. Und falsche Schätze sah er strahlen , War allen Leibeslüsten hold , Vernahm mit Gier der Großen Prahlen Und griff nach Purpur , Lorbeer , Gold . Er rang und raufte drum , im wirren Fiebertraum , Doch seine Hand griff Schaum . Wach auf , Genarrter ! Herold Morgen Macht alle Nachtgespenster fliehn . Von Bergeseinsamkeit geborgen , Im heilgen Lichtstrom darfst du knien . Gib hin die dumpfe Stirn ! Der rote Sonnenmund Küßt dich von Schuld gesund . In Weiheschauern wird nach oben Zur spät gefundnen Sonnenbraut Der Freier auf den Thron gehoben Und Herz dem Herzen angetraut . O tiefes Auge , gib mir Ewigkeit zu trinken ! Laß mich in dir versinken ! Wie ich so lag , war mir , als wolle mich mein Schöpfer umbilden , und der ewige Friede weihete mich zu seinem Kinde . Hernach stund ich auf und tat den Gang in die Höhlentiefe . Der Schatzkammer galt er . Eine Last Kostbarkeit nach der andern holte ich und trug sie dorthin , wo der Höhlenbach ins Loch strudelt . Gold und Silber , Geschmeide und Edelstein warf ich hinein . Und wie die Felsengurgel ihren letzten Schluck getan und den Mammon in der Erde Eingeweide hinuntergeschlungen hatte , fühlte ich mich frei und verstund an mir des Heilands Wort zu Nicodemo : » Wahrlich , ich sage dir : Es sei denn , daß jemand von neuem geboren werde , kann er das Reich Gottes nicht sehen . Was vom Fleisch geboren wird , das ist Fleisch , und was vom Geist geboren wird , das ist Geist . Laß dich ' s nicht wundern , daß ich dir gesagt habe : Ihr müsset von neuem geboren werden . Der Wind bläset , wo er will , und du hörest sein Sausen wohl , aber du weißt nicht , von wannen er kommt und wohin er führt . Also ist ein jeglicher , der aus dem Geist geboren ist . « Ich ahnte , daß ich von neuem geboren , aus dem Geiste geboren werden solle für das wahrhaftige neue Reich , so da ist ein Reich des Lichtes , der Unschuld und Liebe in Ewigkeit . Das eilfte Abenteuer » Wessen wird sie im Himmelreiche sein ? « Als ein rechter Liebhaber eremitischen Lebens hausete ich auf der verödeten Abendburg , und es trieben die Tannen einen Sommerwuchs nach dem andern . Herbststurm und Schneewoge , Lenzhauch und Sonnenglut bezogen stets aufs neue in alter Reihe den Posten . Von meiner ragenden Warte sah ich die Morgendünste unter mir brodeln und dann den Tag sein glutig Auge auftun , - beobachtete , wie Wolken gleich Marmorburgen im Blauen schwebeten , und wie der Abend rote Rosen um sie spann - träumte und lauschte empor , wann in der nachtenden Halle vieltausend Himmelsbürger feierlich stunden und ganz lautlos , nur mit sanftem Lodern und buntem Funkeln zueinander redeten . Schauend und sinnend gewann ich Andacht und Erkenntnis und ward immer deutlicher inne , worin das wahre Gold der Abendburg bestehe . Vom schnöden Golde gänzlich abgewandt , lebte ich ärmlich und mühselig . Neben dem Oheim , so von seiner Kopfwunde einen schwachen und irren Geist davongetragen , hatte ich nur den Hund zur Gesellschaft , Ziegen und Zicklein ; auch ein paar Bienenschwärme , in hohlen Stämmen angesiedelt . Des Oheims Acker im Tale trug unser Brot , der Wald gab Beeren her und Pilze , Holz , Wildfleisch und Felle . Wiederhergestellt war unser traulich Balkengehäus . Nach Tages Arbeit las ich in Büchern , grub in den Tiefen des Geistes und war fleißig im Niederschreiben meiner Lieder , Abenteuer und Gedanken . Vor dem Schlafen sang ich zur Harfe , der Oheim lauschte , dazu erfreute sich das Herz an Beerenwein oder Meth . Nach Menschenumgang stund nicht unser Sinn . Seitdem ich die Schreiberhauer enttäuscht hatte , blieben sie abseits . Ich sei ein Schwarzkünstler , rauneten sie , der in seiner Grotte Dämonen dienstbar halte . Dem dörfischen Gottesdienste , den ein vom Kynast verordneter Pfaffe abhielt , blieb ich fern , und nur wenn Glockengeläut , Festschalmei oder Begräbnischoral vom Tal erscholl , ward ich daran erinnert , daß man drunten schaffte und feierte , daß es Lachen und Weinen , Hochzeiten , Kindtaufen und Bestattungen gab . Hinweg über Menschengetriebe schaute ich gern in die Ferne und verlor mich in ihrem zarten Dufte . Dabei deuchte mich , dort müsse sich ein Ersehntes erfüllen . Was dies eigentlich war , wußt ich nicht zu fassen . Versunken in den lockenden Himmel über mir , vernahm ich manchmal , wie er gütig mahnete : » Bleibe bei dir , Kind ! In dir selber suche , was ich verheiße ! Deinem Herzen bin ich ja nur ein Spiegel . So lerne dich selbst erkennen in mir . Verschmilz das Ferne mit dem Allernächsten , vergiß die trügende Scheidung zwischen dem Deinen und dem Andern ! Besiegelst alsodann für dich den Friedenspakt der Kreatur mit Gotte - mag auch die verblendete Welt ihres Streitens kein Ende finden . « Droben kreist ein Königsaar . Auf zu ihm ins Blau der Lüfte Über Tann und Höhlengrüfte ! Himmlische Ferne Lockt und lächelt wolkenlos klar . Bist du droben , Heimatland ? Sturm und Woge rauscht hienieden , Und ein Pilgram seufzt um Frieden , Weil er die Heimat Immer nur ahnt - und nirgends fand ! Nur im Traume wird sie sein . Bette , Fels , dies müde Haupt , Das enttäuscht noch immer glaubt ! Kehre nun , Seele , In die Gefilde tief innen ein ! Werde Hauch und Melodie , Leiser Mondgesang auf Auen , Sommernächtig Niedertauen ! Bräutliche Blumen Wecken im Kuß dir fromme Magie . Dring ins Herz der Kreatur , Hör aus jeder Tiefe tönen Heimweh nach dem Allversöhnen ! Heim denn , versöhnt euch ! Gläubig verfolget des Lichtstroms Spur ! Schaut das Gnadenreich enthüllt -