« kommt es allezeit an . Ob dasselbe , mal auf mal , bei ihm selber oder bei seiner Gemahlin , der Gräfin Brahe , oder aber bei dem schon rühmlich erwähnten Amtsverwalter Liborius Eck lag , den er , als einen höchst fähigen Administrator aus der Königsmarckschen Zeit her , mit übernommen hatte , gilt gleich ; die oberste Herrschaft gibt den Namen und die Hessen-Homburgische Zeit ist und bleibt die große Epoche von Neustadt . Bei Übernahme des Gutes bestand es aus sieben Bauernhöfen , einer Schmiede und einer Mühle , war also kleiner als das kleinste Dorf . Die Bewohner zahlten keine Abgaben , hatten aber Dienste auf dem Amte zu leisten . Das war das Neustadt von 1662 . Zwei Jahre später ( 1664 ) bestand es bereits aus siebenundvierzig Bürgerhäusern und einer Vorstadt , in welcher letzteren sich weitere fünfundzwanzig Familien niedergelassen hatten ; dem Orte selbst aber war auf Antrag des rastlosen und bei Hofe einflußreichen Prinzen Stadtgerechtigkeit und das Recht , zwei Jahrmärkte abhalten zu dürfen , zugestanden worden . Das gleich zeitig empfangene Wappen setzte sich links aus einem Elentier , rechts aus einem springenden Löwen zusammen , wovon sich der Löwe mutmaßlich auf den Prinzen , das Elentier auf die Stadt bezog . Aber bei dem bloßen Bauen und Stellenbesetzen ließ es der Prinz nicht bewenden , vielmehr ging durch seine ganze Tätigkeit ein organisatorischer Zug , dem es nicht genug war , überhaupt etwas zu tun , sondern vor allem das praktisch Richtige zu tun . Das nächste war eine Regulierung der Dosse , die damals , wie noch jetzt die Spree im Spreewald , in zahllosen Armen durch die Dosseniederung floß . Der herrliche Wiesenstand , der auf diese Weise gewonnen wurde , leitete zu sorgsamer und eifriger Pferdezucht und dadurch zu den Anfängen der späteren Gestüte hinüber . Der Raseneisenstein , der sich vorfand , ließ eine Eisenhütte , der reiche Holzbestand eine Glashütte entstehen , an der Dosse selbst hin aber erwuchsen einerseits Schleifereien für das gewonnene Glas , andererseits Papier-und Schneidemühlen . Wer Kolonisierung studieren will , muß die Geschichte von Mark Brandenburg studieren . Aber wenn die ganze Provinz nach dieser Seite hin ein sehr lehrreiches Beispiel bietet , so bietet vielleicht unser Neustadt von 1662 – 1666 ein Muster unter den Musterstücken . Das Jahr 1666 schien freilich ausersehen , alles wieder in Frage zu stellen . Die siebenundvierzig Bürgerhäuser brannten nieder , mit ihnen das Amt , das mutmaßlich dem Prinzen als Wohnung gedient hatte . Zugleich auch die reformierte Kapelle . Eine Stadtkirche gab es noch nicht . Erhalten blieben ( vorläufig ) nur die vorstädtischen Fabrikbezirke , soweit von » Vorstadt « und » Fabrikbezirken « damals die Rede sein konnte . Prinz Friedrich indes , tapfrer Soldat der er war , ließ sich diesen Unheilstag nicht allzuschwer anfechten , und die niedergebrannte Stadt wurde schöner und größer wieder aufgebaut . Von einem Rathausbau sah er vorläufig ab und nur der Errichtung eines Gotteshauses schenkte er seine volle Aufmerksamkeit . Schon 1673 konnte der Grundstein zur Kirche gelegt , 1686 dieselbe geweiht werden . Lange vorher jedoch hatten sich Ereignisse zugetragen , zu denen – wenn auch nicht die Stadt Neustadt als solche – so doch ihr Besitzer , der Prinz , in die nächsten Beziehungen getreten war . Diesen Ereignissen wenden wir uns jetzt zu . Der Dienst , selbstverständlich , hielt den Prinzen monatelang von seinem geliebten und mit Vorliebe gepflegten Neustadt fern . War dies schon in ruhigen Zeiten der Fall , so vollends in Kriegszeiten , wie sie seit 1674 wieder angebrochen waren . Der Prinz befand sich ( 1675 ) mit seinem kurfürstlichen Herrn im Elsaß , danach in Franken , allwo den 18. Mai , im Lager vor Schweinfurt , die Nachricht vom Einfall der Schweden in die Mark Brandenburg eintraf . Der Kurfürst brach sofort auf , mit ihm der Prinz . Am 11. Juni war er in Magdeburg , am 14. vor Rathenow , und nahm von hier aus , nach Erstürmung eben dieser Stadt durch Derfflinger , an jener berühmt gewordenen Verfolgung teil , die der schwedischen Armee schon am 16. und 17. in verschiedenen Avantgarden-Gefechten erhebliche Verluste beibrachte . Am 17. waren die verfolgenden Brandenburger bis Nauen gekommen . Von hier aus schrieb unser Prinz , dem für den nächsten Tag eine so bedeutende Rolle vorbehalten war , an seine Gemahlin folgenden Brief : » Meine Engelsdicke 70 , wir seint braff auf der jacht mit den Herren Schweden , sie seint hier beim passe Nauen diesen morgen übergegangen , musten aber bei 200 Todten zurückelassen von der arrier guarde ; jenseits haben wir bei Fer-Berlin alle brücken abgebrannt und alle übriche paesse so besetzet , das sie nun nicht aus dem Lande wieder können . Sobald unsere infanterie kombt , soll , ob Gott wolle , die ganze armada dran . Der schwedische Feldherr 71 war mit 3000 Mann in Havelberg , wollte die Brücke über die Elbe machen lassen , aber nun ist er von der armada abgeschnitten und gehet über Hals und Kopf über Ruppin nach pommern . Sein Bruder commandirt diese 12000 mann hier vor uns . Wo keine sonderbare straff Gottes über uns kombt , soll keiner davon kommen , wir haben dem Feind schon über 600 todtgemacht und über 600 Gefangene . Heute hat Hennig wohl 150 pferth geschlagen , und gehet alleweil Lüttique mit 1500 Mann dem Feindt in ricken . Morgen frihe werden sie ihnen den 1. morgensegen singen . Wir haben noch kein 60 Mann verlohren , und unsere leite fechten als lewen . – In zwei Tagen haben wir unsere infanterie und morgen den Fürsten von Anhalt mit 4000 Mann , die Kayserlichen werden alle Tage erwartet mit 8000 Mann . Dann gehen wir gerath in pommern , und wenn die battaglie vorbey , gehe ich nach Schwalbach , habe schont Urlaub . – Adieu , mein Engel , dein trewer