, halb orientalisch gekleidet , in raffinirter Berechnung auf die Erregung der Sinne , - ein griechisches Mädchen von wunderbarer Schönheit , - Nausika , die geraubte Tochter des Räubers und Mörders Janos , des Kameeltreibers , die Tochter des blutigen Feindes der Moslems , dessen kühne That einst die Gräuel von Chios gerächt hatte ! Der Leser wird sich erinnern , daß der Musselim von Tschardak das sechszehnjährige Mädchen kurz vor ihrer Hochzeit aus dem Hause ihres abwesenden Vaters mit Gewalt geraubt hatte , um sie seinem Gönner , Mehemet Ali , in Stambul zum Geschenk zu machen , und daß dieser Raub es war , welcher Janos auf ' s Neue zum Krieg gegen die Moslems trieb und ihn zum Schrecken Smyrna ' s machte . Mehemet , dessen Haus die Schwester des Sultans streng beherrschte , hatte die reizende Sclavin durch seine Frau der Sultana für den Harem seines Schwagers übergeben lassen , und diese beschlossen , sich in der Sclavin eine Anhängerin und - beim Verblühen der eigenen Reize - ein Mittel zu schaffen , auf die Sinne des Sultans zu wirken und seine Neigung in der Gewalt ihrer eigenen Interessen zu behalten . Zugleich war sie klug genug , einzusehen , daß hier selbst bei aller Schönheit des Mädchens das Gewohnte nicht fesseln und reizen könne , da der Harem der schönen Frauen so viele barg , sondern daß es galt , einen außergewöhnlichen Eindruck auf die Sinne des Gebieters hervorzubringen . Sie fiel auf den Gedanken , die griechische Sclavin während ihrer Gewöhnung zu den Sitten des Harems durch einen italienischen Tänzer ausbilden zu lassen , und diesem war es gelungen , in der Frist eines Jahres aus dem bildsamen Mädchen eine üppige orientalische Pepita zu schaffen . Zugleich vergaß in den Lockungen des Ehrgeizes und Wohllebens die Griechin Familie , Glauben und Vaterland , gleich der ersten Liebe zu dem entrissenen Bräutigam , und während ihr Vater auf den Bergen Anatoliens mit blutiger Hand ihren Raub an den Bekennen , des Propheten rächte , war die Tochter bereits die gefügige Odaliske des Harems , die sinneberauschende Alme geworden , die - bisher sorgsam vor den Augen des Großherrn verborgen - heute ihr erstes Debüt machen sollte . Mit der Raffinerie der Wollust war die junge Tänzerin gekleidet , verhüllend und entblößend - lockend und verheißend ! Um das dunkelbraune , fessellos über den Nacken fallende Haar , worin lange Schnüre von kleinen Goldmünzen eingeflochten glänzten , war ein duftender Kranz von damascener Rosen geschlungen . Große blaue Augen unter dunklen Brauen und der üppig aufgeworfene Mund predigten Lüsternheit und Sinnenrausch . Die antik schöne Nase und das Oval des Gesichts mit seinem reizenden weiß und rothem Teint bildeten ein äußerst liebliches Bild des Kopfes , der auf schlankem Hals und üppig geformter Büste saß , die von einem weit bis zur Herzgrube ausgeschnittenem Mieder von drap d ' argent gegen die legère orientalische Sitte zur schlanken Taille eingeschnürt war . Um die breiten beweglichen Hüften bauschte ein schwarzer spanischer Seidenrock , kaum bis zum Knie reichend , während aus der Hülle der zahlreichen weiten Unterkleider von weißem Spitzengrund die klassische Form des völlig nackten Beines sich hervorstahl , dessen zierlicher Fuß allein mit fleischfarbenen Seidenschuhen bekleidet war . Eben so von der Achsel ab , wo sie eine kurze schwarze Spitzendraperie einschloß , entblößt waren die Arme , an den Handgelenken mit breiten goldenen Bracelets geziert . Ein Strauß frischer Blumen , Rosen und Camelien schmückte und schloß den Ausschnitt des Busens . Die rechte Hand mit der Castagnette über das reizende Haupt erhoben , die linke stolz auf die breite Hüfte gestemmt , stand die Tänzerin in malerischer Stellung einige Augenblicke vor den erstaunten Augen des Großherrn . Dann erklangen die rauschenden Töne eines spanischen Tanzes , von Flöte und Violinen vorgetragen , die draußen im Divan-Hane , dem Vorzimmer , postirt waren , durch die Vorhänge der Thüren herein dringend , und im kecken Sprunge flog die Alme auf den Padischah zu , den einen Fuß aus der neidischen Hülle üppig-graciös den von den unerwarteten Reizen entflammten Augen entgegenwerfend . Dann in jenen Windungen und Geberden , die so reizend das wollüstige Verlangen und Empfinden des spanischen und italienischen Tanzes ausdrücken , - in denen der Oberkörper schmachtet und lockt , während von der Taille ab der untere Theil in glühendem Feuer sich zu erschöpfen scheint , oder in den Sprüngen bacchantischer Lust tobt und rast , - bald dem Padischah nahend , bald sich wieder von ihm nach dem frischen , aufregenden Takt der Musik entfernend , schien die Tänzerin alle Leidenschaften herauszufordern und ihr keckes Spiel mit ihnen zu treiben , bis zuletzt mit der endenden Musik sie in einer reizend lockenden Attitüde am Boden knieete . Der Padischah war bei dem Ende des Tanzes empor gesprungen ; seine sonst so theilnahmlosen Augen flammten mit verzehrendem Blick auf die schöne Erscheinung . Selbst die verachteten Halbmänner an seiner Seite schienen neu ermannte Wesen voll Verlangen und Erregung : - mit raschem Schritt - vom glühenden , Triumph strahlenden Blick der Sultana verfolgt - trat er auf die Knieende zu und hob das seidene Schnupftuch , um selbst mit eigener Hand das Amt des Kislar-Aga zu vollziehen und ihr Haupt damit zu bedecken , das Zeichen , daß die Wahl auf sie gefallen , an diesem Abend sein Lager zu theilen . Da scholl ein schmerzlich gellender Schrei , wie aus zerrissenem Herzen grell durch das Gemach und fesselte seine Hand . Auf dem Divan lag marmorbleich die schöne Gestalt Mariam ' s in Ohnmacht . Während die Frauen mit Nursädih herbei eilten und sich um die Mingrelierin drängten , stand der Sultan einige Augenblicke stumm und unentschlossen , - sein Blick hatte die Geliebte erkannt , - dann legte er die Hand wie sinnend an die Stirn , die Röthe verließ das Antlitz , die leidenschaftliche Gluth der sinnlichen Erregung das Auge , und er wandte sich , ohne