« sagte die Base und wischte die nassen Backen ab . » Wenn ich gewußt hätte , daß es dir nur da fehle , auf ein Müntschi mehr oder weniger wäre es mir doch gewiß nicht angekommen . Aber warum sagst du es nicht ? Unsereins kann doch wahrhaftig nicht an alles sinnen . « Uli sagte , er hätte das verdienet , es geschehe ihm recht und er hätte gedenken sollen , daß es ihm so gehen werde . Aber wenn es in ihn hineinsehen könnte , so würde es sehen , wie lieb er es hätte und wie aufrichtig er es meine . Er wolle sich nicht entschuldigen , er habe schon mehrere Male ans Wyben gesinnet , aber lieb gehabt habe er Keine wie ihns . Aber er wolle es nicht zwingen , er müsse in Gottes Namen sich gefallen lassen , was sein Wille sei . » Du hörst es ja , « sagte die Base . » wie lieb er dich haben will ! Komm , nimm dein Glas und mach Gesundheit mit Uli und versprich ihm , du wollest die Lehenfrau in der Glunggen werden . « Vreneli stund auf , nahm sein Glas , machte Gesundheit , aber versprach nichts , sondern bat : Man solle ihns nur heute noch ruhig lassen und nichts mehr davon sagen ; morgen wolle es den Bescheid geben , wenn es sein müsse . » Du bist ein wunderliches Gret , « sagte die Base . » He nun , Uli , so spann an , sie werden daheim nicht wissen , wo wir bleiben . « Draußen flimmerten die Sterne im dunkelblauen Grunde , weiße Nebelwölkchen schwebten über feuchten Matten , einzelne Streifen hoben neugierig an Talwänden sich auf , laue Winde wiegten das matte Laub , hie und da läutete eine auf der Weide vergessene Kuh ihrem vergeßlichen Meister , hie und da schickte ein übermütig Bürschchen sein Jauchzen weit über Berg und Tal . Die Bewegungen des Tages und des Fahrens rüttelten die Base in tiefen Schlaf , und Uli hielt mit gespannter Kraft den wild ausgreifenden Kohli in ziemlichem Laufe ; Vreneli war alleine in der weiten Welt . Wie weit am fernen Himmel die Sterne schwammen in des unermeßlichen blauen Meeres schrankenlosem Raume , jeder für sich in einsamer Bahn , so fühlte es sich wieder das arme , einsame , verlassene Mädchen im großen Weltengetümmel . Wenn es fort war von Base und Vetter , wenn sie gestorben waren , so hatte es niemand mehr auf der Erde , kein Haus , wohin es sich flüchten konnte in kranken Tagen , keinen Menschen , dem es etwas klagen konnte , kein Auge , das mit ihm lachte , mit ihm weinte , keinen Menschen , der einmal weinte , wenn es sterben sollte , ja vielleicht keinen , der seinen Sarg begleitete bis zu dem engen , kalten Hause , das man ihm endlich doch gewähren mußte . Allein war es , einsam und verlassen sollte es durch das Weltgetümmel bis zu seinem einsamen Grabe auf langer Wanderung , vielleicht durch viele viele einsame Jahre , gebeugter , mut- , kraftloser von Jahr zu Jahr , ein alt , verwittert , verachtet Wesen , dem kaum jemand Herberge mehr gab , wenn auch um Gotteswillen dafür angesprochen . Neues Weh zuckte ihm im Herzen , Klagen wollten aufquellen : warum doch wohl der Vater , der gute , der die Liebe heiße , so arme Kinder leben lasse , die niemand hätten auf der Welt , die in der Kindheit verstoßen würden , in der Jugend verführt , im Alter verachtet ? Da begann es doch zu fühlen , daß es sich an Gott versündige , der ihm viel mehr gegeben als Vielen , der seine Unschuld behütet bis auf diesen Tag , es so gestaltet , so hatte werden lassen , daß ein reichlich Auskommen ihm sicher schien , wenn Gott seine Gesundheit erhielt . Es begannen ihm aufzutauchen , wie aus dem Nebel die Hügelspitzen und die Kronen der Bäume , die Liebeszeichen , die Gott augenscheinlich über sein Leben ausgestreut , wie es behütet worden hier und dort , wie es viel heiterere Tage genossen als viele viele arme Kinder und wie es auch Leute gefunden , viel bessere als andere Kinder , die , wenn sie es auch nicht wie Vater und Mutter an ihre Herzen nahmen , ihns doch auch lieb gehabt und so erzogen , daß es vor alle Leute treten durfte mit dem Gefühl , daß man ihns für einen eigentlichen Menschen ansehe . Nein , klagen durfte es nicht über den guten Vater droben , es fühlte , daß dessen Hand ob ihm gewesen . Und war seine Hand nicht noch jetzt über ihm , war sie nicht auch heute über ihm ? Hatte er sich wohl über das arme , einsame Meitschi erbarmet ? Hatte er den Ratschluß wohl gefaßt , weil es getreu geblieben bis dahin und von der Sünde sich unbefleckt zu erhalten gesucht , nun auch seines Herzens Sehnen zu stillen , ihm eine treue Brust zu geben , an die es sein Haupt lehnen konnte , etwas Eigenes , damit einst jemand weine bei seinem Tode , jemand es begleite auf dem trüben Wege zum schaurigen Grabe ? War das wohl Uli , der getreue , vielgewandte Knecht , den es so lange schon in verschwiegenem Herzen geliebt , dem es nichts vorzuhalten wußte als seine Verirrung mit Elisi , daß er auch von dem Wahn ergriffen worden , das Geld mache glücklich , der so treu und ehrlich sein Herz dargetan und seinen Fehler bereute ? War es nicht eine eigene Fügung , daß sie sich Beide getroffen gerade an diesem Orte , daß Uli nicht früher fortgekommen , daß Elisi habe heiraten müssen , daß der Base der Wunsch komme , das Gut Uli in Lehen zu geben ? Hatte das alles sich nicht recht wunderbar