Gespräch nur einen und denselben Gegendstand beträfe ; zwei Herren allein hatten sich von der Versammlung abseits gezogen , und besprachen sich eifrig in einer Ecke des Gemachs : der Schultheiß und der Oberstrichter . - » Ihr würdet mich zur ewigen Dankbarkeit verpflichten , « sagte der Letztere , das Gespräch zu Ende leitend , » wenn Ihr dem Jungen irgend einen Denkzettel anhängen wolltet . Ihr findet eher die Gelegenhenheit hiezu , denn ich . Mir dürfte er schwerlich in ' s Gehege kommen . « - » Ich denke , mir ist er schon in ' s Gehege gerathen ; « entgegnete der Schultheiß finster : » seyd unbesorgt , ehrbarer Herr ; was man sucht , findet sich wohl ; ich bin vielleicht sogar bald im Stande , Euch über wichtigere Dinge Aufschluß zu geben , denn ich vermuthe nicht mit Ungrund , daß in jenem Hause gewisse Verhältnisse obwalten , die bis jetzt gut gethan haben , sich mit dem Schleier des Geheimnisses zu verhüllen . « - » Meint Ihr , gestrenger Herr ? « fragte der Oberstrichter schnell : » Das wäre Wasser auf meine Mühle , und wenn die Dinge von der Art wären , mein Amt zu beschäftigen , .... um desto besser . « - » Ich verspreche noch nichts ; « antwortete der Schultheiß einlenkend : » ich weiß von nichts . Die Zeit wird lehren , wie ich mich zu verhalten haben werde . « - Der Andre bückte sich mit der Freundlichkeit , die willig vor dem Mächtigern verstummt , und ihre Neugier in den Zaum nimmt . Das Stubenmeisteramt , das der Schultheiß bekleidete , machte ihm die nächsten Anordnungen der Tafel zur Pflicht , und als Alles besorgt war , und er schon mit dem silbernen Stabe in das Gemach schreiten wollte , um der harrenden Gesellschaft das Zeichen zum Mahle zu geben , kam ihm der Altbürger Diether Frosch hastig entgegen und zog ihn in das Tafelzimmer zurück . - Der Schultheiß erröthete leicht bei diesem unverhofften Zusammentreffen , faßte sich jedoch bald wieder , und sprach : » Willkommen , mein wackrer Schöff ! Sehnlichst haben wir Eurer gewartet . Und Eure Ehefrau .... Ihr habt sie doch mit Euch gebracht , darf ich hoffen ? « - » Mit nichten , Herr ; « versetzte Diether : » Doch zweierlei Botschaft bringe ich , die Frau Margarethen angeht , und von der ich auch reden muß , ehe Ihr zu Tische sitzt . Ihr habt neulich eine Rose in meinem Hause zurückgelassen , .. ein feines Kleinod , und viel zu kostbar für meine Wirthin , die es Euch durch mich zurückstellen läßt . Ferner habt Ihr die Güte gehabt , heute Morgen Euern Buben in mein Haus zu senden , der ein blankes Körblein trug , mit diesem silbernen Granatapfel , angefüllt von wohlriechender Essenz , und verziert mit einem Minnespruch . Der alte Diether , der , wie alle Sechziger , wenig schläft , und früh das Lager verläßt , fand den Buben , der an Frau Margarethens Thüre harrte , und nahm ihm das zarte Geschenk ab . Er bringt Euch nun Beides wieder : die Rose von Gold , den Apfel von Silber , mit der Bitte , seinen kleinen Hausstand mit solcher Freigebigkeit ferner nicht zu beschämen . Sein Haus war stets ein Wohnsitz der Zucht und Ehrbarkeit , und wird und soll es ferner bleiben , wozu Gott helfe ! « - Der Schultheiß , der schon vorausgesehen , was des Alten grämliche Miene verkündete , nahm heftig die Kleinodien aus Diether ' s Hand , und sagte halblaut zu dem Schöffen : » Ihr habt recht gut die Zeit gewählt , mich zu beleidigen , denn rings um uns wandeln Leute hin und her , die mit ihren Falkenblicken in Eurem zornigen Antlitz zu lesen verstehen . Ihr mögt indessen Eurem Ehgemahl berichten , daß Versehen und Irrthum nur dieß Geschenke , für andre , geschätzte Freundinnen bestimmt , in ihren Bereich gebracht , und daß ich mich zu hoch dünke , an dem Honig zu naschen , in welchem ein alterschwacher Thor , und ein lasterhafter Stiefsohn geschwelgt . « - » Seyd übrigens versöhnt , guter Schöffe , « setzte er mit dem freundlichsten Lächeln hinzu , um die neugierigen Gaffer irre zu führen , - » daß ich Euch den heutigen Abend nach Kräften gedenken werde . « - Diese Worte , mit welchen der Ritter dem Altbürger den Rücken kehrte , demüthigten Margarethens Gatten um so empfindlicher , je stolzer er in dem Gefühle seines Rechts und des vom Schultheißen beabsichtigten Unrechts gewesen war . Dürr ausgesprochen , schonungslos herausgesagt , hatte er nur den Verdacht gehört , den er schon längst im stillen Herzen bewahrt , und von Empörung und Schaam zugleich bedrängt , wollte er die Trinkstube verlassen , als der Schultheiß an der Spitze der Paarweisgehenden Gäste wieder eintrat , und ihn so vertraulich unter dem Arme nahm , als wäre niemals etwas zwischen ihnen vorgefallen . - » Biedrer und ehrsamer Freund , « sprach der gestrenge Herr mit lauter Stimme und freundlicher Geberde , daß alle Umstehende seine Worte vernehmen mußten : » es ist schon lange her , seit Euer Unfall Euch hinderte an unserm geselligen Mahle Theil zu nehmen . Da Ihr nun gewissermaßen heute auch das Fest der Auferstehung feiert , so beliebe es Euch , hier zwischen den Stühlen der Stubenmeister , und an meiner Seite Platz zu nehmen . Wir haben oft zusammengesessen im Rathe , zusammen gestritten im Felde ; laßt uns nach geraumer Zeit wieder zusammen tafeln . « - Ehe noch der greise Diether ein Wort des Widerstrebens zu finden vermochte , hatten ihn schon die übrigen Stubenmeister zu einem Sessel geführt , und ihn mit freundschaftlicher Gewalt genöthigt , sich darauf niederzulassen . Die übrigen Tafelgenossen reihten sich nach Rang und Würden um den Tisch , und