- oder daß es ein so zartes überirdisches Glück gibt , was wie der Mondschein von jeder Wolke zu dunkel wird , indes rohes wie das Tageslicht die breiteste verträgt - oder daß Albano zu sehr den Männern glich , die immer in der Freude ihre Kräfte so stark fühlen , daß sie lieber den Göttertisch umstoßen als ein Gericht und Himmelsbrot weniger darauf sehen wollen , lieber ganz unglücklich sein als nicht ganz glücklich - : genug er konnte und wollte der Furcht und dem Verhüllen nichts mehr schuldig sein . Daher als Liane ihn statt zu beantworten nur umarmte und schwieg , weil sie den ganzen Tag ihrem Versprechen treu bleiben wollte , die Festtapeten schöner Tage mit keinem Trauertuche auszuschlagen : so sagte er , wie von einem fremden Geiste fortgestoßen , geradezu : » Du beantwortest nichts ? - Nur Freuden , nicht Leiden soll ich teilen ? - Du hast deinen Schleier nicht ? Mich willst du schonen wie einen Schwachen ? Und dich allein drückt dein Todes-Glaube fort ? - Liane , ich will auch Schmerzen haben und alle deine , sag alles ! « » Wahrlich , nur mein Versprechen wollt ' ich halten « ( sagte sie ) » und mehr nicht . Aber was soll ich denn zu dir sagen , Lieber ? « - » Du stirbst also gewiß nach einem Jahre , glaubst du , Abergläubige ? - Himmlische ! « sagte er . » Wofern es Gottes Wille so ist , gewiß ! « ( sagte sie ) » O mein guter Albano , was kann ich denn für meinen Glauben , der dich auch so schmerzt ? « Und hier konnte sie ihre Tränen nicht mehr hindern , und alle Kruzifixe der Erinnerung regten sich in der schönen Seele lebendig und bluteten heftig . » Gottes Wille ? « ( fragt ' er ) - » Ebensogut könnt ' er jetzt einen Winter wie einen Eisberg in diesen frohen Sommer stürzen - Gott ? « wiederholt ' er , sah auf , kniete hin und betete : » O , du alliebender Gott ... « » Und du stirbst mir nicht ! « kehrt ' er sich wie zornig gegen sie , zum Weiterbeten unfähig vor dem Geschrei seines Herzens und mit beiden Händen hastig über sein nasses Gesicht wegstreifend - Nun betete er sanfter-zitternd fort : » Nein , du Alliebender ! töte nicht dieses schöne , junge Leben ! Laß uns beisammen , lang und fromm ! « Sie kniete unwillkürlich neben ihn - heute matter von Freuden und unbekannten innern Siegen , sogar vom langen Gehen - desto heftiger angefallen von einer rührenden Wirklichkeit , da sie von rührenden Phantasien verwöhnt und erweicht war - und unsäglich leidend bei Albanos Schmerz - sie konnte nicht reden - wie unter einer schnell aufgeworfnen Last bückte sich ihr Haupt und Hals - und so blickte sie , wie vom ganzen Leben schwer umwölkt , auf den Boden hin - der umfangende Todesfluß rauschte mit einem Arm um sie - da sah sie , ohne aufzublicken , irgendwo ihre Karoline im Brautkleide und mit dem weißen , gold-punktierten Schleier ziehen , der sich lang über das Leben wegschleppte , und sie sah es deutlich , wie die Gestalt , da Albano um ihr Leben bat , langsam hin- und herschüttelte . » Hör auf zu betenl « ( rief sie trostlos ) » Du harte Erscheinung , erhöre aber mich und mache nur Ihn glücklich ! « betete sie , aber sie sah nichts mehr ; und sie verbarg das von Qualen durchzogne Gesicht mit unaussprechlicher Liebe an seiner Brust . Hier rief ihr Bruder herauf , der Wagen sei da . Sie warf ein schnelles , dünnes Ja hinab . » Trennen wir uns ? « fragte Albano ; der Feuerregen der Entzückung war nun als ein finsterer Aschenregen in seine offne Seele zurückgefallen - und darum fuhr er ohne alle Schranken seines Schmerzes fort : » So haben wir uns zum letztenmal gesehen ? « und unter dem geschlossenen Augenlide weinte sein gutes Auge . » Nein , bei dem Allgütigen , nein ! « sagte sie und stand auf , um zu gehen . » Bleibe ! « sagt ' er , und sie blieb und umarmte ihn wieder . » Aber begleite mich nicht ! « bat sie . » Nicht ! « sagt ' er und hielt die Wegziehende lang ' an den Fingerspitzen ; es schmerzte ihn so sehr , da er die auf diese stille Gestalt getriebnen Leiden ansah , daß diese weißen Schwingen der Unschuld sich an seinen Klippen und Berghörnern voll Blut geschlagen . Er zog sie wieder an sich , eh ' er sie und sein Heil entließ . Er sah ihr nach , wie sie langsam an dem sonnigen Berg , unter den Zweigen sich trocknend , hinunterschlich und gesenkt lauter heitere , blühende Wege des Vormittags ging . Er schauete aber nicht nach , da ihr Wagen über den fröhlichen Wald wegrollte ; er stand am Morgenfenster und sah seine Kindheits-Berge zittern , weil er seine Augen zu trocknen vergaß . Sechzehnte Jobelperiode Die Leiden einer Tochter 73. Zykel Wolken wie die letzten bestanden für Albano weniger aus niederfallenden Tropfen als aus niedersinkendem Staub . Sein Leben war noch ein Treibhaus und stand daher nach der Sonnenseite . Jeder Tag brachte eine neue Schutzschrift für die ferne schöne Seele , bis sie am Ende gar keine mehr brauchte . Aber jedem Tage gab er auch einen Ablaßbrief ihres Schweigens mit ; später wurden Anstandsbriefe ( Moratorien ) daraus ; endlich als sie immer gar nichts von sich hören und lesen ließ : so fing er an , in den obigen Schutzschriften wieder nachzusehen und manches darin auszustreichen . Ebensowenig fand er für sich oder für ein Blatt eine Treppe zu ihr . Sogar der Hauptmann war seit einigen Tagen nach Haarhaar verreiset . Mit müden