holde Frau Professorin freundlich wie sonst niemals , und du kannst denken , guter Murr , daß ich mich bei meiner angebornen Galanterie artig und zierlich zu betragen wußte . - Wer hätte ahnen können , was über mich verhängt war ! - Es würde mir selbst schwer fallen , dir ausführlich all diese heimtückischen Streiche zu erzählen , die meine Feinde mir spielten , um mich zu verderben , und noch mehr als das , es würde dich ermüden . Beschränken will ich mich darauf , nur einiges zu erwähnen , welches dir ein treues Bild meiner unglücklichen Lage geben wird . - Mein Herr war gewohnt , mir im Speisezimmer , während er selbst aß , die gewöhnlichen Portionen an Suppe , Gemüse und Fleisch in einem Winkel am Ofen zu verabreichen . Ich aß mit solchem Anstande , mit solcher Reinlichkeit , daß auch nicht das kleinste Fettfleckchen auf dem getäfelten Fußboden sichtbar . Wie groß war daher mein Entsetzen , als eines Mittags der Napf , kaum hatte ich mich ihm genähert , in hundert Stücke zersprang und die Fettbrühe sich ergoß über den schönen Fußboden . Zornig fuhr der Professor auf mich los mit argen Scheltworten , und unerachtet die Professorin mich zu entschuldigen suchte , las man doch den bittern Verdruß in ihrem blassen Gesicht . Sie meinte , dürfte auch der garstige Flecken nicht wohl fortzubringen sein , so könnte ja doch die Stelle abgehobelt oder eine neue Tafel eingesetzt werden . Der Professor hegte einen tiefen Abscheu gegen solch Reparaturen , er hörte schon die Tischlerjungen hobeln und hämmern , und so waren es die liebreichen Entschuldigungen der Professorin , die ihn mein vermeintliches Ungeschick erst recht fühlen ließen und mir noch außer jenen Scheltworten ein tüchtiges paar Ohrfeigen einbrachten . - Ich stand da im Bewußtsein meiner Unschuld , ganz verblüfft , und wußte gar nicht , was ich denken , was ich sagen sollte . - Erst als mir dasselbe zwei - dreimal geschehen , merkte ich die Tücke ! - Man hatte mir halb zerbrochene Schüsseln hingestellt , die bei der leisesten Berührung in hundert Stücke zerfallen mußten . Ich durfte nicht mehr im Zimmer bleiben , draußen erhielt ich Speise von der Köchin , aber so kärglich , daß ich , von nagendem Hunger getrieben , manches Stück Brot , manchen Knochen zu erschnappen suchen mußte . Darüber entstand denn nun jedesmal ein gewaltiger Lärm , und ich mußte mir eigennützigen Diebstahl da vorwerfen lassen , wo nur von der Befriedigung des dringendsten Naturbedürfnisses die Rede sein konnte . Es kam noch ärger ! - Mit großem Geschrei klagte die Köchin , daß ihr eine schöne Hammelkeule aus der Küche verschwunden , und daß ich sie ganz gewiß gestohlen . Die Sache kam als eine wichtigere häusliche Angelegenheit vor den Professor . Der meinte , daß er sonst nie den Hang zum Diebstahl an mir bemerkt , und daß auch mein Diebsorgan durchaus nicht ausgebildet sei . Auch wäre es nicht denkbar , daß ich eine ganze Hammelkeule so verspeiset , daß keine Spur mehr davon vorhanden . - Man suchte nach und - fand in meinem Lager die Überbleibsel der Keule ! - Murr ! sieh , mit der Pfote auf der Brust schwöre ich ' s dir , daß ich völlig unschuldig war , daß es mir nicht in den Sinn gekommen , den Braten zu stehlen , doch , was halfen die Beteuerungen meiner Unschuld , da der Beweis wider mich sprach ! - Um so ergrimmter war der Professor , als er meine Partie genommen und sich in seiner guten Meinung von mir getäuscht sah . - Ich erhielt eine tüchtige Tracht Prügel . - Ließ mich der Professor auch nachher den Widerwillen fühlen , den er gegen mich hegte , so war die Frau Professorin desto freundlicher , streichelte mir , was sie sonst nie getan , den Rücken und gab mir sogar dann und wann einen guten Bissen . Wie konnt ' ich ahnen , daß das alles nur gleißnerischer Trug , und doch sollte sich dies bald zeigen . - Die Türe des Eßzimmers stand offen , mit leerem Magen schaute ich sehnsüchtig hinein und gedachte schmerzvoll jener guten Zeit , als ich , wenn das süße Aroma des Bratens sich verbreitete , nicht vergebens den Professor bittend anschaute und dabei , wie man zu sagen pflegt , ein wenig schnüffelte ! Da rief die Professorin : Ponto , Ponto ! und hielt mir geschickt zwischen dem zarten Daumen und dem niedlichen Zeigefinger ein schönes Stück Braten hin . - Mag es sein , daß ich im Enthusiasmus des aufgeregten Appetits ein wenig heftiger zuschnappte als gerade nötig , doch gebissen habe ich nicht die zarte Lilienhand , das kannst du mir glauben , guter Murr . Und doch schrie die Professorin laut auf : Der böse Hund ! und fiel wie ohnmächtig zurück in den Sessel , und doch sah ' ich zu meinem Entsetzen wirklich ein paar Blutstropfen am Daumen . Der Professor geriet in Wut ; er schlug mich , trat mich mit Füßen , mißhandelte mich so unbarmherzig , daß ich mit dir , mein guter Kater , hier wohl nicht vor der Türe säße im lieben Sonnenschein , hätte ich mich nicht durch die schleunige Flucht zum Hause hinaus gerettet . An Rückkehr war nicht zu denken . Ich sah ein , daß gegen die schwarze Kabale , die die Professorin aus reiner Rachgier wegen des freiherrlichen Handschuhs gegen mich angezettelt , nichts auszurichten , und beschloß , mir gleich einen andern Herrn zu suchen . Sonst wäre das der schönen Gaben halber , die mir die gütige , mütterliche Natur verliehen , ein leichtes gewesen , Hunger und Gram hatten mich aber so heruntergebracht , daß ich bei meinem miserablen Aussehn in der Tat befürchten mußte , überall abgewiesen zu werden . Traurig , von drückenden Nahrungssorgen gequält , schlich ich vors Tor . Ich