positiven Pol berührt hat . Diese epigrammatische Behandlung ist ebenfalls sehr künstlerisch , schon Goethe sagt im Faust : Wir sind gewohnt , Daß die Menschen verhöhnen , Was sie nicht verstehen . - Der Mediziner ist der Faust der Materie . Er verschreibt sich dem Teufel , um das Wesen der Natur zu ergründen . Der Teufel besteht nämlich in den verborgenen Kräften derselben . Uff , setz dich hierher , altes Brüderchen , laß mich ausreden , es gibt sonst ein Unglück , ich fühle alle meine Studien und Betrachtungen auf der Zunge . Wenn ich dir den jetzigen Zustand unserer Medizin schildern sollte , - denn das müßte ich , um dir unsere Behandlung der Cholera darzutun - so wäre eine Darstellung der ganzen Kulturgeschichte notwendig . Erschrick nicht , ich begnüge mich mit einigen Strichen , die letzten Jahrhunderte zu bezeichnen . Die Medizin ist immer abhängig von dem Zustande der laufenden Bildung , so wie es denn nach deinen eigenen Worten keine vereinzelte Erkenntnis gibt . Alles hängt an dünnen , oft kaum sichtbaren Fäden zusammen . Die Philosophie lernt von der Naturkunde , die Naturkunde von der Philosophie , und die Medizin ist ein Dekokt aus beiden . Die Geschichte der Medizin läßt sich am tiefsten aus einer Geschichte der Philosophie studieren , - aber die Cholera ist gekommen , alle entdeckten Gesetze sind an ihr gescheitert , Hegel persönlich ist von ihr weggerafft worden , die Wissenschaft steht wieder vor ihr wie vor einem dunkeln Vorhange . Diese Cholera ist eine vollkommen neue Manifestation der Welt , es muß erst wieder eine neue Poesie kommen , um sich ihrer zu bemächtigen , damit einer neuen Wissenschaft die Augen geöffnet werden . Die Sprache dieser Pest ist unserer Gelehrsamkeit unverständlich , sie paßt in keines unserer Wörterbücher , das Glück und das Genie schnappt hier und da ein Wort auf und rettet einen Menschen , aber an Gesetze dieses neuen Idioms ist nicht zu denken , wir warten wie die Juden auf den Cholera-Messias . « » Du bist ein systematischer Narr , « erwiderte Valerius auf die lange Provokation , » aber der Schluß ist mir zu ernsthaft , um über deinen Gallimathias zu lachen , ich muß einen andern Arzt für Ludmillen suchen . « » Ich schwöre dir ' s , Freund , der Klügste wie der Dümmste ist vor dieser Krankheit gleich klug ; sie ist das neue Welträtsel , und das wird nicht in acht Tagen gelöst ; das Mädchen ließ sich gut an , du mußt es dem Zufall überlassen - die Cholera ist ein Spott der Gottheit über das absolute Wissen der Menschen , sie wird den Pietismus befördern und die Unverschämtheit zügeln , trink , lieber Valerius , trink , du bist noch ganz blaß . « Valerius trieb den kleinen Schwätzer nach dem Lazarett , das Schicksal Ludmillens beängstigte ihn um so mehr , da er die Unzulänglichkeit der Medizin gegen die Krankheit schildern hörte . Er selbst wollte unterdes bei Stanislaus ' Vater eine Visite machen , und um jeden Preis Konstantien Nachricht zu geben suchen . In Lessels Konditorei , die sie eben verließen , wollten sich die Freunde nach ungefährem Verlauf einer Stunde wiederfinden . Valerius war sehr gespannt , wie er den alten Grafen treffen würde . Das Schicksal des Landes hatte sich gewaltig umgestaltet , halbe Maßregeln schienen mehr als je verderblich . Nach der Schlacht von Ostrolenka war Skrzynecki ohne Aufenthalt nach Warschau gefahren , um der erste Bote zu sein , den Reichstag auf das günstigste vom Zustande der Dinge zu unterrichten , die Nachteile der Schlacht soviel als möglich zu verdecken . Es war ihm auch gelungen ; der Tag von Ostrolenka konnte ihn den Oberbefehl kosten , aber der Reichstag und die Regierung bezeigten ihm ein ungeändertes Vertrauen und ließen das Schicksal des Krieges mit den ermunterndsten Ausdrücken in seinen Händen . Der alte General Malachowski sammelte die Trümmer der auseinandergerissenen Armee , die versprengten Truppen fanden sich aus eigenem Antriebe wieder zusammen , Diebitsch verfolgte seine etwaigen Vorteile nicht weiter , da sein Truppenverlust noch größer gewesen war als der des polnischen Heeres . Er rückte nach der Weichsel hin und schien die Verhältnisse abwarten zu wollen , ob sich ein Übergang bewerkstelligen ließe . Bei Beurteilung dieses Mannes , soweit diese die militärische Seite des polnischen Krieges betrifft , muß der Historiker sehr vorsichtig verfahren , und die geringen Erfolge des Feldzugs nicht ohne weiteres dem Ungeschick des Anführers zuschreiben . Bei einem genauen Blicke ins russische Lager stellen sich vielerlei verwickelte , lähmende Zustände dar : das russische Nationalinteresse ist keineswegs so indifferent , daß es ihm vollkommen gleichgültig wäre , unter einem Ausländer zu fechten . Eifersüchteleien der Art , nachlässig ausgeführte Befehle von seiten der russischen Generale kommen in Fülle vor . Zu Petersburg hatte man keinen Maßstab für die moralische Kraft eines auf den Tod kämpfenden Volkes , man schrieb es dem mangelhaften Eifer oder der unzulänglichen Geschicklichkeit des Heerführers zu , daß die Insurrektion nicht gedämpft werden könne , man schickte Paskiewitsch , um Diebitsch zu unterstützen . Dieser konnte in solcher Maßregel nicht wohl etwas anderes als seine halbe Absetzung erblicken , der Übergang über die Weichsel war äußerst bedenklich , weil man dadurch die Kommunikation mit Rußland völlig verlieren konnte , die Cholera wütete im Heere , und so sah man Diebitsch von allen Seiten gelähmt , niedergeschlagen in seinem Lager sitzen . Da ergriff ihn die Cholera selbst und raffte ihn hinweg . Paskiewitsch , der bald darauf eingetroffen war , hatte mit plumper Zuversicht das Heer ohne weiteres über den Fluß geführt , Skrzynecki hatte nicht das mindeste dagegen getan , sogar all die kleinen Vorteile verschmäht , die bei solch einem Kriegsereignisse zu erringen sind , auch wenn der Übergang selbst nicht gewehrt werden kann . Die Russen rückten nun auf dem linken Weichselufer gegen Warschau heran , und die polnische Armee wich von