dunkeln Punkt , das war die Reichenau , er sah einen Berg , kaum hob er sich am Himmelsgrund , aber er kannte ihn - es war der hohe Twiel . Und der Kuhreigen tönte ins Herdengeläut und wärmer und wärmer färbte sich alles auf der Alp , goldbraungrün leuchteten die Matten , leiser Abglanz der Röte warf sich auf die grauen Kalksteinwände des Kamor , da hub sich auch in Ekkehards Seele ein Leuchten und Glänzen , - die Gedanken flogen hinüber ins ferne Hegau und weiter , es war ihm , als säße er wieder bei Frau Hadwig auf dem Hohenstoffeln wie damals , als sie des Hunnen Cappan Hochzeit feierten , als käme Audifax mit Hadumoth aus der Hunnennot heimgeritten , als säh ' er das Glück in Gestalt jener zwei verkörpert , und aus dem Schutt vergangener Zeit tauchte auf , was der sinnige Konrad von Alzey ihm dereinst von Walthari und Hiltgunde erzählt , mit Sang und Klang zog der Geist der Dichtung bei ihm ein , er sprang auf und tat einen Satz in die Luft , daß der Säntis seine Freude an ihm haben mochte : » Im Bild der Dichtung soll das arme Herz sich dessen freuen , was ihm das Leben nimmer bieten kann , an Reckenkampf und Minnelohn , - ich will das Lied vom Walthari von Aquitanien singen ! « rief er der scheidenden Sonne zu , und es war ihm , als stünde drüben in der Gemsenlucke zwischen Sigelsalp und Maarwies glanzumwallt der Freund seiner Jugend , der Meister Konrad , und winke ihm mild lächelnd herüber und spreche : » Tu ' s ! « Und Ekkehard ging fröhlich ans Werk . » Was bei uns geschieht , muß recht geschehen oder gar nicht , sonst lachen uns die Berge aus « - so hatte der Senn eines Tages zu ihm gesprochen , und er hatte beifällig dazu genickt . Der Handbub ward ins Tal geschickt , Eier und Honig zu holen , da bat ihn Ekkehard für einen Tag bei seinem Meister frei und gab ihm einen Brief nach Sankt Gallen an seinen Neffen . Er schrieb ihn in damals üblicher dort wohlbekannter Stabrunenschrift269 , damit ihn kein Unberufener lese . Darin aber stand : » Dem Klosterschüler Burkard Heil und Segen . Der du ein Augenzeuge von deines Oheims Leid gewesen , wisse zu schweigen . Und wo er weilet , frage nicht - Gottes Hand reicht weit . Du hast im Procopius270 gelesen vom Vandalenkönig Gelimer ; da er im numidischen Gebirg ' eingeschlossen saß und sein Elend groß war , heischte er von den Belagerern eine Harfe , seinen Schmerz zu versingen . Gedenke dabei deines Ohms und wolle dem Überbringer eine eurer kleinen Harfen mitgeben und etliche Bogen reinen Pergamentes samt Farbe und Rohrfeder , denn mein Herz ist wohlgemutet zu singen in der Einsamkeit . Verbrenne das Blatt . Die Gnade Gottes sei mit dir ! Leb ' wohl ! « » Mußt schlau und fürsichtig sein , als wenn du eines Adlers Nest beschleichen wolltest , um die Jungen auszuheben « , sprach Ekkehard zum Handbuben . » Erkunde den Klosterschüler , der mit dem Wächter Romeias war , da die Hunnen kamen , dem entbiete den Brief . Sonst soll niemand drum wissen . « Der Handbub legte den Zeigefinger auf die Lippen : » Bei uns wird nichts verplaudert ! « sprach er , » Bergluft macht still . « Nach zwei Tagen kam er wieder bergan gestiegen . Er packte den Inhalt seines Tragkorbes vor Ekkehards Höhle aus . Eine kleine Harfe war unter grünen Eichzweigen verborgen , dreieckig , der Gestalt des griechischen Delta nachgebildet , mit zehn Saiten besaitet , Farbe und Schreibgerät dabei und viel Blätter saubern weichen Pergamentes , sorgsam waren die Linien drein punktiert , daß die Buchstaben gerade und eben drauf zu stehen kämen . Aber der Handbub sah finster und trotzig drein . » Hast ' s brav gemacht « , sagte Ekkehard . » Ein zweites Mal lass ' ich mich nicht mehr dort hinunterschicken « , murrte der Bub und ballte die junge Faust . » Warum ? « » Weil dort keine Luft geht für unsereins . Im Stüblein der Wandersleut ' hab ' ich mir den Schüler erkundet und hab ' den Auftrag bestellt . Hernach aber wollt ' ich erschauen , was das für eine heilige junge Zunft sei , die dort in Kutten zur Schule geht , und bin in den Klostergarten gegangen , dort haben die jungen Herren mit Würfeln gespielt und Wein getrunken , es war ein Ergötzungstag271 . Da hab ' ich zugesehen , und wie sie Steine nach dem Ziel warfen und das Stockspiel trieben , hab ' ich laut auflachen müssen , weil alles schwach und spottmäßig war . Und sie wollten wissen , warum ich lache , da hab ' ich einen Stein gegriffen und hab ' ihn zwanzig Schritt weiter geworfen als der beste von ihnen , und hab ' gesagt : Was seid ihr für Wachholderdrosseln , wollt ein rechtschaffen Spiel spielen und habt lange Kutten an , euch kann ich ja nicht einmal zum Hosenlupf ausfordern oder zu einem gehörigen Schwingen : euer Sach ' ist nichts ! Da sind sie mit Stöcken auf mich los , aber den nächsten hab ' ich gegriffen und durch die Lüfte geworfen , daß er ins Gras flog wie ein flügellahmer Bergrabe ; und sie erhoben ein groß Geschrei und sagten , ich sei ein grober Bergbub , ihre Stärke sei Wissenschaft und Geist . Da hab ' ich wissen wollen , was der Geist sei , und sie sprachen : Trink ' Wein , dann schreiben wir dir ' s auf den Rücken ! Und der Klosterwein war gut , ein paar Krüge hab ' ich ihnen weggetrunken , dann haben sie mir etwas auf den Rücken geschrieben , ich weiß nimmer , wie ' s zuging