geben , als nur die Versicherung , daß sie außer Gefahr sei , und ich sollte froh sein , daß er auch mich in Sicherheit bringen wollte . Ich fragte ihn , ob ich nicht noch ein Mal nach unserer Wohnung zurück gehen könne , um meine Sachen abzuholen , die dort alle zurück geblieben waren . Er wurde hierauf recht grob und sagte , es sei ein Zeichen großer Dummheit , daß ich um der Lumpen Willen dahin zurück zu gehen dächte . Er besänftigte sich aber bald und befahl mir , ich sollte bis zum nächsten Abende zusammenrechnen , wie viel der ganze zurückgelassene Kram werth sei , er wolle ihn mir baar bezahlen , ich solle aber weder mich , noch ihn deßhalb unglücklich machen . Ich war damit zufrieden und fragte ihn nicht weiter nach unserm kleinen Herrn , denn ich dachte mir schon , daß er doch nicht aufrichtig antworten würde . Kaum aber hatte er das Haus verlassen , so fing ich an die alte Frau , die es bewohnte , mit Bitten und Thränen so lange zu bestürmen , bis sie selbst zu weinen anfing und mir zu helfen versprach ; denn da sie mich nicht recht verstand , so glaubte sie , der kleine Herr sei mein eigenes Kind , und ich ließ es geschehen , daß sie es glaubte , und gab gern zu , daß sie mich für eine leichtsinnige Dirne hielt , damit sie mir nur helfen möchte . In aller Frühe des nächsten Morgens drückte sie mir einen Hut tief in ' s Gesicht hinein , hing einen Schleier darüber , gab mir einen Mantel , und nachdem sie sich eben so angethan hatte , verließen wir das Haus , nahmen auf dem nächsten Platze einen Wagen und so ging es fort nach dem Dorfe . Gott , wie schlug mein Herz auf diesem Wege , theils aus Angst , daß man uns verhaften möchte , theils aus Verlangen nach dem lieben Kinde . Wir erreichten glücklich das Dorf , wir fanden das Haus , aber nur zu neuem Jammer . Die Pflegerin unsers kleinen Herrn lag im hitzigen Fieber , von dem Kinde war nichts zu sehen . Die Weiber , die die Kranke warteten , sagten mir , ein alter Herr habe am vorigen Tage das Kind abgeholt und es zu einer Dame in einen Wagen gehoben , die nach des alten Mannes Aussage die Mutter des Kindes gewesen sei . Ich dachte einen Augenblick , Sie selbst hätten Ihr Kind abgeholt , aber ich besann mich bald , daß es nicht so sein könnte , denn Sie würden auch mich wieder zu sich genommen haben , wenn Sie frei gewesen wären . Es war nun nichts weiter zu thun , als den Rückweg mit Thränen anzutreten und den Abend zu erwarten . Als es dunkel geworden , kam der alte Herr richtig , wie er es versprochen . Ich hatte indeß meine Rechnung für Lohn und Kleider gemacht , wie er es verlangt hatte . Er bezahlte mir Alles und schenkte mir noch hundert Franken zur Reise . Da ich ihn in so gütiger Stimmung sah , so wagte ich es , ihm mein Leid mit unserem Kinde zu vertrauen . Er wurde sehr böse und schalt auch die alte Frau , daß wir gegen seinen Befehl das Haus verlassen hatten ; als ihm diese aber , um sich zu entschuldigen , sagte , daß sie meinen Jammer und meine Thränen nicht mehr hätte mit ansehen können , weil ein Stein hätte durch meine Klagen bewegt werden müssen , da wurde er wieder sanftmüthig und sagte , da ich so große Treue für meine Herrschaft zeigte , so wolle er die Unbesonnenheit vergeben , und übrigens müsse ich zu meinem Troste glauben , daß Gott ein unschuldiges Kind nicht würde untergehen lassen , wenn ich es auch nicht mehr bei seiner Pflegerin gefunden habe . Das war alles , was ich mit Bitten und Flehen über den kleinen Herrn erfuhr , und ich mußte nun mit dem unbekannten Herrn fort , der mich zu meiner neuen Herrschaft brachte , die beinah kein Wort mit mir sprach . Mit dem frühesten Morgen ging es aus Paris hinweg . Wir reisten Tag und Nacht , bis wir Gießen erreichten . Hier ließen sie mich zurück , und ich hatte nicht einmal erfahren , mit Wem ich die Reise gemacht hatte . Weil ich mir den Fuß beschädigt hatte , mußte ich in Gießen einige Zeit bleiben , und da fügte es Gott , daß ich an meinen alten Professor gerieth . Wie ich mit dem verheirathet war , vertraute ich ihm unser ganzes Schicksal an , denn er war eine treue Seele und ich dachte , er würde vielleicht etwas auskundschaften können über Ihr Schicksal oder über unsern kleinen Herrn . Er schrieb nun nach allen Weltgegenden hin und hatte überall seine gelehrten Freunde , die ihm allerlei Lappalien meldeten , was sie ihre wissenschaftlichen Forschungen nannten , aber das , was mir am Herzen lag , forschte keiner aus . Die Schweizer schrieben ihm , der alte Herr Blainville und Ihre Frau Mutter wären todt ; von Ihnen wußte man nichts , und die Franzosen konnten von dem kleinen Herrn gar nichts ausspüren , und so mußte ich mich in Gottes Willen ergeben und dachte gar nicht mehr , daß ich Sie jemals wieder sehen könnte , und hier nun schenkt mir Gott die unvermuthete Freude . Und das bin ich doch eigentlich dem hiesigen Prediger schuldig , denn hätte er nicht in den Zeitungen bekannt machen lassen , daß ich mich hier einer Erbschaft wegen zu melden hätte , so wäre es mir wohl niemals eingefallen , diese Reise zu unternehmen , und wenn mein alter Professor noch lebte , so würde er auch nun einsehen , daß er Unrecht hatte , darüber zu lachen , wenn ich mir aus den Zeitungen nichts vorlesen ließ