seine Madonnen ruhig und ernst blicken , und sie werden Himmelsköniginnen , während so manche andere nur betende Mädchen sind . Aus diesem möchte ich auch schließen , daß das Bild nicht aus der Raffaelschen Schule ist , so sehr die herrliche Gestalt des Kindes daran erinnert . Das Bild hängt nicht mehr dort , wo es anfangs war . Wir haben alle Bilder mehrere Male umgehängt , und es gewährt eine eigene Freude , zu versuchen , ob in einer andern Anordnung die Wirkung des Ganzen nicht eine bessere sei . Auch darüber haben wir ernste Beratungen und vielerlei Versuche angestellt , welche Farbe wir den Wänden geben sollen , daß sich die Bilder am besten von ihnen abheben . Wir blieben dann bei dem rötlichen Braun stehen , das Ihr jetzt noch in dem Gemäldezimmer findet . Ich lasse nun nichts mehr ändern . Die jetzige Lage der Bilder ist mir zu einer Gewohnheit und ist mir lieb geworden , und ich möchte ohne übeln Eindruck die Sache nicht anders sehen . Sie ist mir eine Freude und eine Blume meines Alters geworden . Die Erwerbung der Bilder , die , wie Ihr schon aus meinen früheren Worten schließen könnt , nicht immer so leicht war wie die der heiligen Maria , stellt eine eigene Linie in dem Gange meines Lebens dar , und diese Linie ist mit vielem versehen , was mir teils einen freudigen , teils einen trüben Rückblick gewährt . Wir sind in manche Verhältnisse geraten , haben manche Menschen kennen gelernt , und haben manche Zeit mit Wiederherstellung der Bilder , mit Verwindung von Täuschungen , mit Hineinleben in Schönheiten zu gebracht , wir haben auch manche zu Zeichnungen und Entwürfen von Rahmen verwendet ; denn alle Gemälde haben wir nach und nach in neue , von uns entworfene Rahmen getan , und so stehen nun die Werke um mich wie alte , hochverehrungswürdige Freunde , die es täglich mehr werden , und die eine Annehmlichkeit und eine Wonne für meine noch übrigen Tage sind . « Daß ich durch die Erzählung meines Gastfreundes der Sammlung seiner Bilder noch mehr zugewendet wurde , begreift sich . Ich lenkte meine Aufmerksamkeit nun auch auf die Kupferstiche meines Gastfreundes . Da dieselben nicht unter Glas und Rahmen waren , sondern sich in großen Laden des Tisches im Lesezimmer befanden , so konnte man sie weit bequemer betrachten als die Gemälde . Ich nahm mir zuerst die Mappen nach einander heraus und sah alle Kupferstiche der Reihe nach an . Dann aber ging ich an eine mehr geordnete Betrachtung . So wie mein Gastfreund nicht Bücher aus dem Hause gab , wohl aber einem Gaste in sein Zimmer die verlangten bringen ließ , so tat er es auch mit den Kupferstichen , nur gab er immer gleich eine ganze Mappe in ein Zimmer , nicht aber leicht einzelne Blätter . Er tat dies der Erhaltung und Schonung willen . Weil ich nun nicht viele Stunden im Lesezimmer ununterbrochen mit Ansehen von Kupferstichen zubringen mochte , so ließ mir mein Gastfreund die einzelnen Mappen nach und nach in meine Wohnung bringen , und ich konnte die in ihnen enthaltenen Werke mit Muße betrachten , konnte diese Beschäftigung auch durch anderes unterbrechen , und konnte , wenn ich die Mappe durch eine beliebige Zeit in meiner Wohnung gehabt hatte , dieselbe durch eine andere ersetzen . Später , da ich alle Mappen genau durchsucht hatte , wobei ich mir diejenigen Werke aufzeichnete , die mir ganz besonders gefielen , oder die von meinem Gastfreunde und Eustach als vorzüglich bezeichnet waren , schlug ich mir bei Gelegenheit nur die eine oder die andere auf , um das eine oder andere mir sehr liebe Werk des Grabstichels zu besehen . Ich merkte mir in meinem Gedenkbache auch diejenigen an , welche ich mir gleichfalls kaufen wollte , wenn es solche waren , die man noch im Handel bekommen konnte . Ich lernte bei diesen Untersuchungen die Art und Weise des Vortrags verschiedener Meister und verschiedener Zeiten kennen und endlich auch würdigen , und ich fand wieder , wie es bei den Gemälden der Fall ist , daß mit geringen Ausnahmen auch diese Kunst eine schönere Vergangenheit gehabt habe , als sie eine Gegenwart habe , ja bei den Kupferstichen konnte ich dies noch genauer kennen lernen als bei Gemälden , da mein Freund alte und neue Kupferstiche hatte , während in seinem Bilderzimmer nur sehr wenige neue Bilder hingen , die Vergleichung also schwieriger war , und ich mich auf die neuen Bilder weniger erinnerte , welche ich in der Stadt gesehen hatte , und welche ich auch mit anderen Augen mochte angeschaut haben . Ich lernte die Feinheiten , die Großartigkeit , die Schönheit , die Ruhe in der Behandlung immer mehr kennen und würdigen , und beschloß , da mir Kupferstiche weit leichter zu erwerben waren als Gemälde , vorläufig damit zu beginnen , mir Blätter , die ich für trefflich hielt , zu kaufen und eine Sammlung anzubahnen . Es war eine ziemliche Zeit hingegangen , die ich mit Betrachtung und Einprägung der Kupferstiche und Gemälde verbrachte . Eustach war häufig bei mir , wir sprachen über die Dinge , und ich lernte täglich höher von diesem Manne denken . Ich kam während dieser Zeit auch öfter in das Schreinerhaus und andere Werkstätten und sah zu , was da verfertiget werde . Bei diesen Veranlassungen fiel es mir auf , daß mein Gastfreund noch nicht begonnen hatte , aus dem in Wahrheit gewiß außerordentlich schönen Marmor , den ich ihm gebracht hatte , dessen Schönheit ich ganz gewiß zu beurteilen verstand , und der ihm selber viele Freude gemacht zu haben schien , etwas verfertigen zu lassen . Ich konnte auch den Marmor in dem Rosenhause gar nicht auffinden . Er war in dem Vorratshause gelegen , wo sich auch öfter Steine von mir befunden hatten . Jetzt war er nicht mehr dort . War er , um