, als solche Bekanntmachungen und Anzeigen , wo allerlei Sachen verkauft wurden ; denn , sagen Sie selbst , was geht mich Bonaparte an , und was brauche ich noch über die Franzosen zu hören ? Die habe ich hinlänglich kennen gelernt und den Krieg fühlt man genug , wenn er da ist , man braucht sich nicht um den zu bekümmern , der in der Ferne geführt wird . Solche Anzeigen aber haben ihren Nutzen , und man sollte nicht darüber lachen , wenn vernünftige Menschen sie lesen . Mir wird diese einfältige Neugierde , wie mein seliger Mann meine Leserei nannte , manchen schönen Thaler einbringen , denn ich erhalte nun dadurch die mir zukommende Erbschaft . Die Gräfin hatte mit ängstlicher Aufmerksamkeit den Bericht ihrer ehemaligen Dienerin vernommen , und sie fand einen schwachen Trost darin . Sie wußte doch nun bestimmt , daß ihre Schwägerin sowohl , als das geliebte Kind in den schrecklichsten Augenblicken ihres eigenen Lebens nicht umgekommen waren . Sie konnten beide leben , und es konnte vielleicht dem Grafen gelingen , diese schwachen Spuren zu verfolgen und die Verlornen aufzufinden . Sie dankte daher der ehemaligen Dienerin für die von ihr bewiesene Treue und bat sie , während ihres hiesigen Aufenthaltes auf dem Schlosse zu wohnen . Die Wittwe des Professors nahm dieß Anerbieten mit Dankbarkeit an und sagte : Es ist nicht Hochmuth von mir , aber erstlich bin ich froh , wieder in der Nähe meiner ehemaligen Herrschaft zu sein , und dann habe ich mir das Bauernleben so abgewöhnt , daß ich es nicht lange bei den guten Leuten , meinen Verwandten , würde aushalten können . Die Gräfin bat nun , sie möchte ihre Zimmer gleich in Besitz nehmen und alle ihre Sachen nach dem Schlosse bringen lassen , damit bei der Mittagstafel sie sich schon ganz als Hausgenossin fände . Ich bemerke , rief die Professorin , Sie verlangen , ich soll an Ihrer Tafel speisen , und als die Gräfin dieß bejahte , fuhr sie fort : Nimmermehr werde ich mich dazu entschließen , und wenn ich mir auch das Bauernleben abgewöhnt habe , so habe ich doch keinen dummen Hochmuth bekommen . Sie sind lange Jahre meine Herrschaft gewesen , das werde ich nicht vergessen . Ja , ich habe mich nicht einmal zu der Gesellschaft der andern Professorsfrauen gehalten , wie mein seliger Mann noch lebte , denn ich sah es recht gut , daß ich ihnen zu gering war ; ich war ihnen nicht fein , nicht gelehrt genug , aber mit aller ihrer Gelehrsamkeit hatten es ihre Männer nicht so gut , wie mein alter lieber Mann . Der konnte ohne Sorgen leben , brauchte sich um nichts zu kümmern und hatte doch Alles im Ueberfluß , und wenn die Herren Professoren bei uns speisten , so gestanden sie alle aufrichtig , bei uns sei der beste Tisch . So lebten wir still und ruhig ; ich pflegte meinen Mann , und hielt mein Kind zur Kirche und Schule an , und sorgte dafür , daß meine Marie früh die Wirthschaft lernte und nicht tausend unnütze Thorheiten . Deßhalb setzten die andern Professorentöchter das arme Kind auch zurück , denn mir fiel es nicht ein , daß es nöthig sei , daß sie in allen Sprachen Liebesbriefe zu schreiben verstehen müsse ; eben so wenig braucht sie mit einem Schawl oder mit einer Trommel zu springen , oder auf allen Instrumenten zu klimpern . Auch ist es kein Unglück , wenn sie nicht alle Spielereien zu machen versteht , die im Grunde kein Mensch braucht , denn ich habe gesehen , daß die vornehm erzogenen Mamsellen nachher vor lauter Gelehrsamkeit ihr Haus nicht regieren konnten und mit allen ihren feinen Arbeiten nicht verstanden , wenn es Noth that , ein Hemd für ihren Mann und ihre Kinder zuzuschneiden . Sie mögen im Ganzen Recht haben , sagte die Gräfin , obwohl ich fürchte , Sie gehen zu weit , was Ihre Tochter anbetrifft ; doch Sie sind mir ein so lieber Gast , daß ich wünsche , Sie möchten sich in meinem Hause einrichten , wie es Ihnen am angenehmsten ist . Wenn Sie mir das erlauben , sagte die Professorin , so werde ich bei meinem alten Freunde Dübois speisen , und meine kleine Marie mögen Sie an Ihren Tisch nehmen , damit sie Manieren lernt , denn da ich sie in der Zukunft mit dem Doktor zu verheirathen wünsche und der so viel auf feine Lebensart hält , so wäre es mir lieb , wenn sie darin nicht hinter ihren künftigen Mann zurückbliebe . Die Gräfin lächelte , indem sie die Bitte ihrer ehemaligen Dienerin bewilligte , und Dübois , der herbei gerufen wurde , erhielt den Auftrag , die Zimmer im untern Stockwerk der neuen Bewohnerin anzuweisen ; zugleich theilte ihm die Gräfin scherzend mit , daß die Frau Professorin seine Gesellschaft der ihrigen vorzöge und an seiner Tafel zu speisen wünsche . Mit großem Ernst erwiederte der Haushofmeister , daß er die Ehre , so ihm seine Freundin erweise , zu schätzen verstehe . Nun , nun , sagte die Wittwe des Professors , sprechen Sie nur nicht mit so großem Respekt , wissen Sie nicht mehr , wie oft sie mich ausgescholten haben , wie wir noch Kameraden waren . Die Gräfin wünschte die Tochter der Professorin zu sehen , und Dübois eilte , die stille , geduldige Marie herauf zu führen , die während der langen Unterredung zwischen ihrer Mutter und der Gräfin ruhig am Fenster in Dübois Zimmer gesessen hatte . Als der Haushofmeister das Zimmer verlassen hatte , trat St. Julien ein , um ein Buch von der Gräfin abzuholen , welches sie ihm am vorigen Tage versprochen hatte . So wie die Professorin ihn erblickte , wurde sie bleich und schlug die Hände zusammen . Als der junge Mann die Gräfin anredete , schien seine Stimme einen ähnlichen Zauber , wie sein Anblick