Sie uns « , sagt jetzt der Präsident zu Nolten , welcher noch immer ohne Besinnung an der Erde kauerte , » lassen Sie uns vernünftig und gefaßt schnelle Hülfe anwenden , Ihre Braut wird in kurzem die Augen wieder öffnen ! « Also hob man vorsichtig die Scheinleiche auf das Polster und alle setzten sich in Bewegung , als auf einmal eine fremde Weiberstimme , welche ganz in der Nähe aus dichtem Gezweige hervordrang , einen plötzlichen Stillstand veranlaßte . Unwillkürlich ballte sich Theobalds Faust , da er die majestätische Gestalt der Zigeunerin mit keckem Schritt in die Mitte treten sah , aber die Gegenwart einer unnahbaren Macht schien alle seine Kraft in Bande zu schlagen . Indes man Agnesen , von den Mädchen geschäftig begleitet , hinwegtrug , sagte Elisabeth mit ruhigem Ernst : » Wecket das Töchterchen ja nicht mehr auf ! Entlaßt in Frieden ihren Geist , damit er nicht unwillig , gleich dem verscheuchten Vogel , in der unteren Nacht ankomme , verwundert , daß es so balde geschah . Denn sonst kehrt ächzend ihre Seele zurück , mich zu quälen und meinen Freund ; es eifert , ich fürchte , die Liebe selber im Tode noch fort . Ich bin die Erwählte ! mein ist dieser Mann ! Aber er blickt mich nicht an , der Blöde ! Laßt uns allein , damit er mich freundlich begrüße ! « Sie tritt auf Theobalden zu , der ihre Hand , wie sie ihn sanft anfassen will , mit Heftigkeit wegwirft . » Aus meinen Augen Verderberin ! verhaßtes , freches Gespenst ! das mir den Fluch nachschleppt , wohin ich immer trete ! Auf ewig verwünscht , in die Hölle beschworen sei der Tag , da du mir zum ersten Male begegnet ! Wie muß ich es büßen , daß mich als arglosen Knaben das heiligste Gefühl zu dir , zu deinem Unglück mitleidig hinzog , in welche schändliche Wut hat deine schwesterliche Neigung , in was für teuflische Bosheit hat deine geheuchelte Herzensgüte sich verkehrt ! Aber ich konnte wissen , ich kindischer , rasender Tor , mit wem ich handeln ging ! - Herr Gott im Himmel ! nur diese Strafe ist zu hart - Elend auf Elend , unerhört und unglaublich , stürzt auf mich ein - O ihr , deren Blicke halb mit Erbarmen , halb mit entehrendem Argwohn auf mich , auf dieses Weib gerichtet sind , glaubt nicht , daß meine Schuld dem Jammer gleich sei , der mein Gehirn zerrüttet ! Das Elend dieser Heimatlosen lest ihr auf ihrer Stirn - aus dieser Quelle floß mir schon ein übervolles Meer von Kummer und Verwirrung . Keine Verbrecherin darf ich sie nennen - sie verdiente mein Mitleid , ach , nicht meinen Haß ! Doch wer kann billig sein , wer bleibt noch Mensch , wenn der barmherzige Himmel sich in Grausamkeiten erschöpft ? Was ? wär ' s ein Wunder , wenn hier auf der Stelle mich selbst ein tobender Wahnsinn ergriffe , mich fühllos machte gegen das Äußerste , Letzte , das - o ich seh es unaufhaltsam näher kommen ! Was klag ich hier ? was stehn wir alle hier ? und droben der Engel ringt zwischen Leben und Tod - Sie stirbt ! Sie stirbt ! Soll ich sie sehn ? kann ich sie noch retten ? O folgt mir ! - Wohin ? dort kommt Margot eben von ihr ! Ja - ja - auf ihrer Miene kann ich es lesen - Es ist geschehen - mit Agnes , mit Agnes ist es vorbei ! - Hinweg ! laßt mich fliehen ! fliehen ans Ende der Welt - « Kraftvoll hält ihn Elisabeth fest , er stößt im ungeheuren Schmerz ein entsetzliches Wort gegen sie aus , aber sie umfaßt mit Geschrei seine Kniee und er kann sich nicht rühren . Der Präsident wendet das Auge von der herzzerreißenden Szene . » Weh ! Wehe ! « ruft Elisabeth , » wenn mein Geliebter mir flucht , so zittert der Stern , unter dem er geboren ! Erkennst du mich denn nicht ? Liebster ! erkenne mich ! Was hat mich hergetrieben ? was hat mich die weiten Wege gelehrt ? Schau an , diese blutenden Sohlen ! Die Liebe , du böser , undankbarer Junge , war allwärts hinter mir her . Im gelben Sonnenbrand , durch Nacht und Ungewitter , durch Dorn und Sumpf keucht sehnende Liebe , ist unermüdlich , ist unertötlich , das arme Leben ! und freut sich so süßer , so wilder Plage , und läuft und erkundet die Spuren des leidigen Flüchtlings von Ort zu Ort , bis sie ihn gefunden - Sie hat ihn gefunden - da steht er und will sie nicht kennen . Weh mir ! wie hab ich freudigern Empfang gehofft , da ich dir so lange verloren gewesen , und , Liebster , du mir ! - So gar nicht achtest du meines herzlichen Grames , stößest mich von dir wie ein räudiges Tier , - das aber leckt mit der Zunge die Füße des Herrn , das aber will von seinem Herrn nicht lassen . - - Ihr Leute , was soll ' s ? Warum hilft mir niemand zu meinem Recht ? Sei Zeuge du Himmel , du frommes Gewölbe , daß dieser Jüngling mir zugehört ! Er hat mir ' s geschworen vorlängst auf der Höhe , da er mich fand . Die herbstlichen Winde ums alte Gemäuer vernahmen den Schwur ; alljährlich noch reden die Winde von dem glückseligen Tag . Ich war wieder dort , und sie sagten : Schön war er als Knabe , wär er so fromm auch geblieben ! Aber die Kinder allein sind wahrhaftig . - Agnes , was geht sie dich an ? Ihr konntest du dein Wort nicht halten , du selbst hast ' s ihr bekannt , das hat sie krank gemacht , sie klagte mir ' s den Abend