lenkte er die Rosse , und wer freundlich den stattlichen Fuhrmann grüßte , erhielt freundlichen Dank . Das Mitleid mit dem Mädchen gewann die Oberhand , er bedauerte es von Herzensgrund , die Roheit des Alten verwand er ; so ein Mensch habe keinen Verstand , dachte er , und wie man mit einem rechten Menschen umgehe , das wisse er nicht . Es freute ihn , daß er keinen besondern Ärger erzeigt , sondern fest geblieben war bis hundert Schritte vom Hause weg , und mehr war ihm doch auch nicht zuzumuten . Aber eins stund ihm fest , daß die Sache aus und ab sei ; es war ihm , als tue sich ein unendlicher Abgrund auf zwischen dem Dorngrüt und ihm , als seien die vergangenen Tage eine versunkene Welt , die er nur noch im Traume betrachten könne , die mit seinem zukünftigen Leben nicht zusammenhingen . Daß es so war , tat ihm weh , denn wen schmerzt das Herz nicht , wenn was Liebes zu Grabe geht , wer trauerte nicht in tiefster Seele , wenn die Sonne ihm aufgegangen wäre , und sie versänke , Nacht wäre es wieder und keine Hoffnung da , daß die Sonne wieder käme ? Und wenn an einem solchen Grabe ein Mann steht , so träufelt wohl Träne um Träne nieder , aber ins Grab stürzt er sich nicht nach , eine starke Hand hält ihn oben : es ist der Glaube , daß nichts aus Zufall kömmt , sondern alles aus der väterlichen Hand dessen , der die Sterne ihre Bahnen führt und die Haare auf unserm Haupte hütet . Die Brust zerschlägt er sich nicht , die Haare zerrauft er sich nicht , klagt als Mörder , als Ursache des Todes sich nicht an . Wenn sein Tun ein überdachtes war und seine Versuche nach dem Maße seiner Kräfte , dann sind Selbstanklagen nichts als Zeugen eines unklaren Verstandes , eines kindischen Gemütes , welches dem einmal Verhängten sich nicht fügen will , welches nie dahin gelangt , Recht und Unrecht nicht nach dem Erfolge zu messen , sondern als Dinge , die für sich bestehen . So ward es Resli auch mehr und mehr ; je ruhiger er wurde , je bestimmter er seinen Verlust erkannte und fühlte , um so weniger plagten ihn Zweifel über sein Tun . Er hatte nicht anders handeln können , er hatte sich nicht nur so ausgesprochen , sondern es war auch das Rechte , was er gesagt , und dieses Rechte beugt sich nicht nach den Umständen , es ist nicht ein Bohnenstecken , den man abbrechen kann , wenn er zu lang ist , auch nicht eine Summe Geldes , an der man märten kann , wo es endlich für den , der es hat und dem an einem Handel etwas gelegen ist , auf ein Stück mehr oder weniger nicht ankömmt , wenn nur der Handel richtig wird . In diesem Rechttun ohne Märten und ohne Beugen liegt ein unendlicher Trost , es fordert aber auch eine große Kraft , es ist das Ausharren und Getreusein bis ans Ende , es ist das Aufgeben des Wahnes , daß man mit Ducken und Klügeln , auf selbstgewählten Wegen wie auf ebener Bahn an ein seliges Ziel gelangen könne , es ist das Aufgeben des Wahnes , daß man weiser als Gott sei und seines eigenen Glückes Schmied in des Wortes falscher Bedeutung . Wohl wird es sehr oft schwer der menschlichen Klugheit und der menschlichen Schwäche , weil wir in unserer Kurzsichtigkeit für uns und Andere das Ärgste bei dem strengen Festhalten des Rechts fürchten , und so oft ist doch eben in diesem Rechttun ohne Märten und ohne Beugen unsere und Anderer Rettung , wo wir in unserer Kurzsichtigkeit das Gegenteil gefürchtet . Wenn wir aber märten und uns beugen , so kommt es sehr oft ganz anders , als wir gemeint , und das Märten und das Beugen wird uns zum Mühlstein , den wir uns selbst an den Hals gebunden , und dann , wenn wir ob Märten und Beugen versinken , wo das Meer am tiefsten ist , was haben wir für einen Trost ? Ihr Rechtsgelehrten , welche ihr den Zeitgeist anbetet , der eben nichts ist als ein solches Beugen vor dem eigenen Aberwitz , als ein Märten mit dem Teufel , sagt mir : mit dem Mühlstein um den Hals , was wächst uns für ein Trost empor aus dem Meere , wo es am tiefsten ist ? Da sind keine Äste , wo man wie ein Eichhörnchen von einem Aste auf den andern springen kann , wenn der eine oder der andere vom Winde zu stark geschaukelt wird ; da ist dann nichts mehr als unter uns das tiefe Meer und am Halse der Mühlstein . Dieser Trost kam allmählig immer mehr über Resli , er hatte aufrichtig und ehrlich recht getan , und nun in Gottes Namen ! Das kann aber der nie sagen , der gemeint , geglaubt , gedacht , gehofft , sich geduckt , gemärtet hatte und nun getäuscht wird , der Erfolg ein ganz anderer ist , als er gemeint , gedacht ; dem gehen die Worte » In Gottes Namen « nicht aus dem Munde , sie bleiben hängen auf der Zunge wie Fliegen im Karrensalb . Langsam und spät kam er nach Hause , und alle warteten seiner guter Dinge , hielten dieses Spätsein für gute Vorbedeutung , ja Annelisi redete schon von zu Bette gehen , denn er komme doch nicht heim , es wolle ihnen das für gewiß sagen und einen Meyenstock oder eine Halbe darauf wetten , mit wem da wolle . » Es gult « , sagte Christeli , » wennd auch zahltest , wasd vrlörest , aber du hast ja nie kes Geld . Resli kömmt so gewiß heim , als Heu nicht Stroh ist . Es ist möglich , daß der Bauer da unten im