einmal sehen . Ich meine , ich habe Ihnen genug zu Dank geschrieben , daß Sie den ganzen Tag in Geschäften mit Gerichtshalter und Amtleuten zubringen wollen , ohne einen Augenblick für Ihre ungeduldige Freundin abmüßigen zu können . Wüßte ich es nur über mich zu gewinnen , ich hätte auch schweigen , und Sie mit Ihren Acten in so trockner Unterhaltung lassen sollen , wie Sie es gestern für gut fanden , uns solche kosten zu lassen . Nein , Hugo ! einsilbiger habe ich Sie lange nicht gesehen . Ums Himmelswillen , macht diese unglückliche Rechtspflege alle Männer hölzern und eingebildet auf ihre Wichtigkeit ? Sie zogen auch die Stirne kraus und sahen auf einen Fleck , rechneten und balancirten das Für und Wider mit kaltem Ernst , wie gewisse andere Leute , die ich nicht gegen Sie , am wenigsten im Schlimmen erwähnen will . Aber Lieber , sein Sie weniger respectabel und ein Bischen liebenswürdiger . Antwort Ich sollte Ihnen danken , Elise ! bereuen und Aenderung geloben . Das kann ich Alles nicht . Im Gegentheil muß ich Sie schelten , daß Sie mich kennen und doch so beobachten , als wäre an mir etwas anders als unwillkührlich . Haben Sie ja Nachsicht mit mir , und vor allem lassen Sie sich nicht auf vieles Erklären und Motiviren ein . Sie verderben nur Ihre Zeit ; denn wahrhaftig , es würde mir schwer werden , mich immer selbst zu verstehen . Machen Sie auch den Geschäften nicht den Krieg . Geschäfte sind ein guter Ableiter in den Gewittertagen der Seele . Und in wessen Leben finden sich solche Tage nicht ? Ich denke , der Humor wird bei dem heutigen Gerichtstage nicht erst lange um Stoff betteln müssen . Will ' s Gott und der witzige Kauz , der Actuarius , so bringe ich Ihnen heute Abend eine freie Stirn , und einen ganzen Sack voll Anekdoten mit . Die Oberhofmeisterin an Sophie Wie soll ich Sie nennen ? unbesonnen ? Das Wort paßt niemals auf Sie . Treulos ? Ich kenne Sie so lange als wahr und zuverläßig . Bethört also ? Bethört auf unbegreifliche Weise . War es möglich ? Bei Ihnen fand sich das Pärchen zusammen ? Unter Ihrem Schutz glich sich alles so glatt und eben aus , als habe die Thorheit nur die Hand der Weisheit bedurft , um ihr gleich zu werden ! Sophie , dazu haben Sie Ja gesagt ? So wenig ehrten Sie in der Freundin die tödtlich gekränkte Mutter ? Haben Sie denn kein menschliches Ahndungsvermögen ? fiel es Ihnen nicht auf tausend Meilen ein , wie es mir in der Seele zuwider sein mußte , diese verführerische Schlange mit Hugo verheirathet zu sehen . Sie mit dem Namen nennen zu hören , den Emma , die Unglückliche , Gemarterte , mir und der Welt Entrissene , trug ? Haben Sie gar keine Vorstellung von der Eifersucht einer Mutter für die Rechte der einzigen , angebeteten Tochter ? Ist es Ihnen wirklich unmöglich , die bittere Kränkung zu bezweifeln , die mir aus dieser unwürdigen Heirath erwächst ? O fragen Sie nicht mit der verwunderten Ruhe , die mich zu Zeiten , Ihnen gegenüber , um alle Fassung bringt , ob ich denn gewollt , daß der Graf nie wieder an eine zweite Ehe denken sollte ? Ja , ja , ich habe das gewollt ! Ich will es noch ! Wem darf er seine Hand bieten , wenn ihn das sanfte Joch an Emma ' s Seite drückte ? Wem ? ich frage Sie . Und wenn auch das nicht wäre , sagen Sie einmal , kann er diese Unruhestifterin , diese Störerin seines Familienfriedens , diese doppelte - ! O lassen Sie mich wegwenden von dem Gedanken , daß sie es ist , die er in sein ehrbares Stammhaus führt , die ihr entweihtes Wappen an den Schild hängen darf , der sich mit dem meinigen verschlang ; daß sie da gehen , stehen , sitzen wird , wo Emma saß ; daß ihre Stimme frei und keck erschallen wird , wo jene demüthig und leise ihr bescheidenes Wort aussprach , daß sie - o mein Gott ! da lachen wird , wo mein armes Kind so viel , so heiß weinte ! Gehen Sie , Sophie ! Ihre Klugheit ist dem flachen Spiel empfindsamer Modetändelei erlegen . Während Sie sündliche Thränen trocknen helfen , pressen Sie meinen brennenden Augen gerechte und allzu bittre aus . Ich wußte nicht , sollte ich die Leute Lügen strafen , die mir die Geschichte dieser Komödien-Versöhnung erzählten ! Ein falsches Gerücht nannte ich sie , doch glauben , das war mir nicht möglich , glauben konnte ich sie nicht . Nun bestätigen Sie es selbst , und verlangen , ich soll es gut heißen . Verblendete ! mit Ihnen ist nicht zu streiten . Aber der Himmel , das weiß ich , der Himmel wird Euch die Augen öffnen . Das duldet er nicht , wie auch Wahn und Ueberspannung seine Absicht mißverstehe . Und sollte , und dürfte ich auch nicht - ! Nein ! verlassen Sie sich darauf , das wird niemals geschehen ! Hugo an Heinrich Du bist ein guter Mensch , Heinrich ! aber Du hast das Unglück , selten zu wissen , wie Andern zu Muth ist . Das kommt von Deinen abgezogenen Begriffen . Du giebst nicht genug auf das Leben Acht . Mein liebes Kind ! das ist ein Proteus , das macht Dir ein X für ein U vor , ehe Du Dich versiehst . Ich hätte Dir längst einmal wieder geschrieben , allein ich fürchte mich vor Deinen hohen Worten . Du hast so viel mit Idealen , mit Streben u.s.w. zu thun , und das Alles schrumpft , bei ordentlichem Tageslicht besehen , zu solcher Misere zusammen , daß mir ' s erschrecklich ist , wenn man davon viel Lärmens macht . Soll ich Dich nun auf