den geringsten Werth hätte ! - Aber Ihr fürchtet Euch dort alle vor einander , so daß Ihr aufhört , die rechte Gottesfurcht zu haben ; darum werdet Ihr zuletzt verzagt , und Euer Herz geräth in Siechthum ! Leonin , « sagte sie , » Du armer Lieber , da haben sie Dich auch zum Sündigen gebracht . Denn sieh ' , eine Sünde hast Du begangen , daß Du vor dem Könige nicht Dein göttlich Recht behauptetest und ihm sagtest , wie Du ein Weib habest ! Ehe Du von seinem Rechte gewußt , habest Du sie durch göttliches Recht empfangen und könntest deshalb nicht weiter zu ihm gehören , als so weit sie dies auch könne . Denn da sei Gott vor , daß ich mit zu Felde ziehen wollte , wie keine christliche Hausfrau das wollen wird ! Nein , wenn Du ein Krieger wärest , wie die Makkabäer , im Dienste für Dein Vaterland , da wüßte ich , ohne daß ich den König zu fragen hätte , wohin ich gehörte ; - aber siehe , das bist Du nicht . Einen Posten giebt er Dir , von dem mir Lesüeur sagt , wie klein und nichtig er ist ; ein müßiger Dienst , in welchem Du nicht einmal so wichtig bist , als unsere eigenen Diener uns sind . Und das , glaubst Du , sei ziemlich und recht und ein Dienst für einen Mann , für einen Vasallen des Königs , wie Du vorher so schön sagtest , wonach ich hoffte , Du müßtest auch mächtig und fleißig für Dein Vaterland handeln ? « Wie sollen wir ausdrücken können , was Leonin empfand bei dieser feurigen Strafrede ! Es war fast dasselbe , was er vor seinem Vater empfunden hatte - hier , wie da stieß er auf eiserne , unerschütterlich fest stehende Ansichten , die auch keinen Blick gestatteten in die ihnen entgegenstehende Welt . Dasselbe Gefühl der Unmöglichkeit , zu jenen Zuständen eine duldende Ueberzeugung einzuflößen . Eine Verzweiflung , nie verstanden oder entschuldigt werden zu können , ergriff ihn , Fennimor gegenüber , mit einem Zürnen verbunden , welches in ihrer , ihm nach gerade überredeten , unberechtigten Stellung zu ihm lag - in der Beschämung , mit der er Verhältnisse , die er herbei zu führen , sein ganzes besseres Selbst geopfert hatte , jetzt als gering und unwürdig bezeichnen und sein ganzes Treiben ein von Gott abtrünniges nennen hörte . » Fennimor , Fennimor , « sagte er mit einem kalten Lächeln der Ueberlegenheit , » Du hast Dir bei Deinem untergebenen Lesüeur das Predigen angewöhnt ! Mir deucht , Du nimmst die Dinge sehr streng . Denkst Du wohl daran , ob Du überall dazu berufen und ob Du mir gegenüber , in derselben Stellung bist ? « » Ach , « sagte Fennimor , deren alte Energie , noch von körperlicher Schwäche gebunden , schnell erschöpft war , plötzlich weich und gebrochen in sich zusammen sinkend , » Du hast Recht , das ist eine gar verkehrte Welt , in der das schwache Weib ihren Herrn schilt ! Wie hätte ich daran gedacht , als ich es Lesüeur that , Aehnliches könnte mir bei Dir einfallen - wie traurig ist das , und wie tief sinkt mir dabei der Lebensmuth ! Hindere das , « sagte sie dann mit schwacher Stimme , » mache Alles , damit wieder Trost in mein Herz kommt , und ich nicht so arge Furcht für Deine Seele hegen muß ! « Sie winkte Emmy Gray , die eben am Eingange des Schlosses erschien , und wankte an ihrem Arme mit bleichen Lippen und trostlosen Augen nach ihrem Schlafzimmer . Leonin aber ließ sie dahin gehen , ohne ein mildes Wort , ohne sie zu stützen , ohne sie anzublicken oder ihr zu folgen . Er blieb unbeweglich sitzen , er durchwühlte nicht mehr den Rasen - das Kains-Zeichen brannte auf seiner Stirne - aber der schwache Geist hatte keine andere Rettung , als den forttreibenden Ruf der Sünde : es ist zu spät - es ist Alles verloren ! Von da blieb Fennimor still und in sich gekehrt . Ihre Kräfte kehrten nicht in dem Maaße wieder , als es anfänglich zu erwarten stand . Sie sah Leonin oft an wie eine Mutter , die fürchtet , ihr Kind werde erkranken - aber sie sagte nichts mehr , der Vorwurf , daß sie ihren Herrn gescholten , den sie selbst sich stärker gemacht hatte , als Leonin für möglich gehalten , machte sie schüchtern und zurückgezogen . Ihre körperliche Schwäche unterdrückte dabei ihren lebhaften Geist ; ihr Kind versenkte sie in eine Welt , unschuldig und lauter , ohne jede Störung ihres frommen Sinnes ; - und so fand Leonin die augenblickliche Schonung , die er immer suchte , wenn auch zugleich keine Gelegenheit , sich frei zu machen , den Absichten gemäß , die er mitgebracht . Da unterbrach diese schwüle Luft , die um Beide wehte , ein Brief seiner Mutter , mit einer Einlage des Marquis Vieuville , welcher die Rückkehr Leonin ' s , Seitens der Königin befahl . Die Marschallin fügte hinzu , daß der Marquis de Souvré sich endlich habe bewegen lassen , ihn von Ste . Roche abzuholen , und ihrem Briefe voraneilen oder folgen werde , um jene Angelegenheit zu beendigen . » Ach , « seufzte Leonin auf - » jetzt muß ich fort ! das ist nicht aufzuhalten , und Souvré wird das Uebrige einleiten ! « Er wollte Fennimor sogleich Alles mittheilen und ging nach ihren Zimmern ; aber als er eintrat , saß sein schönes junges Weib da , so lilienweiß von Angesicht , wie die weiten , faltenreichen Gewänder , die um sie her flossen , und ihr Kind lag schlummernd in ihrem Schooße . Sie lächelte dem Wunder dieser kleinen zarten Bildung entzückt zu und als sie Leonin eintreten sah , winkte sie ihm und zeigte