Herzens wäre , Euch zu dienen , um nur Eure Nähe nicht zu entbehren . - Die Herzogin fühlte sich geschmeichelt , vor ihrem Sohne der Gegenstand von so vieler Liebe zu sein , und ungewöhnlich freundlich zog sie Maria zu sich und küßte ihre Stirn . Ihr seid ein liebes gefühlvolles Kind , sprach sie dabei , ich lege gleichfalls Werth auf Euern Umgang und sehe es gern , wenn Ihr mit uns geht . Maria ' s Herz unterlag hier . Sie sank vor ihr nieder , und ihre Hände ergreifend , rief sie flehend : O , in dieser glücklichen Stunde gebt mir Euern Segen , daß er auf meinem Haupte unwiderruflich ruhen möge ! Was auch mein dunkles Schicksal über mich verhängen möge , widerruft ihn nie ! Dann werde ich hoffen , daß ein guter Engel mir zur Seite bleibe . - Ihre Augen vergossen Thränen , und sie hatte etwas so unwiderstehlich Dringendes , daß die Herzogin ohne Widerstand die Hände auf ihr Haupt legte . Gott segne Euch , liebes Kind ! sprach sie dabei mit sichtlicher Ueberraschung . Aber laßt das , steht auf und seid nicht so heftig ! Ihr seid ohne Ursache so feierlich , als ob uns das jüngste Gericht bevorstände ; wir sollen stets über unsere Gefühle strenge Disziplin halten , gar leicht werden wir sonst bei geringen Veranlassungen davon überrascht . Maria stand auf und trocknete ihre Augen , sie fühlte die Ruhe des Todes . Mit dieser letzten Erschütterung schien ihre Seele ausgekämpft zu haben ; sie kam sich wie eine Sterbende diesen geliebten Menschen gegenüber vor ; sie konnte keinen Schatten von Hoffnung haben , je wieder mit ihnen vereint zu werden ; ihre Trennung schien ihr vollständig und unwiderruflich , wie durch den Tod . Aber dieses Ueberdenken ihres traurigen Geschicks gab ihr für den nächsten Augenblick alle Fassung wieder . Sie blickte auf zu Richmond , als er sich jetzt entfernte , und begleitete ihn mit ihren Augen , bis er in der Thür verschwand . Ich habe ihn zuletzt gesehn , sagte sie dann zu ihrem getödteten Herzen . Sie blieb , bis die alte Herzogin erschien , um ihre Schwiegertochter zur Abendgesellschaft abzurufen . Beide waren von Maria ' s Blässe überrascht und gönnten ihr , sich auf ihr Zimmer zurückzuziehn . Still küßte diese Beiden zum letzten Mal die Hand und ging dann langsam an der Versammlungshalle vorüber , aus der eine Heiterkeit schallte , die für sie nicht mehr vorhanden war . Als sie in ihr Zimmer trat , verabschiedete sie die gute getreue Errol und blieb dann allein , sich zu ihrem großen Unternehmen vorzubereiten . Sie hatte nur wenig Anordnung zu treffen ; alle gingen darauf hin , sie so unabhängig , wie möglich , von Membrocke zu machen . Sie legte ihre Juwelen und eine bedeutende Summe Geldes , die ihr aus den Wechseln ihres Taschenbuches mitgetheilt war , nebst einem zweiten vollständigen Anzug zusammen , kleidete sich selbst in ein festes Reisekleid und harrte dann , bis die Glocken des Schloßthurmes Neun schlugen . Dann stand sie auf und warf sich vor dem Betpult nieder , an dem sie nie wieder knien sollte ; aber fern von ihr war jede Erweichung . Ihre Züge schienen von Marmor , hoher Ernst ruhte auf ihrer Stirn , und die Freiheit der Seele , die aus einer klaren und unabänderlichen Anschauung des Pfades , den uns die Pflicht führt , entsteht , selbst wenn wir ihn mit Gefahren umstellt erblicken , diese ward ihr zu Theil und ließ sie erkennen , daß nach der Trennung von den ihr so theuren Menschen nichts mehr der Rührung werth sei . Sie flehte Gott um Schutz an : Meine Seele behüte und nimm sie in Deine Obhut ; gieb mir Kraft , daß ich zu Deiner Ehre vollende , was mir obliegt . Herr , Dein Wille geschehe ! Nach diesem kurzen Gebet stand sie auf , hüllte um Kopf und Schultern ihren weiten Mantel , ergriff ihr kleines zusammen gepacktes Eigenthum und eilte aus ihren Zimmern . Sie wußte die Gesellschaft noch beisammen und mußte jeden Augenblick ihr Auseinandergehen erwarten ; aber sie war fest entschlossen , es mit furchtloser Gleichgültigkeit zu wagen . Als sie , um die Gesellschaftshalle zu vermeiden , an welcher vorüber sie den Park auf kürzerem Wege erreichen konnte , durch die Gallerie ging , in der sie am Morgen die entscheidensten Augenblicke ihres Lebens durchkämpft hatte , dachte sie noch ein Mal mit tiefer Wehmuth an Ormond , und als sie an die Stelle gekommen , wo sie die Ergießungen seines edlen Herzens empfangen , blieb sie einen Augenblick gefesselt stehen . Da hörte sie vom Park her deutlich nahende Schritte und bald mehrere Stimmen . Ihre Lage ward schrecklich , den Nahenden wurden Windlichter vorgetragen , und der Fensterbogen , in den sie treten konnte , war so groß und vom Monde erleuchtet , daß ihre schwarze Gestalt bei dem flüchtigen Blicke erkannt werden mußte . Wie durfte sie aber an diesem Aufblick nach diesem Fensterbogen zweifeln , da sie unter mehreren Stimmen die des Lord Ormond erkannte , bei dem sie dasselbe Andenken an diesen Platz voraussetzen mußte . Doch blieb ihr keine Wahl , als dem Zufall zu vertrauen , und da die Nahenden sie jetzt erreicht hatten , drückte sie sich fest verhüllt in die Ecke des Fensters , mit starrer Erwartung des nächsten Augenblicks . Die Herren hatten den morgenden Jagdzug geordnet und sprachen von ihren Pferden . Richmond ging mit einem der Herren voran , und als er rasch an dem Fenster vorüber streifte , sprach er : Nein , Sir Francis , wählet , welches von meinen Pferden Euch ansteht , dies Pferd gehört Lady Melville , und ich hoffe , sie wird uns begleiten . Indem strich Ormond vorüber , aber das Haupt auf die Brust gesenkt , schien die Erinnerung des hier Erlebten viel zu