» Die schwarzen ? Na , also ! Bring sie ! « Eine halbe Stunde später stieg Graf Egge in altmodischem Gehrock , an dem die Ärmel zu kurz waren und die Nähte zu platzen drohten , über die Treppe hinauf . Er hörte Lärm und Hammerschläge . Im Totenzimmer war ein Dutzend Menschen beschäftigt , um die Wände mit schwarzem Tuch auszuschlagen und das auf Stufen erhöhte Paradebett mit einer Mauer von Blumen zu umgeben . Der Zauner-Wastl hatte die Oberleitung und betätigte seine vielseitigen Talente . Scheuer Kummer sprach aus seinem übernächtigen Gesicht , und als er den Grafen gewahrte , sank ihm der Kopf noch tiefer zwischen die Schultern . Graf Egge ließ schweigend den Blick durch das Zimmer und über die Menschen gleiten , zog die Hand durch den Bart und machte wieder kehrt . Meister Zauner schlich ihm nach . » Ich bitt , Herr Graf , da hab ich was gfunden ! « Er nahm einen winzigen , in einen Fetzen Zeitungspapier gewickelten Gegenstand aus der Westentasche . Graf Egge nahm den Fund und ging davon . Als er in der Kruckenstube wieder im Lehnstuhl saß , wickelte er mit zitternden Hände das Papierchen auf . Es enthielt die beiden Hirschgranen . Das Wasser stieg ihm in die Augen , während er sie betrachtete . Stöhnend zog er die Börse hervor und verwahrte die Granen . Nun hatten sie wieder den alten Platz gefunden . Nach einer Weile hob Graf Egge das zerknüllte Papier vom Boden auf und untersuchte es noch einmal , ob es nicht auch noch etwas anderes enthielte . Dabei überhörte er ein leises Klopfen und blickte erst auf , als die Tür ging . Schipper trat in die Stube , mit demütiger Trauermiene , und während er den Hut zwischen den Händen drehte , fing er zu klagen an : » Mar ' und Josef , lieber Herr Graf , was sind denn jetzt da für Sachen passiert ! Gestern hab ich mir gar net fürstellen können , was los is . Heut in der Fruh , da hab ich mir denkt : Jetzt mußt den abnormen Rehbock abitragen- « Graf Egge war aufgesprungen . Seine Stirn brannte , als hätte er einen Schlag ins Gesicht erhalten . Mit zuckenden Fäusten tat er einen Schritt gegen den Jäger und schrie : » Hinaus ! « » Aber Herr Graf ! « stotterte Schipper verblüfft . » Hinaus ! Du bist schuld , daß ich geblieben bin ! Wär ' ich mit ihm hinuntergegangen , es wär ' nicht geschehen . Ich wollte gehen . Du , du hast mich gehalten ! Geh mir aus den Augen , oder ich vergreife mich an dir . Aasgräber ! Mörder ! Aus meinen Augen ! Hinaus ! « Diesem Ausbruch sinnlosen Zornes gegenüber hielt es Schipper für ratsam , schleunig den Rückzug anzutreten . Als er die Veranda erreichte , setzte er den Hut auf und guckte über die Schulter . Dann suchte er die Zwirchkammer auf , wo seine Büchse und sein Bergstock in einer Ecke standen . Der alte Moser , der auf den blutigen Steinfliesen kniete und dem Rehbock das abnorme Gehörn heruntersägte , schien an Schippers Gesicht zu merken , daß nicht alles im Geleise war . » Was hast denn ? « » In Ruh laß mich ! « Wütend warf Schipper die Büchse hinter die Schulter und stapfte davon . Er machte einen Umweg um das Schloß und blies die Backen auf , als er die Straße erreichte . In Meister Zauners Gärtl sah er das feine Lieserl mit dem Pointner-Andres umhergehen ; das Mädel schnitt mit einer Schere die letzten Blumen ab und legte sie in ein Körbchen , das ihr der Andres nachtrug . » Grüß dich Gott , Lieserl ! « rief Schipper über den Zaun . » Machst an Kranz für d ' Herrschaft ? « » Ja ! Aber es schaut schon a bißl schlecht mit die Blumen aus . « » Freilich , die schöne Zeit is vorbei ! « Mit dieser philosophischen Bemerkung ging Schipper seiner Wege . Als ihn die Straße am Brucknerhaus vorüberführte , wurde sein Schritt langsamer . Er musterte die Fenster , kniff die Augen ein und lächelte . » Mir scheint , es halt nimmer lang mit ' m Grafen und mir . « Er blickte über die Straße zurück gegen den Park von Hubertus . » Da muß ich ans Nestbauen denken ! « Er rückte den Hut und trat in den Hof des Bruckner , dessen Bübchen vor dem Brunnen spielte . » He , du , Kleiner , is d ' Mali-Mahm daheim ? « » Na , sie is zum Seewirt um Blumen gangen für an Grabkranz . Aber der Vater is daheim . « » So ? Der Vater ? « Lächelnd ging Schipper auf das Haus zu , guckte durch ein Fenster in die Stube und klopfte an die Scheibe . Draußen auf der Straße ging die Horneggerin vorüber , die vom Krämer kam . Dunkel schoß ihr das Blut ins Gesicht , als sie den Jäger gewahrte . Was der Franzl dazu sagen würde ? Daß der Schipper bei der Mali ans Fenster klopft ! Auf dem Ländeplatz begegnete ihr eine Magd des Seewirts mit einem riesigen Kranz aus Eibenzweigen und weißen Nelken . Das war der erste Kranz , der sich in Hubertus einstellte . Fritz trug ihn in die Kruckenstube , aus der man Graf Egges erregte Stimme hörte ; als der Diener eintrat , verstummte sie . Graf Egge stand neben dem Lehnstuhl , in welchem Kitty saß , schwarz gekleidet , die zitternden Hände im Schoß , mit verweinten Augen . Zwischen Vater und Tochter schien es ernste Worte gegeben zu haben . Graf Egge furchte beim Anblick des Kranzes die Brauen , Kitty erhob sich , betrachtete die Blumen in tiefer Bewegung und entfernte ein paar welk gewordene Blüten . » Wer hat