» Loys ! Denk an den heutigen Tag ! Du Starker ! Heut hab ich dir deinen Besten auf Mus zerrieben . Gott hat ' s wollen . « Einer von den schwergepanzerten Leibtrabanten trat in das Zelt . » Das weiße Fähnl ? « » Ja , gnädigster Herr ! Auf dem Hochtörring haben sie ' s ausgesteckt . « » Der Dachs will frische Luft haben ? « Ein Lachen . Und während sein Körper im Fieber schauerte , nahm Herr Heinrich den schwarz umstruwwelten Kopf zwischen die glühenden Hände . Nach kurzem Nachdenken rief er ruhig : » Oswald ! « Ein schmucker , dreißigjähriger Mann , der hinter dem Bett gestanden , trat schnell herbei : » Oswald Aheimer , des Herzogs Marschalk . « » Geh hinauf zu diesem wilden Jäger ! Ich möchte wetten , er denkt zuerst an seine berühmten Hunde und dann erst an Weib und Gesind . Ist binnen einer halben Stunde die Übergab vollzogen , so will ich ihm das gewähren - « Der Herzog schwieg eine Weile . » Seine Leute haben sich rechtschaffen gehalten , sie sollen freien Abzug auf Urfehd haben . Seiner edlen Hausfrau schwör ich Leben und Ehre zu . Dem Kaspar Törring geb ich ritterliche Freiheit nach demütiger Kopfbeugung vor meinem Bett . « Herrn Heinrichs Stimme wurde langsam : » Und wir wollen ihm gestatten , daß er - seine berühmten Hunde mitnimmt . Alle ! « Er lächelte . » Wiederhole mir das ! « Der Marschalk hatte gut aufgepaßt . Er konnte den Willen seines Herrn wörtlich nachsagen . Der Herzog nickte heiter . » Die Burg wird geplündert . Das hab ich meinen braven Blutzapfen versprochen . Viel werden sie nimmer finden in dem Mus da droben . Jetzt geh ! Wenn ' s dem Käsperlein taugt , dann soll er kommen . Mißfällt ' s ihm , so wird weitergeschwefelt . « Als der Marschalk das Zelt verlassen hatte , kam der Leibarzt mit vier Dienern , reichte dem Herzog unter Ruhemahnungen einen Kühltrank , entblößte ihm den Oberkörper bis zum Gürtel und wusch diese zarte Knabenbrust und den schmalen Rücken mit Essig , dessen Sauerduft durch feine Wohlgerüche gemildert war . Herr Heinrich , sobald er wieder in seinem grauen Kittel stak , legte sich still und geduldig auf die Kissen hin . Immer lächelte er . Und wartete . Man öffnete die Zelttücher , um die letzte Sonne hereinzulassen . Wie goldroter Sammet lag ihr Glanz auf dem zertretenen Rasen des Zeltbodens . Und der Lärm des Lagers da draußen glich dem Rauschen einer großen Mühle . Nun ein lustiges Geschrei von vielen Stimmen . Der Herzog setzte sich auf . Eine dürstende Spannung war in seinem Gesicht . Mit erloschener Stimme befahl er seinem Diener : » Schau , was los ist ! « Dann griff er nach seinem schwarzen Mantel und wollte sich erheben . Der Leibarzt beschwor ihn , seiner Gesundheit zu denken und sich ruhig zu halten . Herr Heinrich nickte und blieb in den Kissen sitzen , den Mantel über dem Schoß . Da kehrte der Diener in das Zelt zurück . » Kommt er ? « » Ja , gnädigster Herr ! Und zehn von den Unseren führen die vielen Hund gekoppelt über den Burgberg herunter . « Man hörte schon das näher kommende Gekläff wie eine fröhliche Jagd . Heiter stieß der Herzog die kleinen Fäuste vor sich hin . » Gott hat ' s wollen ! « Er wurde ernst . » Zehn schwere Parzer mit blankem Eisen zu meinem Bett ! Der Kaspar Törring ist einer von den Starken , die gern gewalttätig werden . « Nun lachte er wieder und streckte dem Leibarzt die Hand hin . » Fühl den Puls ! Ich spür , daß mein Fieber minder wird . « Der Doktor machte ein freudig staunendes Gesicht . » Wahrhaftig , gnädigster Herr , die Krise scheint überstanden zu sein . « » Scheint mir auch so ! « Herr Heinrich schüttelte das Haar und streckte sich . » Ob ' s nicht ein Wechselfieber ist ? Mich verläßt es heut . Einen anderen wird es packen . Gott soll ' s wollen ! « Die zehn Harnischer traten an , postierten sich zu Füßen und Häupten des Bettes , zogen vom Leder und stellten die blanken Schwerter vor sich hin . Hinter den Gepanzerten war einer mit der Hauptmannsbinde gekommen . Der flüsterte dem Herzog ein paar Worte zu . » Oh ? Guck ! Die Salzburger ! « Herr Heinrich hatte vergnügte Augen . » Daß die Freunde des Loys doch immer zu spät kommen ! Du sagst , sie stehen beim Waginger See ? Da brauchen sie noch zwei Stunden . « Wieder nahm er den Kopf zwischen die Hände . » Eine halbe Stunde für die Plünderung . Sag meinen braven Blutzapfen , sie sollen sich eilen . Dann laß Alarm blasen . Das Fußvolk mit Troß und Geschütz voraus im Flinkmarsch . Mich soll man in einem Stangensessel tragen . Mein Roß bleibt neben mir . Der Seipelstorfer mit der ganzen Reiterei deckt mir den Rücken . Weiter ! « Der mit der Hauptmannsbinde sprang davon , während man das Kläffen und Winseln der vielen Jagdhunde schon nahe vor dem Zelt vernahm . Lachend faßte der Herzog einen Diener an der Kittelfalte , zog ihn zu sich her und tuschelte ihm ein paar flinke Worte ins Ohr . Erschrocken sah der Diener seinen Herrn an , wagte aber keinen Widerspruch und ging mit verstörtem Gesicht davon . Unter dem Lärm , den die vielen Hunde aufschlugen , hörte man weit und verschwommen vom Burgberg her das Toben und lustige Schreien der Sackmacher und das angstvolle Kreischen weiblicher Stimmen . Mit vorgebeugtem Kopfe lauschend , regungslos , die Fäuste in den schwarzen Mantel geklammert , saß Herr Heinrich auf dem Feldbett . Der Marschalk Oswald Aheimer , von draußen erscheinend ,