Muskeln vereinigt wie der Hauptmann außer Dienst , der gute , tapfere und treue Ritter Konrad von Faber . Wir wünschen ihm schon des herzerfrischenden Exempels wegen , welches er uns gibt , ein langes , fröhliches Leben . Möge er dann dereinst in seinen Stiefeln sterben ! Ein zweiter Wunsch , mit welchem wir seine Meinung zu treffen gedenken . Vierunddreißigstes Kapitel Juliane , Freifräulein von Poppen , setzt wieder einmal ihren Willen durch . Das Geschlecht derer von Poppen kommt auf den Hund Es gab vielleicht in der ganzen Stadt keine Uhr , welche so richtig ging , so ängstlich pünktlich Sekunden und Minuten zeigte , so unerbittlich jede Viertelstunde mit schrillem Klang von der Ewigkeit abzog , als die Uhr in der Halle des Zentralpolizeihauses . Sie lief nicht vor , sie blieb nicht zurück ; erbarmungslos zerhackte sie die Zeit in die möglichst kleinsten Bruchteile , das Sonnenjahr in zweiunddreißig Millionen Sekunden ; und wenn manch einem armen Teufel auf dem Armensünderbänkchen oder im Vorzimmer die Sekunde sich wieder zu einem Jahr ausdehnte , so war der Uhr das ganz gleichgültig . Sie lief nicht vor , sie blieb nicht zurück ; ihre Schuld war es nicht , wenn andere vorliefen oder zurückblieben , dem Vordermann auf die Hacken traten oder vom Hintermann in den Rücken geknufft wurden und somit auf die eine oder die andere Weise Gelegenheit bekamen , im Zentralpolizeihause das richtige Maß der Zeit sich in anima vili demonstrieren oder es dem lieben Nächsten vor die Seele führen zu lassen . Die hohe Sicherheitsbehörde , welche als Gesamtheit von je eine sehr gute Meinung von sich selber gehabt hat , war natürlich überzeugt , so richtig zu gehen wie ihre Uhr , und verbat sich jeden lauten Zweifel daran aufs nachdrücklichste . Was der Rat Tröster , der Sekretär Fiebiger , der Wachtmeister Greiffenberger als Einzelwesen davon hielten , das stand auf verschiedenen Blättern . Daß der zweitgenannte Herr über viele , allgemein als unumstößlich festgestellte Glaubensartikel seine Privatansicht hatte , wissen wir , und so müssen wir leider sagen , daß er auch von der Uhr vor der Tür des Büros Nummer dreizehn eine sehr üble Meinung hatte . Gern hätte er sie verachtet ; aber da sie ihm nicht die mindeste Ursache dazu gab , so haßte er sie grimmig und erklärte sie für das niederträchtigste Institut , welches je im Bewußtsein seiner Unentbehrlichkeit die Menschen geelendet habe ; beiläufig ganz die nämliche Meinung , welche er von der Behörde hatte , der er angehörte . Greiffenberger , der Wachtmeister , besorgte mit wahrhaft entsetzlicher Pünktlichkeit das Aufziehen des exakten Mechanismus und vergaß es seit jenem Herbstabend , an welchem unsere Geschichte ihren Anfang nahm , nicht ein einziges Mal . Ticktack - ticktack - Tag für Tag - ticktack , ticktack bei gutem wie bei schlechtem Wetter - ticktack , ticktack , wenn der Polizeischreiber seinen Hut am Morgen an den Nagel hing und stöhnend sich auf sein Dreibein setzte - ticktack , ticktack , wenn er am Abend seufzend die Feder ausspritzte und seinen großen Folianten zuschlug . Es war eine erbarmungslose Uhr ; durch nichts ließ sie sich aus dem Takte bringen - ticktack , ticktack immerzu , es mochte in der Welt , im Büro Nummer dreizehn , im Gehirn des Polizeischreibers Friedrich Fiebiger vorgehen , was da wollte . Und es ging so mancherlei in der Welt , in der Polizeistube und im Herzen und Gehirn des Polizeischreibers vor . Kronen wackelten auf den Köpfen ihrer Träger ; viel Heulen und Zähnklappen wurden im Büro dreizehn vernommen . Fritz Fiebiger sah seinen Zögling in die Ferne ziehen und trug manchmal nicht leicht an seiner Sorge um ihn ; - Baron von Poppen wurde vom Herrn von Bärenbinder erschossen , Kommerzienrat Wienand verlor sein Vermögen und klopfte irrsinnig in einer wilden Nacht an die Tür des Sternsehers Heinrich Ulex . Ticktack , ticktack , ticktack , immerzu , immerzu ! Auch die Uhr in der Tasche des tödlich Verwundeten auf dem Schlachtfelde pickt weiter , die Fliegen am Fenster summen lustig fort , während im Nebenzimmer ein geliebtes Wesen mit dem Tode ringt . - Der Rat Tröster , bedeutend weißköpfiger als zu Anfang dieser Geschichte , legte bei hereinbrechender Dämmerung die Feder nieder und blickte auf seinen Untergebenen , dem eben ein tiefer Seufzer entfuhr . » Haben Sie noch immer keine Nachricht von Ihrem Pflegesohn , Fiebiger ? « Der Angeredete schüttelte den Kopf : » Seit er mir den Tod der Frau seines Bruders meldete , nicht . Unsere Briefe scheint er nicht erhalten zu haben . Wer weiß , was aus dem Jungen geworden ist , in welche Patsche ihn der Hauptmann von Faber geritten hat . In der Stimmung , in welcher er gewesen ist , hat er sich natürlich mehr als gern Hals über Kopf in jede Gefahr hineingestürzt , und so ist er drin steckengeblieben - skalpiert - aufgefressen - was weiß ich ! Und es könnte sich jetzt alles hier so schön machen . Alles in Ordnung . O mein Junge , mein armer lieber Junge ! « » Beruhigen Sie sich , Alter . Wer weiß denn , ob wir uns nicht ganz unnötigerweise Sorge machen . Unser Herr von Faber ist ein sehr bekannter Mann , und wir würden gewiß Näheres erfahren haben , wenn ihm oder seiner Begleitung ein Unglück widerfahren wäre . « Der Polizeischreiber entnahm der Bemerkung des Vorgesetzten allen Trost , welcher darin lag , aber behielt Kummer genug auf der Seele , um abermals recht tief zu seufzen . Die Uhr draußen schlug sechs ; Fiebiger zählte jeden Schlag nach , und der Rat benutzte die Gelegenheit , um zu bemerken : » Die Zeit geht doch recht rasch hin . Es ist mir wie gestern , als der junge Mensch dort stand und Sie die Absicht äußerten , ihn zu adoptieren . Ich warnte Sie gleich und verhehlte Ihnen meine Meinung