Ich habe Dich sonder Gefährde hieher geleitet von Costnitz , « sprach Dagobert weiter ; » Dich unter Wegs gehalten wie ein ehrlich Frauenbild , und mich wie einen ehrlichen Gesellen . « - » Das weiß der Himmel ! « betheuerte Esther mit dankbarer Neigung : » Einer ehrsamen Bürgerin gleich habt Ihr mich gehalten , und nicht wie eine schlechte Jüdin . Das vergelte Euch der hochgelobte Gott , der es auch gnädig mit ansieht , wie Ihr also wandelt mit mir im Freien , ohne Schaam und Scheu , - mit mir , der von aller Welt Verstoßenen . « - » Wolltest Du mir wohl ferner vertrauen ? « fragte Dagobert mit weicher Stimme . - » Bis an ' s Ende , Herr , unwandelbar ; « antwortete Esther . - » Deine Habe hast Du mir bereits vertraut , da wir schieden ; « sagte Dagobert ferner : » Herzog Friedrichs Brief habe ich in Händen , und werde Dir einst Rechnung davon stellen ; aber nun sollst Du Dich selbst mir anvertrauen . « - » Gerne , Herr ! « versetzte das Mägdlein ohne Säumen . - » So nimm eine Herberge an von mir ; « sprach der Jüngling , den ruhigen Blick auf sie heftend . - » Eine Herberge , Herr ? « fragte sie staunend : » Bei Euch ? das ziemt sich nicht . « - » Nein , wahrlich ; « lächelte der Junker : » bei mir ? das würde sich freilich nicht ziemen . Aber in einem Hause , dem eine wackre Freundin vorsteht ... was meinst Du dazu ? « - » Ohne Bedenken ; « antwortete Esther mit frohem Danke : » Wohin Ihr mich führt , darf ich gehen . « - » Auf die Gefahr , daß ich des Schultheißen Vorliebe für hübsche Dirnen theilte ? « fragte Dagobert mit Laune . Esther sah ihn ernst an , schüttelte lächelnd den Kopf , und sprach : » Verkleinert Euch doch nicht selbst ; im Scherze nicht einmal . Woran soll man erkennen den Mann , wann er sich selbst den bösen Leumund anhängt ? « - » An seinen Handlungen , treffliche Dirne ! « antwortete Dagobert rasch , indem er unwillkürlich ihr die Hand drückte : » Und nun , komme mit mir zum Schellenhofe . Die alte Crescenz will mir wohl und Dein Vater steht bei ihr nach dem Heilande in den größten Ehren . Dort , mein armes Kind , dort wirst Du sicher seyn . « Fußnoten 1 Gesetzlicher Gebrauch , sobald die Wittib ihres Mannes Schulden nicht bezahlen konnte . Nach geleistetem Eide sie durch obige Handlung aller Verbindlichkeit quitt . Fünftes Kapitel . Eia , Eia ! Ostern ist da ! Fasten ist vorüber , Das ist mir lieber ; Eier und Wecken Viel besser schmecken ! Eia , Eia ! Ostern ist da ! Altd . Kinderlied zum Osterfeste . Der Heilige Ostertag hatte sich einen schönen Schmuck von Sonnenschein und Wärme angelegt , allein an dem Abend desselben war glänzendere Helle , wenn gleich nur von Kerzenlicht , und eine viel angenehmere Wärme in den Stuben des adelichen Gesellenhauses Limpurg zu finden . Die Gemächer waren geschmückt wie zu einer Hochzeit . Bunte Vorhänge waren an den Fenstern aufgemacht , allenthalben vielarmige Wand- und Deckenleuchter angebracht , und der Fußboden entweder mit gewürkten Teppichen belegt , oder mit weiß und rothem Sand bestreut , den man in allerlei seltsamen Figuren aufgeschüttet hatte . Auch die Tafel , an welcher heute recht viele der edeln Gesellen sammt ihren Frauen und Töchtern und Schwestern das abendliche Ostermahl begehen wollten , war herrlich hergerichtet in dem Saale , welcher der Schauplatz der Schmäuse und Geschlechtertänze zu seyn pflegte . Blendendweiße Tischtücher mit buntem Rande , die Ecken in zierliche Knoten geschlungen , bedeckten die Tafel , mit schimmerndem Geräth versehen , so wie der gegenüberstehende Kredenztisch mit prächtigen Gefäßen besetzt war . Die Becher der Gäste waren schon bekränzt mit den zum Fest gehörigen Maaslieben oder Osterblümchen , und voll angehäuften Zinnschüsseln mit bemalten Ostereiern standen hin und wieder auf Tisch und Schrein aufgepflanzt , um den hin und her wandelnden Herren und Frauen als eine kleine Ergötzlichkeit des Gaumens zu dienen , bis das Zeichen zum Mahle gegeben seyn würde . Der größre Theil der ungemein ansehnlichen Zahl von anwesenden Stubengenossen war im großen Vorgemache versammelt , um den mächtigen Ofen , dessen Flächen mit dem in Farben ausgeführten Wappen der Vaterstadt geschmückt waren , so wie die Wände umher mit der langen Reihe von Limpurgs Geschlechterwappen , mit den auf großen Pergamenttafeln geschriebnen Ordnungen der Ttrinkstube , dem bedeutenden Namens-Verzeichniß von Meistern und Gesellen , und den Panieren der Gesellschaft . Plaudernd und schäckernd unterhielten sich die geputzten Gäste von dem , was der Tag gerade gebracht hatte . Die jüngern Anwesenden sprachen von Scherz und Liebe , zeigten sich gegenseitig die prachtvollen Ostereier , die sie empfangen , gesandt in zierlichen Körben , oder auf seidnen und duftenden Kissen , und mit den niedlichsten Sprüchen bemalt . Der zärtliche Freier benutzte das Dämmerdunkel des Ofenschattens , um der Geliebten das Geschenk wieder zum Geschenke zu machen , und einen süßen Blick dafür zu erhalten . Gespielinnen und Freunde bekränzten sich gegenseitig mit den Blumen , in welchen die Ostergeschenke gelegen , und mancher zärtliche Reimspruch ging von Munde zu Munde . Während dessen redeten die jungen Frauen von der Herrlichkeit der bevorstehenden Frühlingsfeste , die ältern von dem Barfüßer , der heute das wirksamste und ergötzlichste Ostergelächter erdacht , von der Deutschherrenkirche , in welcher das ansehnlichste Osterlicht zu schauen gewesen , und von dem Bäcker , der die schmackhaftesten Fladen zum Feste geliefert . Unter den Männern ging hingegen vom Wechsel und Gewerbe die Sprache , von Gerichten , Fehden und dem Concilium . Trotz diesen ganz verschiednen Redestoffen stand dennoch die Menge beisammen auf einem Knaul , als ob das