, als er die Worte sprach , aber er stand hoch aufgerichtet und gebieterisch vor ihr , und sie fühlte , daß es ihm eine grausame Lust war , sie zu demüthigen . Da begann aufs Neue in ihr jener unheilvolle Kampf zwischen ihrem besseren Selbst und ihrem Stolze , aber der grausam triumphirende Blick des Freiherrn fachte auch in ihrer Seele die gleiche Empfindung an , und bleich und kalt , wie er , versetzte sie : Du hast zu befehlen , ich gehorche ! Die Herzogin hat mir heute angedeutet , sagte er , daß ich , eben ich , keinen Grund hätte , mich der Heirath Herbert ' s zu widersetzen und ihn zu hindern , seine Freiheit aufzugeben . - Er hielt inne . Ich muß ihr zeigen , daß ich keinen Grund habe , Herbert ' s Gebundenheit zu wünschen . Ich werde die Einwilligung zu Eva ' s Verheirathung nicht geben , Bedenkzeit fordern , und wenn Herbert wieder hieher zurückkehrt , wird er unser Gast im Schlosse sein , und Du wirst ihn sehen und empfangen wie zuvor ! Unmöglich , rief Angelika , die Herzogin weiß Alles ! Der Baron verstummte . Er schien unentschlossen , was er thun solle . Mit Einem Male besann er sich : So soll sie die Versöhnungsrolle spielen ! sagte er . Höre es wohl , Angelika , ich sage , spielen ! Denn Du und ich , wir sind für immerdar getrennt ! Da warf Angelika sich ihm noch einmal zu Füßen . Um Renatus willen höre mich ! Gehe nicht zur Herzogin , sprich nicht mit ihr ! Sprich mit dem Caplan ! Er soll Dir Alles , Alles offenbaren , Wort für Wort , was ich ihm anvertraut im heiligen Vertrauen . Er wird Dir sagen , daß ich Deiner nicht unwerth bin , Dir sagen , daß Du mir verzeihen kannst . Sprich mit ihm , ach , sprich mit ihm ! Ihm wirst Du glauben , wenn Du mir nicht glaubst ! Sie konnte nicht weiter sprechen . Das ganze Gewicht des Unheils , welches sie auf sich und ihr Haus herabgezogen , indem sie der Aufwallung ihres gekränkten Stolzes nachgegeben , lastete auf ihr . Sie erkannte mit Schrecken , was sie gethan , aber sie hielt es für unmöglich , daß sie ihren Gatten nicht überzeugen , mit ihren Thränen , ihrer Reue nicht überzeugen können sollte , wie sie seiner Achtung , seiner Verzeihung , seiner Neigung nicht unwerth sei . Indeß des Freiherrn frühere Erfahrungen standen mit seinem gegenwärtigen Schmerze und Zorne im Bunde . Weit entfernt , ihn zu besänftigen , beleidigte ihn der Gedanke , daß auch der Geistliche um ein Geheimniß wisse , welches der Freiherr um jeden Preis verborgen haben wollte , und mit einem Ausdrucke des Widerwillens rief er : Es fehlte nur noch , daß Du Deine Leute zu Zeugen für Dich aufrufst ! Die Baronin zuckte zusammen , dann erhob sie sich . Ich wollte , Du hättest das nicht gesagt ! sprach sie mit einer Ruhe , die beängstigend gegen ihre bisherige Aufregung abstach , und sich von ihm wendend , schritt sie der Thüre des Nebenzimmers zu . Der Freiherr stand mitten im Gemach . Als sie die Portière aufhob , hinter der sie seinem Blicke entschwinden mußte , fühlte er eine Anwandlung von Mitleid mit seiner Frau , und fast unwillkürlich rief er : Angelika , wir sind allein .... Nein , unterbrach sie ihn , nein ! Was ich gefürchtet und geahnt , noch ehe sie kam , was ich mir zu meinem und Deinem Unheile weggeleugnet habe , wie mein Herz mich auch lange davor gewarnt , - wir sind nicht allein , - die Herzogin steht zwischen uns ! Der Freiherr lachte hell und höhnisch auf . Er hörte einen Vorwurf , wo er die Hand zu großmüthiger Hülfe und Erhebung zu bieten sich nicht abgeneigt gefühlt hatte . Das hatte er am wenigsten erwartet , und mit dem Ausrufe : Die alte Taktik ! verließ er zornig das Gemach . Vierzehntes Capitel Im Amthause unterhielt man sich mit jenen Gesprächen und Erwägungen , welche überall dieselben bleiben , wo ein Menschenpaar daran geht , einen neuen Hausstand , eine Familie zu begründen . Herbert hatte an Eva , da er sie jetzt als sein künftiges Eigenthum betrachtete , ein ganz neues und höheres Gefallen . Er fand sie klug und verständig in allem Praktischen , warmherzig ihm gegenüber und anmuthig wie ein Kind , wenn sie sich ihrem angeborenen Frohsinne überließ . Sie schalt Herbert einen Leichtsinnigen , einen Unbesonnenen , daß er nur daran habe denken können , sie ihrem Bruder gleich frischweg fortzunehmen , und wenn sie ernsthaft erwogen hatte , wo Adam einen Ersatz für sie finden werde , falls er sich nicht selbst zur Ehe entschließe , so ging sie scherzend die ganze Reihe ihrer weiblichen Bekannten durch , pries deren Eigenschaften , um die eigenen noch höher zu stellen , und versicherte Herbert , daß es doch von den allen keine so gut habe und haben werde , als sie , der Herbert gleich gefallen habe , als er ihr bei der ersten Fahrt durch das Dorf die ganz unverantwortliche Kußhand zugeworfen . Indeß trotz all ihrer Munterkeit konnte man ihr doch anmerken , daß sich ihrer allmählich eine heimliche Sorge zu bemeistern begann , weil die Antwort des Freiherrn sich so lange erwarten ließ . Sie sah verstohlen immer öfter nach der Uhr , je länger der Bote ausblieb , und als der Mittag da war , bemächtigte sich die Ungeduld allmählich auch der Männer . Man überlegte , ob man einen zweiten Boten nachsenden sollte , um zu hören , was aus dem ersten geworden sei . Herbert war unruhig , weil die Stunde , in der er abreisen mußte , um einer Geschäftsbesprechung nachzukommen , längst vorüber war ; Eva nannte es unverantwortlich , daß