sehr zarter Gestalt , anziehend und geheimnisvoll in seinen Manieren . Er ging lange Zeit im Haus der Witwe aus und ein , sie sollen gemeinschaftlich die heimlichen Versammlungen einer gewissen Sekte besucht haben , deren Grundsätze man eigentlich nicht kannte , kurz , er war erklärter Bräutigam ; aber niemand begriff , warum es mit der Hochzeit nicht vorangehn wollte , von der sich die Familie eines der glänzendsten Feste versprach . Indessen ward er veranlaßt eine sehr weit aussehende Reise in Geschäften nach Nordamerika zu tun , und nun zweifelte man gar nicht mehr , daß er die Verbindung in der Stille werde ausgehn lassen ; man bemitleidete die Braut , die ihn jedoch ganz ruhig und getrost sich einschiffen sah , und soviel man bemerken konnte , bald einen lebhaften Briefwechsel mit ihm unterhielt . Ich war zugegen , als einsmals eine Kiste mit ausgewählten Geschenken anlangte , welche die Lady mit einem feierlichen Wohlgefallen ausbreitete , wobei sie mir vertraute : es wäre dies die Morgengabe ihres Gatten . Ich verstand sie nicht und sie erklärte sich auch nicht deutlicher . Späterhin erst ward mir das Rätsel gelöst . Das wundersame Paar hatte sich nämlich verpflichtet , die Vermählung auf eine höchst mysteriöse und völlig geistige Weise vollziehen zu lassen . Indem sie so viele hundert Meilen durch Land und Meer geschieden waren , sollte jedes in seinem eignen Hause , zu einer und derselben Stunde , hier zwischen Aufgang , dort zwischen Untergang der Sonne , feierlich von zwei besondern Priestern eingesegnet werden . Nachdem also die Braut ganz im geheimen aufs festlichste gekleidet und mit Blumen geschmückt , welche man gegen die Morgendämmerung im Garten gebrochen , die halbe Nacht sich mit Gebet auf die wichtige Handlung vorbereitet hatte , erschien der Geistliche , von dreien Glaubensbrüdern begleitet . Ein kleiner Saal war sparsam erleuchtet , ein Tisch , worauf zwei Kerzen brannten , zum Altare aufgeputzt . Als nun der Geistliche in seiner Liturgie an die Stelle kam , wo im Namen des Abwesenden mit dem Ja geantwortet werden sollte , verlöschte plötzlich eins der Lichter von selbst , zum Erstaunen der Gegenwärtigen und zum größten Schrecken der Braut , die indessen dadurch getröstet wurde , daß man sie in diesem Zufall ein erfreuliches Zeichen sehen ließ ; sie richtete sich beruhigt von ihren Knieen auf und fühlte sich mit dem Geliebten innig und geheimnisvoll verbunden . Als man sie sofort allein gelassen , bestieg sie , der Vorschrift gemäß , ein hochzeitlich verziertes , mit süßen Wohlgerüchen besprengtes Lager , worin sie den Vormittag hinter dicht verschloßnen Fensterladen zubrachte . Mit was für Bildern sich ihre Träume beschäftigten , ob sie mit dem himmlischen Bräutigam oder dem irdischen verkehrt habe , laß ich dahingestellt sein - wahrscheinlich mit beiden zugleich , und keiner hatte somit Ursache zur Eifersucht . Genug von dieser tollen Zeremonie , deren raffiniert sinnliche Heiligkeit jeden empört . Merkwürdig bleibt nur , daß bald nachher die Nachricht vom Tode des Kaufmanns einlief . Er war , nach kurzem Krankenlager , einige Tage vor der Hochzeit gestorben , an welcher er , wenn man der armen Wachskerze glauben will , wenigstens geistweise teilgenommen . Was halten Sie von dieser Manifestation eines Abgeschiedenen , mein lieber Maler ? « Theobald lächelte und war im Begriff , zu antworten , als Margot und Nannette mit großer Bewegung ins Zimmer gelaufen kamen , und hastig ein Fenster öffneten , das gegen die Gartenallee hinaussah . » Um Gottes willen , hören Sie doch « , rief das Fräulein den beiden Männern zu , » was für ein seltsamer Gesang das ist ! « Während der Präsident , ganz erstaunt , sich mit den Mädchen stritt , ob die Stimme im Garten oder außerhalb desselben sei , war Nolten in der Mitte des Zimmers sprachlos stehen geblieben : er kannte diese Töne , die Ruine vom Rehstock stand urplötzlich vor seinem Geist , ihm war , als schlüge das Totenlied einer Furie weissagend an sein Ohr , er zog seine Schwester vom Fenster hinweg und mit hastig verworrenen Worten fordert er sie auf , mit ihm nach Agnesen zu sehn . Sie fanden Schlafzimmer und Bett des Mädchens leer . Unter dem Wehruf eines Verzweifelten eilt Nolten hinunter , den Anlagen zu . Bediente mit Laternen waren bereits dort angekommen . Der Präsident vom Fenster aus gab ungefähr die Richtung an , von wo die Stimme hergekommen , denn schon war kein Laut mehr zu hören . Das ganze Schloß war in Bewegung und in dem weitläufigen Garten sah man bald so viele Lichter hin und her schweben , als nur Personen aufzutreiben waren . Der Präsident selbst half jetzt eifrig mitsuchen . Es war eine laue Nacht , der Himmel überzogen , kein Lüftchen bewegte die Zweige . Alle größern und kleinern Wege , Schlangenpfade , Gänge , Lauben , Pavillons und Treibhäuser hat man in kurzem vergeblich durchlaufen , einige steigen über die Mauer , andre eilen ohne Schonung der Gewächse und Beete , das Gebüsch und die tiefern Schatten zu beleuchten . Nicht lange , so winkt der Jäger des Präsidenten diesen mit einem traurigen Blicke hinweg , der Maler und die Frauenzimmer folgen . Wenige Schritte vom Haus , hart unter den Fenstern Agnesens , sehn sie das schöne Kind unter einigen Weimutsfichten , regungslos ausgestreckt , im weißen Nachtkleide liegen , die Füße bloß , die Haare auf dem Boden und über die nackten Schultern zerstreut . Nolten sank neben dem Körper in die Kniee , fühlte nach Atem , den er nicht fand , er brach in lauten Jammer aus , indem er die Hände der Armen an seine heißen Lippen drückte . Die übrigen standen erschrocken umher , nach und nach sammelten die Lichter sich leise um den unglücklichen Platz , ein banges Stillschweigen herrschte , während andere eine Trage herbeizuholen eilten , und Margot die Füße der Erstarrten in ihr Halstuch einhüllte . » Lassen