den Arm voll Kleidungsstücke , zurück . Da war eine wattierte Puffjacke der Bäuerin , eine seidene Schürze , die er mal seiner Braut zum Geschenk gemacht hatte , etwas Leibwäsche der Verstorbenen und noch Kleinigkeiten aus dem Nachlasse der Bäuerin , mit denen er Paulinen beschenkte . Auch Gustav sollte bedacht werden . Der Alte schleppte seinen Schafwollpelz herbei , den er seit dreißig und mehr Jahren führte . Pauline weigerte sich , den Pelz für ihren Mann anzunehmen ; den müsse der Vater behalten , damit er im Winter was Warmes habe . » Ich wer ' keenen Winter mer sahn ! « sagte der Bauer . Da er böse zu werden drohte über ihre Weigerung , nahm sie den Pelz schließlich an , zum Schein . Sie wollte ihn der eigenen Mutter übergeben , die ihn einstweilen aufbewahren und dem Alten bei beginnender Winterszeit zurückstellen sollte . - An einem Sonntagmorgen in der Frühe nahmen Gustav und Pauline Abschied von Halbenau . Ihre Abreise hatte manchen Freund und manche Freundin herbeigelockt . Frau Katschner schwamm in Tränen . Sie mußte der Tochter heilig versprechen , daß sie nach dem alten Büttner sehen werde . Die Witwe hatte im stillen noch nicht alle Hoffnung aufgegeben , daß ihr noch ein zweites Mal die Freuden des Ehestandes zuteil werden möchten . Im geheimsten Kämmerchen ihres Herzens regierte kein anderer als Traugott Büttner allein . Der alte Mann war nicht erschienen , um von seinen Kindern Abschied zu nehmen . Die Leute sagten , er sei auf dem Wege nach der Kirche gesehen worden . XIII. Am Sonnabendabend war der alte Büttner zum Dorfbader gegangen und hatte sich seinen Bart abnehmen lassen . Sonntags beim Morgengrauen nahm er seine Feiertagskleider aus der Lade , den langschößigen Tuchrock , der zur Hochzeit neu gewesen war , die Weste mit den Perlmutterknöpfen , den Zylinder , der ihm nun auch schon an dreißig Jahre Dienste getan hatte , und der trotz alles Streichens mit dem Rockärmel nur immer widerhaariger wurde . Traugott Büttner ging zum Tisch des Herrn . In seinem Feiertagsstaat , das Gesangbuch in der Hand , schritt er die Dorfstraße hinab . Er blickte nicht rechts noch links , nur auf seinen Weg . Andere Altarleute , die ihn überholten , blickten ihm erstaunt ins Gesicht . Ja , war denn das wirklich der Büttnerbauer ! Oder war es sein Geist ? Die bleichen Wangen , nicht mehr vom Bart versteckt , zeigten jetzt erst ihre ganze hohle Magerkeit . Er erwiderte keinen der vielen Morgengrüße , die ihm von allen Seiten geboten wurden . Sein Gang war langsam aber fest , die Blicke hielt er starr geradeaus gerichtet . Man steckte die Köpfe zusammen . » Saht ack ! Büttnertraugott gieht beichten ! « - Er war eine ungewohnte Erscheinung geworden in der Kirchfahrt . Beim Hauptgottesdienste , der der Kommunion folgt , nahm Büttner seinen altgewohnten Kirchenplatz ein . Vieler Augen waren auf ihn gerichtet ; es war , als ob nach langem Krankenlager einer wiederum unter Menschen geht . Selbst der Geistliche schien unter dem Eindrucke zu stehen , daß heute ein besonderer Gast in ihrer Mitte weile ; er sprach einige Male mit Betonung nach jener Richtung hin , wo der alte Mann saß . Der hörte der Predigt vom ersten bis zum letzten Worte mit Aufmerksamkeit zu . Beim Schlusse des Gottesdienstes opferte er seinen Groschen , wie er es von jeher getan , so oft er das Abendmahl genossen . Man wollte ihn anreden , als er aus der Kirche trat . Alte Freunde drängten sich an ihn heran . » Nu Traugott ! « hieß es , » wu hast denn du su lange gestackt ? « Er schien für die Frager keine Zeit zu haben . Mit eigenartig ernstem Blicke sah er die Leute an , schüttelte den Kopf , wandte sich und ging . - Mancher , der jetzt kaum darauf geachtet , sollte sich später daran erinnern . - » Grade als ob ' r d ' ch durch und durch buhren wollte ; und duch als ob ' r ganz wu andersch hin sähe , « schilderte ein Zeuge nachmals diesen Blick . Dann sei er auf einmal verschwunden aus der Menge der Kirchgänger ; keiner wollte wissen , wie das geschehen . Traugott Büttner schritt auf seinen ehemaligen Hof zu . Heute war das Haus menschenleer ; des Feiertags wegen arbeiteten die Handwerker nicht . Er ging in die Kammer , legte die Feiertagskleidung ab und zog die Werkeltagskleider wieder an . Dann legte er die guten Sachen sorgfältig zusammengefaltet auf einen Stuhl , das Gesangbuch zu oberst auf das Bündel . Nachdem er das besorgt , begab er sich in den Stall . Er steckte den Kühen Futter auf , reichlich , für zwei Mahlzeiten . Den Schweinen schüttete er Trebern vor und goß einen Rest von Milch darüber zu einer rechten Feiertagsmahlzeit . Darauf sah er sich noch einmal um , wie um sich zu überzeugen , daß alles beschickt und in Ordnung sei . Dann machte er die Türe hinter sich zu und schritt zum Hofe hinaus auf dem Wege hin , der nach dem Walde führt . Nach einer Weile machte er Halt , wandte sich um . Hatte er etwas vergessen ? - Er wollte nur das Dach noch einmal sehen , unter dem er Zeit seines Lebens gehaust hatte . Dort ragte der freundliche Giebel über die Scheune hinweg . Der alte Mann hielt die Hand über die Augen , um sie vor den blendenden Strahlen der Frühjahrssonne zu schützen . Er stand da eine Zeitlang , betrachtete alles noch einmal ganz genau ; das würde er nicht wieder sehen ! Dort auf den Scheunenfirsten war schon wieder mal das Stroh lose geworden ; es sträubte sich wie unordentliches Haar nach allen Richtungen . Daß er das bisher gar nicht bemerkt hatte - Nun , der Neue würde das schon in