nicht , natürlich . Mir war nur das anmaßende » das wird Frankreich nicht dulden « als ein Mißton im Gedächtnis haften geblieben und damit zugleich die ganze umgebende Scenerie . Von nun an sollte die spanische Thronfrage immer lauter und aufdringlicher werden . Täglich wurde der Raum größer , den sie in den Zeitungen und in den Salongesprächen einnahm und ich weiß , daß sie mich in hohem Grade langweilte ; diese Hohenzollern-Kandidatur : man konnte bald gar nichts Anderes hören . Und mit einer Entrüstung wurde davon gesprochen , als könnte Frankreich nichts Beleidigenderes widerfahren ; die Meisten durchschauten es als eine von Preußen ausgehende Provokation zum Kriege . Es ist doch klar - hieß es - Frankreich konnte die Sache nicht dulden ; wenn also die Hohenzollern darauf bestehen , so ist das die reine Herausforderung . Das verstand ich nicht . Übrigens war ich ohne Sorge . Wir erhielten Briefe aus Berlin , worin uns von wohlunterrichteter Seite mitgeteilt wurde , daß man bei Hofe nicht den mindesten Wert darauf lege , daß die spanische Krone einem Hohenzollern zufalle . Wir beschäftigten uns demnach weit mehr mit unserem Hausbau , als mit der Politik . Aber allmählich wurden wir doch aufmerksam . So wie vor dem Sturm ein gewisses Blätterrascheln durch den Wald geht , so raschelt es vor dem Krieg von gewissen Stimmen durch das Volk . » Nous aurons la guerre - nous aurons la guerre ! « das tönte durch die pariser Luft . Da erfaßte mich unsägliches Bangen . Nicht um die Meinen - denn wir Österreicher waren ja vorläufig aus dem Spiele ; im Gegenteil : uns sollte ja möglicherweise » Satisfaktion « geboten werden - die bekannte Sadowa-Rache . Aber wir hatten es verlernt , den Krieg vom nationalen Standpunkt aus zu betrachten , und was er vom menschlichen , vom edelmenschlichen ist - das weiß man ja . Das drücken folgende Worte aus , die ich einst aus dem Munde Guy de Maupassants gehört : » Quand je songe seulement à ce mot la guerre - il me vient un effarement , comme si l ' on me parlait de sorcellerie , d ' inquisition , d ' une chose lointaine , finie , abominable , contre nature . « ... Als die Nachricht eintraf , daß Prim dem Prinzen Leopold die Krone angetragen , hielt der Herzog von Grammont im Parlament eine mit großem Beifall aufgenommene Rede , ungefähr nachstehenden Inhalts : » Wir mischen uns nicht in fremde Angelegenheiten , aber - wir glauben nicht , daß die Achtung vor den Rechten eines Nachbarstaates uns verpflichtet , zu dulden , daß eine fremde Macht , indem sie einen ihrer Prinzen auf den Thron Carls V. setzt , zu unserem Schaden das bestehende Gleichgewicht der Kräfte von Europa ( O dieses Gleichgewicht - welcher kriegsdurstige Heuchler hat diese hohle Phrase erfunden ? ) störe und die Interessen , die Ehre Frankreichs in Gefahr bringe . « Ich kenne ein Märchen von George Sand , genannt Gribouille . Dieser Gribouille hat die Eigenheit , wenn Regen droht , sich aus Furcht vor dem Naßwerden in den Fluß zu stürzen . Wenn ich höre , daß der Krieg angetragen wird , um drohenden Gefahren vorzubeugen , so muß ich immer an Gribouille denken . Wohl hätte ein ganzer Hohenzollernstamm sich auf Carls V. und noch auf verschiedene andere Throne setzen können , ohne Frankreichs Interessen und Frankreichs Ehre nur den tausendsten Teil von dem Schaden zuzufügen , der ihnen aus dem klugen » Das können wir nicht dulden erwachsen ist . « » Dieser Fall , « fuhr der Redner fort , » wir hegen die feste Zuversicht , wird nicht eintreten . Wir rechnen in dieser Beziehung auf die Weisheit des deutschen und auf die Freundschaft des spanischen Volkes . Sollte es anders kommen - dann , meine Herren , werden wir wissen , stark durch Ihre Unterstützung und die der Nation , unsere Pflicht ohne Schwanken und ohne Schwäche zu thun . ( Stürmisches Bravo . ) Von da ab beginnt die Kriegshetze in der Presse . Besonders ist es Girardin , welcher seine Landsleute nicht genug anfeuern kann , die unerhörte Kühnheit , welche in dieser Thronkandidatur liege , gehörig zu züchtigen . Es wäre gegen alle Würde Frankreichs , wenn es da nicht sein Veto einlegte ... freilich , Preußen wird nicht nachgeben , denn es ist ihm daran gelegen , dem Wahnsinnigen , den Krieg heraufzubeschwören . Durch seine Erfolge von 1866 berauscht , glaubt es , jetzt auch über den Rhein seine Sieges- und Raubeszüge machen zu dürfen - aber da sind wir da , Gott sei Dank , solche Gelüste den übermütigen Spitzhelmen zu vertreiben ... In diesem Tone geht es fort . Napoleon III. zwar , wie wir durch ihm nahestehende Personen erfahren , wünscht nach wie vor die Erhaltung des Friedens ; aber in seiner Umgebung finden die Meisten , daß ein Krieg jetzt unvermeidlich sei , daß - da man im Volke ohnehin mit der Regierung unzufrieden - das Beste , was man thun könne , um sich den Respekt des ruhmsüchtigen Landes zu sichern , ein glücklicher Krieg wäre : » il faut faire grand « . Nun wird in der Runde bei anderen europäischen Kabinetten über die Angelegenheit angefragt . Jedes erklärt , daß es den Frieden wünsche . In Deutschland wird ein aus Volkskreisen stammendes Manifest veröffentlicht , welches unter Anderen auch von Liebknecht unterzeichnet ist , worin es heißt : » der bloße Gedanke an einen deutsch-französischen Krieg sei ein Verbrechen . « Bei dieser Gelegenheit erfahre ich und kann es in mein Friedensprotokoll eintragen : » daß eine große Verbindung mit hunderttausenden von Mitgliedern existiert , welche die Abschaffung aller Vorurteile des Standes und der Nation zum Programmpunkt erhoben hat . « Benedetti erhält die Mission , den König von Preußen aufzufordern , daß dieser dem Prinzen Leopold die Annahme der Krone verbiete . König