ihn als das Erste , das Beste anzusehen , was dem Menschen werden könne . Finden wir nun , bei näherer Ansicht , Eltern- und Kinderliebe , innige Verbindung der Flur- und Stadtgenossen , somit auch das allgemeine patriotische Gefühl unmittelbar auf den Boden gegründet , dann erscheint uns jenes Ergreifen und Behaupten des Raums , im großen und kleinen , immer bedeutender und ehrwürdiger . Ja , so hat es die Natur gewollt ! Ein Mensch , auf der Scholle geboren , wird ihr durch Gewohnheit angehörig , beide verwachsen miteinander , und sogleich knüpfen sich die schönsten Bande . Wer möchte denn wohl die Grundfeste alles Daseins widerwärtig berühren , Wert und Würde so schöner , einziger Himmelsgabe verkennen ? Und doch darf man sagen : Wenn das , was der Mensch besitzt , von großem Wert ist , so muß man demjenigen , was er tut und leistet , noch einen größern zuschreiben . Wir mögen daher bei völligem Überschauen den Grundbesitz als einen kleineren Teil der uns verliehenen Güter betrachten . Die meisten und höchsten derselben bestehen aber eigentlich im Beweglichen und in demjenigen , was durchs bewegte Leben gewonnen wird . Hiernach uns umzusehen , werden wir Jüngeren besonders genötigt ; denn hätten wir auch die Lust , zu bleiben und zu verharren , von unsern Vätern geerbt , so finden wir uns doch tausendfältig aufgefordert , die Augen vor weiterer Aus- und Umsicht keineswegs zu verschließen . Eilen wir deshalb schnell ans Meeresufer und überzeugen uns mit einem Blick , welch unermeßliche Räume der Tätigkeit offenstehen , und bekennen wir schon bei dem bloßen Gedanken uns ganz anders aufgeregt . Doch in solche grenzenlose Weiten wollen wir uns nicht verlieren , sondern unsere Aufmerksamkeit dem zusammenhängenden , weiten , breiten Boden so mancher Länder und Reiche zuwenden . Dort sehen wir große Strecken des Landes von Nomaden durchzogen , deren Städte beweglich , deren lebendig-nährender Herdenbesitz überall hinzuleiten ist . Wir sehen sie inmitten der Wüste , auf großen grünen Weideplätzen , wie in erwünschten Häfen vor Anker liegen . Solche Bewegung , solches Wandern wird ihnen zur Gewohnheit , zum Bedürfnis ; endlich betrachten sie die Oberfläche der Welt , als wäre sie nicht durch Berge gedämmt , nicht von Flüssen durchzogen . Haben wir doch den Nordosten gesehen sich gegen Südwesten bewegen , ein Volk das andere vor sich hertreiben , Herrschaft und Grundbesitz durchaus verändert . Von übervölkerten Gegenden her wird sich ebendasselbe in dem großen Weltlauf noch mehrmals ereignen . Was wir von Fremden zu erwarten haben , wäre schwer zu sagen ; wundersam aber ist es , daß durch eigene Übervölkerung wir uns einander innerlich drängen und , ohne erst abzuwarten , daß wir vertrieben werden , uns selbst vertreiben , das Urteil der Verbannung gegen einander selbst aussprechend . Hier ist nun Zeit und Ort , ohne Verdruß und Mißmut in unserm Busen einer gewissen Beweglichkeit Raum zu geben , die ungeduldige Lust nicht zu unterdrücken , die uns antreibt , Platz und Ort zu verändern . Doch was wir auch sinnen und vorhaben , geschehe nicht aus Leidenschaft , noch aus irgendeiner andern Nötigung , sondern aus einer dem besten Rat entsprechenden Überzeugung . Man hat gesagt und wiederholt : Wo mir ' s wohl geht , ist mein Vaterland ! ; doch wäre dieser tröstliche Spruch noch besser ausgedrückt , wenn es hieße : Wo ich nütze , ist mein Vaterland ! Zu Hause kann einer unnütz sein , ohne daß es eben sogleich bemerkt wird ; außen in der Welt ist der Unnütze gar bald offenbar . Wenn ich nun sage : Trachte jeder , überall sich und andern zu nutzen ! , so ist dies nicht etwa Lehre noch Rat , sondern der Ausspruch des Lebens selbst . Nun beschaue man den Erdball und lasse das Meer vorerst unbeachtet , man lasse sich von dem Schiffsgewimmel nicht mit fortreißen und hefte den Blick auf das feste Land und staune , wie es mit einem sich wimmelnd durchkreuzenden Ameisengeschlecht übergossen ist . Hiezu hat Gott der Herr selbst Anlaß gegeben , indem er , den babylonischen Turmbau verhindernd , das Menschengeschlecht in alle Welt zerstreute . Lasset uns ihn darum preisen , denn dieser Segen ist auf alle Geschlechter übergegangen . Bemerket nun mit Heiterkeit , wie sich alle Jugend sogleich in Bewegung setzt . Da ihr der Unterricht weder im Hause noch an der Türe geboten wird , eilt sie alsobald nach Ländern und Städten , wohin sie der Ruf des Wissens und der Weisheit verlockt ; nach empfangener schneller , mäßiger Bildung fühlt sie sich sogleich getrieben , weiter in der Welt umherzuschauen , ob sie da oder dort irgendeine nutzbare Erfahrung , zu ihren Zwecken behülflich , auffinden und erhaschen könne . Mögen sie denn ihr Glück versuchen ! wir aber gedenken sogleich vollendeter , ausgezeichneter Männer , jener edlen Naturforscher , die jeder Beschwerlichkeit , jeder Gefahr wissentlich entgegengehen , um der Welt die Welt zu eröffnen und durch das Unwegsamste hindurch Pfad und Bahn zu bereiten . Sehet aber auch auf glatten Heerstraßen Staub auf Staub in langen Wolkenzügen emporgeregt , die Spur bezeichnend bequemer , überpackter Wägen , worin Vornehme , Reiche und so manche andere dahinrollen , deren verschiedene Denkweise und Absicht Yorik uns gar zierlich auseinandersetzt . Möge nun aber der wackere Handwerker ihnen zu Fuße getrost nachschauen , dem das Vaterland zur Pflicht machte , fremde Geschicklichkeit sich anzueignen und nicht eher , als bis ihm dies gelungen , an den väterlichen Herd zurückzukehren . Häufiger aber begegnen wir auf unsern Wegen Marktenden und Handelnden ; ein kleiner Krämer sogar darf nicht versäumen , von Zeit zu Zeit seine Bude zu verlassen , Messen und Märkte zu besuchen , um sich dem Großhändler zu nähern und seinen kleinen Vorteil am Beispiel , an der Teilnahme des Grenzenlosen zu steigern . Aber noch unruhiger durchkreuzt sich einzeln , zu Pferde , auf allen Haupt- und Nebenstraßen die