei verzehrt worden , dessen Unart und Frivolität , dessen Verliebtheit in Charlotten , sowie manche Tollheiten , sie immerdar tief verletzten . Wie gern wollte ich ihr jetzt alle diese Leiden vergüten . Aber sie wich mir aus , sie vermied mich , soviel sie es irgend konnte . Oft mußte ich glauben , daß ihr mein Wesen wirklich unerträglich sei , und dies brachte mich in meiner überspannten Empfindung gar oft der Verzweiflung nahe . In manchen Stunden fiel mir ein , ich wollte fortreisen , und in fernen Ländern , unter anderm Himmelsstrich , mein Gemüt und meine Heiterkeit wiederzufinden suchen . Ein Blick