fort und fort von der Wand hernieder auf den Mann , dem allmählich leichte Schweißperlen auf die wachsbleiche Stirn traten , während die Zähne wie im Fieber hörbar zusammenschlugen und die Hand , die sonst einem eisernen Willen auch in eisern starren , festen Linien gehorchte , krause , unsichere Hieroglyphen auf das Papier warf . Schon nach wenigen Zeilen schleuderte er die Feder weit von sich , nahm den Kopf zwischen die Hände und rannte abermals in unbeschreiblicher Aufregung hin und her ... War es doch , als scheue er sich vor dem zierlichen Tisch dort vor dem Fenster , der einen kleinen Mahagonikasten auf seiner runden Platte trug . Das Tischchen stand immer auf derselben Stelle , seit Baron Fleury das weiße Schloß sein eigen nannte und nach seinem Geschmack eingerichtet hatte , und der Mahagonikasten war der unzertrennliche Reisebegleiter Seiner Exzellenz und befand sich auch im Bureau des Ministerhotels zu A. stets in seiner Nähe . Während aber jetzt sein Fuß dem unscheinbaren Möbel sichtbar auswich , glitten die scheuen Augen immer wieder hinüber , als zucke aus dem kleinen Kasten ein magnetisch bezaubernder Schlangenblick ... Und mit jeder vorüberrollenden Viertelstunde , welche die Uhr mit seinem silbernen Klange unerbittlich pünktlich anzeigte , verdoppelten sich die Schritte des Auf- und Abwandernden , bis er plötzlich , wie mittels eines gewaltsamen Ruckes , halb atemlos vor dem Tischchen stehen blieb und mit hastigen , unsicher tappenden Händen den Kasten aufschloß ... Er sah nicht hinein in das kleine , elegant ausgestattete Viereck – seine Augen irrten über den türkischen Fenstervorhang , wie wenn sie die orangegelben Arabesken zählen müßten , während seine Rechte einen Gegenstand ergriff und in die Brusttasche gleiten ließ . Diese einzige Bewegung gab plötzlich der haltlos zusammengebrochenen Erscheinung des Mannes einen Anschein von Entschlossenheit zurück ... Er schritt nach der Tür . Auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um – durch die klaffende Tür und das schräg gegenüberliegende geöffnete Fenster fuhr der Nachtwind und jagte die Flamme aus der auf dem Schreibtisch stehenden Kugellampe – sie züngelte nahe am Vorhang hin . Der Minister stieß ein leises , hämisches Lachen aus ; er verfolgte einen Augenblick die Flammenzunge , wie sie sich reckte und streckte und , um wenige Linien zu kurz , vergeblich an dem Stoff zu lecken versuchte – unwillkürlich streckte er die Hand aus , als müsse er ihr zu Hilfe kommen – bah , wozu ? Das Schloß war zu einer enorm hohen Summe versichert , und die drunten tanzten , waren längst entflohen , bis die Flammen an den Deckenbalken fraßen und die Kronleuchter hinunterschleuderten ! ... Er schloß die Tür leise und glitt auf den Zehen durch mehrere anstoßende Zimmer . Vor dem Gemach seiner Gemahlin blieb er stehen und drückte das Ohr an die Türspalte – leise Klagelaute drangen heraus ... Jetzt kam die namenlose Verzweiflung , die er bisher noch niedergedrückt und verbissen hatte , zum Ausbruch und packte und schüttelte den lauschenden Mann . – Die Frau , die da drin so schmerzlich weinte , war sein Abgott , das einzige Wesen , das er je geliebt , und das ihn , den alternden Mann , noch jetzt mit ungeminderter , glühender Leidenschaft erfüllte . Bis zur Unkenntlichkeit entstellt in seiner Erscheinung , drückte er geräuschlos die Tür auf und blieb auf der Schwelle stehen . Da lag die schöne Titania auf ein Ruhebett hingestreckt . Sie hatte das Gesicht tief in die Kissen eingewühlt , über Busen und Rücken wogte das entfesselte , nachtschwarze Haar , und die weißen , bis an die Schultern entblößtem Arme hingen wie leblos über die atlasgepolsterte Lehne des Ruhebettes hinab – nur die kleinen Füße hatten offenbar nichts von ihrer Energie eingebüßt ; sie standen auf dem zu Boden geschleuderten brillantenen Fuchsienkranz und schienen ihn in Atome zertreten zu wollen . » Jutta ! « rief der Minister . Bei diesen markerschütternden Lauten fuhr sie empor , wie von der Tarantel gestochen . Mit einer wilden Gebärde schüttelte sie das niederflutende Haar aus dem Gesicht und stand plötzlich auf ihren Füßen – das Bild einer entfesselten Furie . » Was willst du bei mir ? « schrie sie auf . » Ich kenne dich nicht ! Ich habe nichts mit dir zu schaffen ! « Sie deutete nach der Richtung des Salons , wo sie den Fürsten wußte , und stieß ein grauenhaftes Gelächter aus . » Ja , ja , die Wände haben Ohren gehabt , mein Herr Diplomat , und ich genieße das Vorrecht , das große Staatsgeheimnis um einige Stunden früher zu wissen , als das staunende Publikum ! ... Die Hölle kann ihre Qualen nicht raffinierter ersinnen , als ich sie dort drüben , hinter der Tür durchlitten habe ! « Ihre Mundwinkel bogen sich in vernichtendem Hohne niederwärts . » Exzellenz , es war mir sehr überraschend zu hören , daß Sie das Fürstenhaus so reizend getäuscht haben ! ... Und da liegt die Herrlichkeit « – sie stieß mit dem Fuße verächtlich nach dem Fuchsienkranz – , » mit der Sie › Ihren Abgott ‹ zu schmücken beliebten ! ... Wie sie wohl alle jubeln und triumphieren werden , die boshaften Neider , bei der unschätzbaren Entdeckung , daß sich die Diamantenfee in lächerlicher Unwissenheit mit Rheinkieseln und böhmischem Glas bestreut hat ! « Die kleinen Hände der halb wahnwitzigen Frau wühlten in den Haarmassen , die von den Schläfen niedersanken . Der Minister ging schwankenden Schrittes auf sie zu – sie floh und stieß mit den Händen nach ihm . » Du wirst dich nicht unterstehen , mich zu berühren ! « drohte sie . » Du hast keine Rechte mehr an mich ! ... Oh , wer mir die verlorenen elf Jahre zurückgäbe ! ... Ich habe meine Jugend , meine Schönheit an einen Dieb , an einen Fälscher , an einen Bettler verschleudert ! « – » Jutta ! « In diesem Augenblick fand der Mann seine