Paar mißtrauisch an und mäßigte seinen Gang , so daß er Christinen , die jetzt auf das Dorf vor ihnen zuschritt , immer auf dem Fuße folgte . Friedrich sah nach , und die Begegnung wollte ihm nicht recht gefallen ; doch schien sie auch keine ernste Besorgnis einflößen zu können . Seine Augen begleiteten Christinen , bis sie in dem Dorfe verschwunden war : auch ihren Nachfolger verdeckten jetzt die Häuser . Er legte sich auf den Rücken zurück , sah in das falbe Laub und durch dieses zum blauen Himmel empor . Dabei vergegenwärtigte er sich , wie Christine auf ihre Suppe wartete , wie sie dann dieselbe empfing und wie sie sich endlich mit der gefüllten Flasche auf den Weg machte . Jetzt mußte sie wieder an den äußersten Häusern erscheinen : er sah hin , aber er hatte die Zeit zu kurz gemessen und sich verrechnet . Er legte sich wieder zurück und wartete geduldig ; er hatte ja das Warten gelernt ; aber endlich deuchte es ihm doch ziemlich lang . Er sah wieder hin : sie kam noch nicht . Nun zählte er bis auf eine bestimmte Zahl , die er sich vornahm , und da er zu schnell gezählt zu haben glaubte , so wiederholte er dieses Geduldspiel ein paarmal , jedoch umsonst . Endlich zählte er ununterbrochen und langsam , wie er meinte , bis auf hundert fort : Christine kam nicht . Jetzt begann es ihm unheimlich zu werden . Er stand auf und ging sachte auf das Dorf zu . Schon war er in die Nähe desselben gelangt , als er eine beträchtliche Menge bewaffneter Mannschaft , welche bei der Unsicherheit der Zeit in jeder Gemeinde schnell auf den Beinen war , herausdringen sah . Die einen waren mit Flinten , die anderen mit Spießen oder Prügeln versehen , und ihre Blicke ließen ihn nicht im Zweifel , wem dieser Ausfall gelte . Während sie sich rasch gegen ihn in Bewegung setzten , entsprang er in das Feld . Sie verteilten sich und suchten ihn einzukreisen , aber seine Schnellfüßigkeit hatte ihn bald in dem Dickicht des Waldes am Teckberge ihrer Verfolgung entzogen . Er schlug sich die Kreuz und Quere durch das Holz , bis er von einer sicheren Stelle auf den Boden , den er hatte räumen müssen , hinunterspähen konnte . Nicht lange , so sah er jenseits des Dorfes Bewaffnete , die ein Weib in der von ihm und Christinen beabsichtigten Richtung in ihrer Mitte führten . Er konnte nicht zweifeln , daß sie es sei , und konnte sich ' s ausmalen , wie der Mann , dem sie begegnet , die Anzeige gemacht hatte , sie gehöre zu einem verdächtigen Kerl , der sich nicht ins Dorf hereintraue . Seinen Namen hatte sie gewiß nicht angegeben , aber ohne Zweifel ihre Heimat , und wurde jetzt bis nach Göppingen von einer Streifmannschaft der anderen übergeben . Er knirschte , biß sich in die Finger , daß seine Zähne blutige Spuren hinterließen , und blickte anklagend gen Himmel . » Also keine Ruh , keinen Frieden ! « rief er , » wiederum hast du mich in die Wüste geworfen ! « Dann machte er in Gedanken auch Christinen Vorwürfe , daß sie so ungeschickt gewesen sei , sich fangen zu lassen . Endlich schüttelte er sich unmutig , als ob er alle Gemütsbewegungen , mit welchen er sich vergebens peinigte , zu Boden werfen wollte . Mit einer gewaltsamen Kraft arbeitete er sich durch die Gebirgswälder hindurch , und das Gestrüpp krachte unter seinen Händen und Füßen , bis er endlich , halb erschöpft , abgelegene Pfade einzuschlagen wagte , die ihn in weiten Krümmungen seinem Ziele näher führten . Der Tag hatte sich tief geneigt , als er auf diesen verborgenen Umwegen , todmüde vor Hunger und Anstrengung , auf einer vorspringenden Höhe herauskam und unter sich in der Breite des Tales die Stadt liegen sah , von wo aus er so oft in die Gefangenschaft gesendet worden war und wo nun auch Christine abermals ihr Schicksal erwarten sollte . Ihr freundlicher Anblick stimmte schlecht zu der Unglücksbedeutung , die sie für ihn und die Genossin seines irren Lebens angenommen hatte . Seine Blicke , von Erschöpfung verschleiert , schweiften unstät in die dämmernde Landschaft hinaus . Plötzlich taumelte er zurück , von einem Schreck ergriffen , der ihm das Blut in den Adern stocken machte . Was war es , das ihm vor die Augen getreten war ? Es sah aus wie der Schatten eines aufgehobenen Riesenfingers . Mit einer wilden Aufraffung kämpfte er den Schrecken nieder , rieb sich die Augen aus und sagte laut und zornig , während ihm doch die Stimme bebte , vor sich hin : » Dummes Zeug , es ist ja nichts als der Staufen . « Der wunderschlanke Berg war ihm einen Augenblick zum Schreckgespenst geworden . Auch mit ihm glaubte er in seinem anklägerischen Wahne rechten zu dürfen . » Was willst du mich warnen ? « fragte er ; » bin ich denn auf bösen Wegen ? Ich will ja nur bei meinem Weib und meinen Kindern sein ! « Er lachte verächtlich . » Ist just die rechte Zeit zum Gespenstersehen « , sagte er . » Gespenster hätten jetzt gute Gelegenheit , mir Gesellschaft zu leisten . Nur herzu , wenn ' s beliebt . « Er warf sich zu Boden und rang mit der Empörung seiner Pulse und seiner Gedanken , bis endlich ein später Schlaf sich des gehetzten Wildes erbarmte . 29 Der Amtmann von Ebersbach saß im Armstuhl vor seinem Schreibtisch zurückgelehnt , so daß sein Schlafrock von Damast mit großen Blumen auseinandergefallen war und die lange goldbordierte Weste nebst dem goldenen Uhrgehänge über dem stattlichen Leibe sehen ließ . Er war bis zu den seidenen Strümpfen und den Silberschnallenschuhen herab so vollständig angekleidet , daß er nur den Schlafrock wegzuwerfen und in den Tressenrock zu schlüpfen brauchte