die junge Männerwelt unserer Tage sei recht ungläubig , verachte die Lehren der heiligen Kirche , welche doch nichts anderes sind , als Gottes Gebote - und verschmähe die Sakramente , deren Ausspenderin die Kirche ist . Nun ist es Gottes Wille und der Wunsch unseres Vaters , daß wir in die Ehe treten . Nun mußt Du mir sagen , daß Du nicht zu der ungläubigen Männerwelt gehörst , sondern gläubig für wahr hältst , was die Kirche lehrt und gläubig hinzutrittst zu den heiligen Sakramenten . Verachtetest Du sie : so würdest Du ja auch die Ehe als Sakrament verachten und sie ohne die Mitteilung der Gnade Gottes schließen . Woher sollten wir dann aber die Zuversicht nehmen , daß unsere Ehe gottgefällig wäre , daß die göttliche Gnade uns beistehen werde ? und wie könnte ich mich auf Dich verlassen , wenn Du Dich nicht auf Gott und seine Gnade verläßt ? « Diese tief wahren , einfachen Worte trafen Orest in seinem Gewissen . Er dachte an die bunte Kette von gottentfremdeten Freuden , welche sich durch sein Leben schlang , an die tausend Fäden , welche seine Seele umspannen und von denen auch nicht einer den inneren Menschen an Höheres knüpfte - an Judith , die eine unerklärliche Macht über ihn ausübte , eine Macht , die ihm so zauberisch lockend erschien , daß er , auf welchen Punkt der Zukunft er sein Auge heftete , überall in sie hineinschaute , wie in eine blendende Sonne . Wenn er an Judith dachte , so kam er sich in seinen gegenwärtigen Verhältnissen wie das Opferlamm seiner Familie vor , obzwar er eingestehen mußte , daß sein Opfer mehr ein Empfangen als ein Geben sei . Er empfing die schöne Braut , die große Herrschaft , das bedeutende Vermögen ; aber er opferte doch sein ungebundenes , zwangloses Dasein . Freilich war mit Judith an keine Ehe zu denken und er konnte doch unmöglich ihr zu Gefallen unter den gegenwärtigen Umständen ehelos bleiben und das alte edle Geschlecht der Windecker aussterben lassen . Und gab es nicht tausend Ehen , neben denen eine Judith stand ? Ich muß mir das alles aus dem Sinne schlagen , Judith gar nicht wieder sehen und jetzt mein Bestes tun ; dachte er bei sich selbst , während Corona sprach . Als sie schwieg und ihn fragend ansah , antwortete er : » Ich wußte gar nicht , daß Du so enorm fromm wärest , Corona ! aber das tut nichts . Fromme Frauen - allen Respekt ! Ich werde Dich nie in Deiner Frömmigkeit irgendwie beeinträchtigen ; Du aber mußt auch nie verlangen , daß ich in diesem Punkte genau mit Dir sympathisiere . « » Ich verlange es nicht - ich hoffte es nur , « antwortete Corona traurig und sah dabei so lieblich aus , daß Orest ganz hingerissen ausrief : » Du bist ja wahrhaftig ein kleines himmlisches Geschöpf , Dich zu grämen , weil ich nicht die Sakramente zu empfangen pflege . « » Ah , Du empfängst nicht die Sakramente ? « fragte sie . » Nein , « sagte er unbefangen , » diese Gewohnheit habe ich nicht ; aber in die Messe geh ' ich - zuweilen . « Corona stand von ihrem Basaltblock auf , warf einen Blick voll unaussprechlichem Ausdruck auf Orest und ging ernst und schweigend von dannen . Seine erste Bewegung war , ihr nachzueilen . Aber nein ! sprach er zu sich selbst , ich rede lieber mit Onkel Levin und schütte ihm mein Herz aus . Ganz aufgeregt eilte er zu dem frommen Vertrauten aller verstörten Gemüter und rief : » Bester Onkel , ich bin im höchsten Grade betroffen ! ich scheine Corona sehr betrübt und verletzt zu haben . Als es sich in unserem Gespräch herausstellte , daß wir nicht vollkommen harmonierten , sah sie mich an - mit einem Blick .... einem unbeschreiblichen , sagte kein Wort - und verließ mich . « » Und wie entstand Eure Disharmonie ? « » Bester Onkel , es war ein unerhörtes Gespräch . Es steht gewiß einzig im Jahrhundert da , daß Verlobte , zum ersten Mal unter vier Augen , ein solches Gespräch führen ! « » Um welchen Gegenstand drehte sich denn dies merkwürdige Gespräch ? « » Um die Lehre von den Sakramenten . « » Ah so ! um die Lehre ! - nicht wahr , um die praktische Ausübung dieser Lehre ? « » Richtig getroffen , lieber Onkel . Es ist doch wahrhaftig unmöglich , daß unsereiner in dem Punkt Schritt halten soll mit einem Geschlecht , das nicht nur das schöne , sondern noch ganz extra das fromme heißt ! Der Soldat dient Gott in anderer Weise , mit Blut und Leben , in Gefahr und Ungemach , in Schlacht und Krieg . Da bekommt er denn ganz natürlich aus gewissen Gewohnheiten heraus . « » Wenn ich nicht irre , « unterbrach ihn Levin , so werden die Soldaten pünktlich dazu angehalten , sich jeden Sonntag beim Gottesdienste und alljährlich zur österlichen Zeit zum Empfang der heiligen Sakramente einzusinden . » Versteht sich , bester Onkel , das gehört zum Reglement ! « rief Orest eifrig . » Ordnung muß sein und der Offizier muß sorgen , daß sie von den Mannschaften beobachtet werde . « » Ich kann nicht glauben , daß sich das militärische Reglement nur auf die Mannschaften beziehe ; aber das weiß ich gewiß : das kirchliche Reglement macht keine Ausnahme für Offiziere , bei dem Leutnant angefangen , und bei Kaiser und Königen aufgehört , welche die obersten Anführer ihrer Heere sind . Und da Du so besorgt bist , das erstere aufrecht zu halten , mein ' ich , Du könntest doch auch für das zweite etwas Eifer bewahren . « » Wenn Du wüßtest , lieber Onkel , wie ungeheuer beschäftigt ich gerade immer in der österlichen Zeit war , wie