, dem die ganze Welt ist offen , ' eirathen ein armes Mädchen , die nicht einmal ist ' übsch . Das ist meine Sache . Und nebenbei bist Du jedenfalls ' übscher und reicher als ich . Dreihundert Thaler - Dreihundert fünfundzwanzig Thaler , sagte Mademoiselle Marguerite eifrig . Desto besser - das ist immer schon etwas für den Anfang . Wenn ich mein baares Vermögen dazu rechne - Herr Timm griff in die Tasche und brachte einige Münzen zum Vorschein - haben wir dreihundert fünfundzwanzig Thaler , siebenzehn Silbergroschen und acht Pfennige . Das ist ein ganzes Kapital . Wir uns dafür werden kaufen ein kleines Haus . Versteht sich . Ich werde geben Unterricht im Französischen . Natürlich . Und Du wirst sein fleißig und arbeiten . Comme un forçat - o , es wird ein charmantes Leben werden , und Herr Timm faßte die kleine Französin um die Taille und walzte mit ihr in der Laube , in welcher sie sich befanden , umher . Ich nun muß hinein , den Leuten zu geben Vesperbrod ; sagte Marguerite , sich losmachend . So lauf , Du kleiner Grasaff ' ; aber komm bald wieder , sagte Herr Timm . Herr Timm sah der Enteilenden nach . Dummes kleines Frauenzimmer , sagte er ; glaubt wahrhaftig , ich werde sie heirathen . Das fehlte auch noch - für dreihundert Thaler , die ich früher an ein paar Abenden verspielt habe ! Es ist wirklich großartig , was sich diese Mädchen nicht alles einbilden ! Und dabei ist diese gar nicht so dumm , wie sie aussieht , und scheint trotz ihres fürchterlichen Deutsch den Goethe gründlich studirt zu haben : » thut keinem Dieb nur nichts zu Lieb ' , als mit dem Ring am Finger - « hm , hm ! ich werde ihr wahrhaftig einen Ring kaufen müssen . Die dreihundert Thaler wären freilich so übel nicht . Diese verdammten Gläubiger ! nicht einmal in diesem Winkel lassen sie einen ungeschoren . Herr Timm faßte in die Brusttasche und holte einige Briefe von verdächtigem Aussehen hervor , die er , nachdem er sich in die Ecke einer Bank gesetzt , einen nach dem andern entfaltete und eifrig studirte . Sein sonst so lustiges Gesicht verdüsterte sich dabei zusehends . Verdammt , murmelte er , die Kerle werden wirklich unverschämt . Wenn ich den brummenden Bären doch nur so ein paar hundert Thaler in den Rachen werfen könnte , so schweigen sie doch für eine Weile wenigstens . Die dreihundert , welche die kleine Marguerite im Sparkassenbuche hat , kämen mir wirklich gelegen . Es wäre am Ende nur zu ihrem Vortheil , wenn ich sie darum ärmer machte . Denn daß ich mein Versprechen , sie zu ' eirathen , ohne die dringendste Noth nicht halten werde , liegt doch für jeden Verständigen auf der Hand . Fühle ich mich nun ihr gegenüber nicht nur moralisch , sondern auch anderweitig verpflichtet , so hat sie immerhin eine Chance mehr . Ich kann ihr ja sagen , ich könne das Geld besser anlegen oder dergleichen . Wenn die dummen Dinger verliebt sind , glauben sie ja Alles , was man ihnen aufbindet . Und kann sie das Geld besser anlegen , als wenn sie sich damit einen charmanten Kerl von Mann erkauft , der sie im andern Falle nicht ' eirathen würde . Me herculem ! ich fühle mich ordentlich gehoben durch den Gedanken , auf diese Weise der Wohlthäter des Mädchens zu werden . Ich will die Kleine doch einmal in ' s Gebet nehmen . Weigert sie sich , so werde ich sie freilich ihrer Klugheit wegen achten müssen , aber mit unserer Liebe ist es aus . Albert erhob sich und ging , die Hände auf dem Rücken , wie es seine Gewohnheit war , wenn sein scharfsinniger Kopf an der Lösung eines Problems arbeitete , langsam nach dem Schlosse . Marguerite schaltete noch in der Küchenregion ; Albert verfügte sich auf sein Zimmer , um noch einige Minuten ungestört über seine Aufgabe nachzudenken . Er beugte sich über die Karte , die auf dem großen Reißbrett aufgespannt war , und an der er seit der Abreise der Familie nicht das Mindeste gearbeitet hatte . Wenn das so fortgeht , wird sich Anna-Maria über meine Fortschritte wundern , murmelte er . Die kleine Marguerite ist doch nicht allein daran Schuld ? richtig , jetzt besinne ich mich - ich brauchte eine Karte aus der Registratur und ließ mir schon vor acht Tagen den Schlüssel dazu geben . Die muß ich mir wenigstens holen , sonst - bei meiner heißen Liebe zur kleinen Marguerite ! - bleibt diese angefangene Karte ein Fragment in Ewigkeit . Albert ging in die Registratur , ein großes Gemach in dem Erdgeschoß des alten Schlosses , dessen Wände von oben bis unten mit Repositorien voll ganz oder halb vergilbter Acten und Schriftstücke der verschiedensten Art bedeckt waren , deren gar manches für einen fleißigen Alterthümler von hohem Interesse gewesen wäre . Während er in einem der Repositorien nach der alten Flurkarte kramte , fiel ihm ein kleines Bündel Briefe in die Hände , das er wohl , wie schon einige andere ähnliche , in das Versteck , aus welchem er sie unversehens hervorgeholt hatte , zurückgeschleudert haben würde , wenn nicht die Aufschrift : » An den Baron Harald von Grenwitz , Hochgeboren , auf Grenwitz « seine Neugierde erregt hätte . Herr Timm löste ohne weiteres den rothen Faden , mit welchem die Briefe zusammengebunden waren , und begann dieselben einen nach dem andern zu lesen - eine Beschäftigung , die ihn so ausnehmend interessirte , daß er alles Andere darüber vergaß und selbst das Rollen eines Wagens überhörte , der vor dem Portale still hielt und dessen höchst unerwartete Ankunft eine nicht geringe Sensation in dem Schlosse hervorrief . Sechsunddreißigstes Capitel Während der acht Tage , die seit der Abreise der Familie verflossen waren , hatte Oswald