ihr vor seinen Augen mit einer so ausgezeichneten Vertraulichkeit , daß er sich schmeicheln konnte , ich würde alles , was er für meinen neuen Günstling thäte , so aufnehmen als ob er bloß mir seine Aufmerksamkeit dadurch beweisen wolle . Arasambes biß getrost an die Angel . Seine Leidenschaft wuchs nun mit jedem Tage schneller , und man murmelte schon im ganzen Palast davon , bevor er selbst vielleicht wußte , wie weit sie ihn führen könnte . Aber wer bei allem diesem mit gänzlicher Blindheit geschlagen zu seyn schien , war deine Freundin Lais . Sie allein merkte nichts davon , daß sie sich thörichter Weise mit schwerem Gelde eine gefährliche Nebenbuhlerin erkauft habe ; ahnete so wenig davon , daß sie ihren Fall noch sogar beschleunigte , indem sie dem zärtlichen Perser , nach einem paar schwerfälligen Stunden , die er mit ihr zuzubringen genöthiget war , den Vorschlag that , den ihr der weise Aristipp unter den Fuß gegeben hatte . Arasambes machte , wie billig , einige Schwierigkeiten , mußte sich aber , da er keinen Begriff davon hatte , wie man ihr etwas abschlagen könnte , endlich doch ergeben ; zumal wie er hörte , daß sie ihre geliebte Perisäne zum Unterpfand ihrer Wiederkunft zurücklassen wolle , wofern sie sich versprechen dürfe , daß er das gute Kind in seinen Schutz nehmen werde ; eine Bedingung , die er ihr in den gefälligsten Ausdrücken von der Welt zugestand . Nicht wahr , Aristipp , das nennt man doch eine Sache mit guter Art machen ? So zart und schonend pflegen Liebende bei euch Griechen einander nicht zu behandeln ! Meine Abreise von Sardes nach Milet wird nicht länger aufgeschoben werden als die nöthigen Zurüstungen erfordern . Arasambes hat mir zu diesem Ende zehntausend Dariken , theils in Golde , theils in Anweisungen auf bekannte Häuser in Milet zustellen lassen - ein Reisegeld , das vielleicht den Argwohn bei dir erregen wird , als ob er nicht sehr auf meine Zurückkunft rechne . Bevor ich schließe , muß ich dir doch noch ein Bekenntniß thun , wiewohl ich vielleicht dadurch Gefahr laufe , etwas von deiner guten Meinung zu verlieren . Aber ich will nicht , daß du mich für etwas anderes haltest als ich bin . So höre denn an und denke davon was du kannst . Ob ich gleich die Schlinge , worin der gute Arasambes sich verfing , selbst gestrickt und gelegt hatte , so konnte sich doch mein Stolz mit dem Gedanken nicht vertragen , daß es ihm so leicht werden sollte sich von mir zu trennen . Ich beschloß also mich selbst dem Vergnügen einer kleinen Rache aufzuopfern , und den letzten Tag vor meiner Abreise zum glücklichsten unter allen zu machen , die er mit mir gelebt hatte . Es ist unnöthig dir mehr davon zu sagen , als daß Arasambes vor diesem Tage keinen Begriff davon gehabt hatte , wie liebenswürdig deine Freundin seyn könne , wenn sie Aphroditen ihren Gürtel abgeborgt hat . Was er in diesen letzten vierundzwanzig Stunden davon erfuhr , war es eben gewesen , wornach der arme Tantalus schon so lange gehungert und gedürstet hatte . Die kleine Perisäne schwand dahin , wie eine Nebelgestalt in der Sonne zerfließt . Lais war ihm Cythere selbst , die ihren Adonis in den Hainen von Amathus beseligt . - So viel Bosheit hätte ich dir nicht zugetraut , sagst du - Wie , Aristipp ? Siehst du nicht , wie interessant die Abschiedsscene dadurch werden mußte , und was für Erinnerungen ich ihm für sein ganzes Leben zurückließ ? - Arasambes konnte das freilich nicht sogleich zurecht legen , und stellte sich ein wenig ungebärdig . Der arme Mensch ! was sagte und that er nicht , um mich zum Bleiben zu bewegen ! Aber er hatte nun einmal sein Wort gegeben , ich war reisefertig , meine Freunde in Griechenland erwarteten mich - Kurz , ich siegle diesen Brief - den du durch einen in Angelegenheiten des Königs nach Rhodus abgehenden Eilboten erhalten wirst - und reise in einer Stunde ab . 13. Aristipp an Kleonidas . Ich fürchte , lieber Kleonidas , wir andern Weisheitsliebhaber sind , mit aller unsrer Freiheit von popularen Vorurtheilen und Hirngespenstern , doch nur eine Art großthuiger Poltrons , die , sobald sie dem Feinde unter die Augen sehen sollen , so gut zittern als andere , welche ihre wenige Herzhaftigkeit ehrlich eingestehen . Ich habe seit kurzem eine sonderbare Erfahrung hiervon gemacht . Du weißt , daß ich die Erzählungen von Gespenstern , die sich zu gesetzten Stunden an gewissen Orten sehen lassen , und von Verstorbenen , die , gleichsam in den Schatten ihrer ehmaligen Gestalt eingehüllt , sich entweder von freien Stücken zeigen , oder durch magische Mittel zu erscheinen genöthiget werden , immer für das , was sie sind , gehalten , und die Furcht vor allen diesen Ausgeburten eigner oder fremder Einbildung für eine der lächerlichsten Schwachheiten erklärt habe . Gleichwohl hab ' ich mich selbst unvermutheter Weise über dieser ziemlich allgemeinen menschlichen Schwachheit ertappt , und finde mich jetzt durch eigene Erfahrung sehr geneigt duldsamer gegen andere zu seyn , da ich mich immer mehr überzeuge , daß kein Mensch so viel vor allen andern voraus hat , daß er sich vor irgend etwas , wozu Wahn und Leidenschaft einen Menschen bringen können , völlig sicher halten darf . Höre also , was mir in der vorgestrigen Nacht begegnet ist . Das Haus , das ich hier bewohne , liegt zwischen dem Hafen und der Stadt , mitten in einem ziemlich großen Garten , der auf der Ostseite die Aussicht ins Meer hat , und gegen Mittag in einen kleinen den Nymphen geheiligten Hain von Buschholz ausläuft , den ein langer Gang von hohen Cypressen in zwei gleiche Theile schneidet . Die Rhodier sind überhaupt an eine Lebensordnung gewöhnt , von welcher sie selten abweichen . Eine Stunde nach Sonnenuntergang ist in